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Auf Wiedersehen

21.10.2009

Den Teilnehmern der Comdays 2009 wünschen wir angenehme Heimreise. Auf Wiedersehen nächstes Jahr, 26./27. Oktober 2010.

Sabine Ingwersen & Stefan Scherrer

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Was ändert sich für den klassischen Journalismus?

21.10.2009

Paneldiskussion, Teilnehmer:

Dominique von Burg Président Conseil suisse de la presse
Roger de Weck Publizist
Markus Somm Stv. Chefredaktor «Die Weltwoche»
Catherine Duttweiler Chefredaktorin «Bieler Tagblatt»

Moderation:
Christine Maier Schweizer Fernsehen, SF, Zürich

Dominique von Burg: Die Zunahme von Beschwerden zu Persönlichkeitsverletzungen hat zu tun, dass Inhalte an Personen festgemacht werden. Diese Rügen haben rein moralische Konsequenzen, zu Bussen werden die Journalisten nicht verurteilt. Sitzungen des Presserats waren nicht öffentlich, für Journalisten haben wir sie teilweise geöffnet. Unsere Tätigkeit ist aber nicht mit einem Gericht zu vergleichen.

Catherine Duttweiler: Wir geben uns grosse Mühe, jeden Tag eine überraschende, überzeugende Zeitung zu machen. Wir bewegen uns hier in einer beinahe «Googlefreien Zone», wir können hier in die Tiefe gehen. Mehr jedenfalls als ganz grosse Titel. Da haben wir eine besondere Position. Einsparungen mussten auch wir machen, haben die Effizienz gesteigert, wollen aber die Qualität halten. Seit drei Jahren müssen unsere Journalisten alle auch für die Online-Publikation arbeiten. Wir versuchen beide Plattformen so zu nützen, dass sie sich gegenseitig ergänzen.

Markus Somm: Die Weltwoche schreibt schwarze Zahlen, auch wenn wir einen grossen Rückgang bei den Inseraten hinnehmen mussten. Wir haben schon früh Personal abbauen müssen. Das hat gute Leute getroffen, das schmerzt.

Roger de Weck: Die Entwicklung der Wochenzeitung «Die Zeit» ist ein Gegenbeispiel zu vielem, was wir heute gehört haben. Sie registriert steigende Leserzahlen. Das stimmt zuversichtlich. Wenn eine Publikation fest mit der Region verhaftet ist, wenn sie quasi unverzichtbar ist (wie das Bieler Tagblatt), ist das eine grosse Chance. Auch gebührenfinanzierte, elektronische Medien sind sehr krisenresistent und sind so ein Hort für journalistische Qualität.

Markus Somm: Eigentlich ist jetzt eine gute Zeit für die Branche. Wir sind gezwungen, von gewissen Vorstellungen Abschied zu nehmen. Um die Leser müssen wir uns intensiver kümmern, sie sind unsere Kunden. Bisher galt die Aufmerksamkeit eher den Werbekunden.

Roger de Weck: Die Branche kann mittelfristig Geld verdienen, wenn die Titel in eigene Recherchen investieren. Wer die Informationen hat, wird sie verkaufen können. Eine Zeit lang wurde viel Aufwand betrieben, um vorhandene Informationen zugänglich zu machen. Ich plädiere dafür, weniger zu machen; das dafür gut. Das heisst aber auch, dass man gewisse Themen fallen lassen muss, auch wenn das wehtut. Eine Zeitung muss, wie ein Gesprächspartner, um die Gunst, um die Aufmerksamkeit buhlen. Dafür muss sie spannend sein. Wer ein Profil hat, kann zulegen ohne exzessiv Marketing zu betreiben.

Dominique von Burg: Ich bin pessimistisch, wenn ich sehe, dass alle mehr oder weniger über das gleiche berichten. Gefragt ist Mut, von den Verlegern, in den Chefetagen. Was von dort kommt, führt bisher oft zu einer Standardisierung. Die Journalisten sollten den Mut haben, Originelles vorzutragen und dafür auch gegen allfällige Widerstände einstehen.

Catherine Duttweiler: Für viele Menschen gehört es nach wie vor zum täglichen Ritual, eine Zeitung in die Hand zu nehmen. Der Spagat besteht darin, Jüngere mitzunehmen und die Älteren als Leser zu behalten. Veränderungen, wie zum Beispiel Kostenpflicht einführen (iApps etc.), braucht Mut. Aber sie sind ein Weg, jüngere Leser an die Marke zu binden.

Markus Somm: Wenn ich lese, dass das neue Buch von Dan Brown, als Erstauflage (deutsch) in 1,2 Millionen Exemplaren erscheint, sagt mir das, dass die Leute nach wie vor gerne lesen. Gelesen wird auch noch in achttausend Jahren. Information ist wichtig, da sind wir uns alle einig. Glaubwürdige, gut gemachte Information ist nicht einfach zu machen. Der einzelne Journalist braucht auch den Mut, Dinge zu verfolgen, die der Kollege nebenan vielleicht nicht so «hübsch» findet.

Dominique von Burg: Marktforschung darf nicht immer der alleinige Massstab sein. Die kennen den Leser nicht wirklich.

Markus Somm: Die Leute wollen Geschichten hören und lesen. Die Journalisten müssen an ihre eigenen Leistungen glauben.

Roger de Weck: Tendenziell sind die guten Zeitungen in Europa besser geworden, die schlechteren eher schlechter. In dem Augenblick, als die Globalisierung an Wucht gewann, haben sich viele Medien wieder auf die lokale Berichterstattung konzentriert. Und zwar aus kommerziellen Interessen, das ist verwerflich. Nicht, weil der Leser sich nicht für internationale Themen interessiert. Das Informationsdefizit kann gefährlich sein. Umgekehrt werden unbedeutende Ereignisse gross abgefeiert oder sogar inszeniert. Diesen billigen Strategien müssen wir entgegenwirken.

Markus Somm: Wenn wir Geschichten aufbauschen, die nicht relevant sind, nehmen wir den Leser nicht ernst.

Christine Maier: Kennen wir die Leser noch?

Catherine Duttweiler: Ich glaube, dass ich die sehr wohl kenne. Ich bin mit ihnen im Kontakt. Das bringt mir mehr als Auswertungen wie «Reader Scan.» Wir müssen wir mit den Lesern in Dialog treten.

Christine Maier: Ist Qualität eine Frage des Geldes?

Dominique de Weck: Wenn man Geschehen gewichten will und das kompetent machen will, braucht es dafür genügend Personal. Wirklich leisten werden sich das nur wenige können. Man kann sich aber auf Themen konzentrieren, Schwerpunkte setzen.

Markus Somm: Wir müssen aufpassen, dass die wirklich guten Journalisten nicht in andere Berufe abwandern, wo sie mehr verdienen. Bundeshaus und Lokales sind das Rückgrat jeder Zeitung in der Schweiz. Da darf man nicht abbauen. Wenn Journalisten über viele Jahre im Bundeshaus präsent sind, ist das enorm viel wert. Aber das kostet etwas, wenn solche Berufsleute nicht abspringen sollen.

Roger de Weck: Wenn ein ehrgeiziger Journalist für die Weltwoche nach Afghanistan geht und die ultimative Geschichte, den ultimativen Schlüssel zum Verständnis liefert, dann ist das einfach unheimlich viel wert. Möglich ist das kaum mehr.

Dominique von Burg: In all dem was geschieht, braucht es jemanden, der Ordnung schafft. Dafür braucht es aber nicht zweihundert Redaktionen für zweihundert Zeitungen. Aber Leute, die sich im Ausland bewegen, die verstehen was geschieht, die braucht es. Vieles lässt sich rationalisieren, anderes sollte man bewusst ausbauen.

Catherine Duttweiler: National und regional können wir viel mehr bewegen. Ich setze mich auch dafür ein, dass am MAZ der Regionaljournalismus einen höheren Stellenwert erhält.

Markus Somm: Die Kernaufgaben der Presse sind seit ewig die gleichen. Die Leser wollen Fakten, das müssen wir liefern.

Roger de Weck: Die Leser haben unterschiedlichste Bedürfnisse. Wer sich nicht nur darauf konzentriert, ein gefälliges Produkt anzubieten, wird Erfolg haben. Wichtig ist eine deutlich wahrnehmbares, unverwechselbares Profil.

Lokale Titel liefern hervorragende Qualität

21.10.2009
Hanspeter Lebrument

Hanspeter Lebrument

Hanspeter Lebrument

Verleger Südostschweiz Medien
Präsident Verband Schweizer Presse

Wenn zur Zeit von Medien die Rede ist, sind Begriffe wie Krise nicht weit. Die Schweizer Medienlandschaft besteht aus einer Anzahl von tausenden von Titeln und Sendern. Wahrgenommen werden nur wenige, grosse Häuser. Diskutiert wird ihre Situation. Die Lage der Kleinen, die diese Landschaft stark beleben, scheint weniger interessant.

Hanspeter Lebrument will nicht einstimmen in die gehörten, pessimistischen Töne. Kleine und kleinste Medienanbieter haben auch in der Schweiz ihre Schwierigkeiten. Von der Strukturkrise sind sie aber weniger betroffen. Tausende von kleinen und mittleren Medien haben kaum Leser, Hörer, Zuschauer und User verloren. Auch die Werbekunden bleiben ihnen treu. Er sei immer wieder erstaunt, wie gut der Rucksack dieser Regionaljournalisten gefüllt sei, so Lebrument.

Von einzelnen Auswüchsen abgesehen sehe er die Qualität des Journalismus in der Schweiz nicht in Gefahr. Die Ausbildungslandschaft habe sich gewaltig verändert. In die Ausbildung von Journalisten sei massiv Geld geflossen. Praktisch in jedem Landesteil könnten sich Journalisten fundiert ausbilden lassen. Anders als wir kommen diese Jungen gut vorbereitet in den Redaktionen an. Das Niveau der «Beginners» ist heute viel höher als früher.

Schon in seinen jüngeren Jahren seien die Alten überzeugt gewesen, dass die jüngere Generation die journalistische Qualität nicht pflegten. Diese Melodie ist bis heute zu hören, was nicht beweist, dass die Befürchtung stimmt. Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil.

Trendwende bereits geschafft

21.10.2009

Ann Axelsson

Ann Axelsson

Ann Axelsson
Week end Editor, Svenska Dagbladet, Stockholm
Magnus Gylje

Magnus Gylje

Magnus Gylje
Editor K, Svenska Dagbladet, Stockholm

Die allgemein gültige Lösung für das Überleben der Printmedien könnten sie nicht präsentieren, leiten die beiden Schweden ihr Referat ein. Was sie vorstellen, erzählt aber von einer faszinierenden Wandlung, die Mut macht.

Wie alle anderen Titel kämpfte auch Svenska Dagbladet mit sinkenden Leserzahlen. Die Zeitung galt als sperrig und selbstgefällig. Dieses Image wollte korrigiert sein, sie wurde auf Boulevard getrimmt. Mit wenig Erfolg. In der Folge wurden die Leser intensiver befragt. Heraus kam, dass die Leserinnen und Leser unter der Woche nicht die Zeit finden, alle Inhalte (die sie interessieren) zu bewältigen.

Die Ausgaben unter der Woche wurden gestrafft, werden inhaltlich kompakter aufbereitet. Komplexe Sachverhalte werden mitels Grafiken und Infografiken dargestellt. Der Aufwand für die Gestaltung des Svenska Dagbladet ist relativ hoch, der Titel gewann dafür einige Preise. Noch verstärkt gilt diese Feststellung für die Wochenend-Ausgaben, die Leser wie Fachleute schon rein optisch begeistern.

Die Wochenend-Ausgaben erscheinen als Magazine mit Namen «K», die gezielte Schwerpunkte setzen und Themen vertieft behandeln. Am Wochenende finden Leser die Zeit, sich damit zu beschäftigen. Die Inhalte sind nicht zwingend tagesaktuell, sie behalten ihren Wert über das Wochenende hinaus.

«K» erscheint am Freitag, Samstag und am Sonntag. Jeder dieser Tage hat eigene Schwerpunkte:
Freitag – Kultur, populäre Kunst, Food & Wein
Samstag – Literatur, Mode
Sonntag – Kultureller Lifestyle, Reisen, Gesundheit

Ziel sei es, die Leser mit der Auswahl der Themen immer wieder von Neuem zu überraschen. Befragungen zeigen, dass die Magazine anklang finden. 50% der Leser urteilen, dass sich Svenska Dagbladet verbessert habe. 30% finden den Titel nach wie vor gleich gut. Experten zeichneten Svenska Dagbladet als Europas bestgestalteten Titel aus. Entgegen dem Trend ist die Leserzahl markant angestiegen.

20 Minuten: Erfolgsbeispiel auch in der Krise?

21.10.2009
Marcel Kohler

Marcel Kohler

Marcel Kohler

Geschäftsleiter 20 Minuten AG

«Der Erfolg wurde 20 Minuten nicht in die Wiege gelegt», erinnert Marcel Kohler. Der Empfang sei nicht eben herzlich gewesen. Auch er selber habe das Geschäftsmodell damals kritisch hinterfragt. Heute erscheint der Titel in zwei Sprachen und acht Lokalausgaben (Totalauflage 710’000 Ex./Tag, fast 2 Mio. Leser).

Die Krise im Werbemarkt («die gibt’s!») ist auch an 20  Minuten nicht spurlos vorbei gegangen. Allerdings sei 20 Minuten vom Rückgang im Werbemarkt weniger stark betroffen – und er setzte relativ spät ein. Im Gegensatz zur abonnierten Presse, die an Reichweite verliert, legt 20 Minuten bei der Reichweite konstant zu: «Insgesamt wurde noch  nie so viel Zeitung gelesen wie heute.» Am meisten Leser erreicht 20 Minuten bei den 14- bis 19-Jährigen. «Die Tatsache, dass die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen wieder Zeitung liest, beantwortet die Frage nach der Legitimierung des Titels», so Kohler nicht ohne Stolz.

20 Minuten erreicht also eine hoch attraktive Lesergruppe und profitert davon bei den Werbekunden. Der Werbemarkt-Krise könne man also durchaus begegnen. Kontinuierliche Innovation sei deshalb das Ziel. Ein anderes die Expansion in neue Märkte. So hat Tamedia mit 20 Minuten zwei Mal Sprachgrenzen überschritten (Romandie, Luxemburg). Business Extension: Das People-Magazin «Friday» gelingt es – nach «unerwartet langer Schwangerschaft» – die Leser zu erreichen.

Teil der Innovation sei, nebst 20 Minuten online, das Mobile-Geschäft, welches konsequent vorangetrieben werden. Online bietet 20 Minuten lokale News mit erstaunlicher Tiefe an. Dies nicht zuletzt mit der Absicht, auch lokalen Werbekunden eine Plattform anzubieten. iPhone-User können (danke einer speziellen App) bald acht TV-Programme empfangen. Diese Dienste sind kostenpflichtig.

Entgegen den Vorurteilen habe 20 Minuten nicht allein deshalb Erfolg, weil die Zeitung gratis sei. 20 Minuten werde mittlerweile von mehr «Leadern» gelesen als der Tages-Anzeiger oder die NZZ. Aussagen und Meinungen aus der Branche zu 20 Minuten hätten sich stark geändert, konstatiert ein zufriedener Geschäftsleiter der meistgelesenen Zeitung der Schweiz.

Krise oder neue Realität in den Medien?

21.10.2009
Hans-Peter Rohner

Hans-Peter Rohner

Hans-Peter Rohner

CEO and Chairman PubliGroupe AG

Die Weltwirtschaftskrise hat gravierende Auswirkungen auf die Einnahmen der Medienhäuser. Der Aufschwung wird prognostiziert. Verleger dürfen aber nicht automatisch damit rechnen, dass sie bei gleichen Leistungen wieder mehr verdienen werden.

Die Mediennutzung hat sich grundsätzlich verändert. Zwischen jungen und älteren Menschen gibt es dabei Unterschiede. Eine Gemeinsamkeit aller Nutzergruppen ist, dass ein Grossteil der Nutzer den ganzen Tag online ist. Internet ist in alle Lebenslagen eingedrungen. Der Kampf um Zeit und Aufmerksamkeit der Mediennutzer wird immer gnadenloser.

Die Einnahmen pro Nutzer sind bei Online-Medien um ein vielfaches tiefer als bei klassischen Medien. Wie sich unter diesen Voraussetzungen rentable Business-Modelle gestalten lassen, ist und bleibt die grosse Herausforderung.

Werbung wird zunehmend als Investment gesehen. Honorare für Agenturen, aber auch die Ausgaben für die Verbreitung von Werbung werden immer mehr an Resultate gebunden. Die Preismodelle beinhalten immer öfter Kommissionen. Im Klartext: Geld gegen messbare Leistung. Ein weiterer, neuer Faktor für die Preisgestaltung, ist der Zeitpunkt, zu dem der Werbeplatz gebucht wird. Ähnlich den Preismodellen der Fluggesellschaften, wo zwei Sitznachbarn sehr unterschiedliche Preise für die gleiche Leistung bezahlen.

Preismodelle werden in Zukunft in immer kürzeren Abständen überarbeitet werden müssen. Klug kalkulierenden, innovativen Medienunternehmen gehöre die Zukunft. Die Herausforderungen seien spannend wie nie zuvor, so Hans-Peter Rohner.

Können sich Politik und Medien ergänzen?

20.10.2009
Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Bundesrätin, Aussenministerin, Bern

Politik und Medien sollen sich ergänzen. Für die Politik ist es wichtig, dass wir uns orientieren können, dass der Dialog stattfindet. Gerade aussenpolitische Themen sollten nicht ausschliesslich von Spezialisten und Diplomaten geführt werden. Die Öffentlichkeit soll an der Debatte teilnehmen. Medien machen die Aussenpolitik sichtbar.

Transparenz empfinde sie als positiv, auch wenn sie ihre Arbeit nicht einfacher mache: «Das nehmen wir gerne auf uns.» Auch wenn die Kommentare von ihrer eigenen Meinung abweiche. Die Problematik daran habe die Iran-Reise gezeigt: Trotz zahlreicher Erklärungen ihrerseits sei die Substanz ihrer Reise nie vermittelt worden. Die Mission wurde von ihrem Bild mit Schleier überlagert.

Auch das, was sie hier, vor dem Comdays-Publikum sage, werde weniger in Erinnerung bleiben, als die Art und Weise, wie sie Ihre Botschaft vermittle. Calmy-Rey plädiert dafür, Journalisten gut auszubilden. Dies sei umso wichtiger, als Inhalte immer mehr auf kurze Aussagen reduziert würden. Zeitdruck, Mangel an Ausbildung und Sorgfalt könnten weit reichende Folgen haben. Mediendruck könne zu Kollateralschaden führen. Dies habe nicht zuletzt die Verhaftung Hannibal Gaddhafis gezeigt. Dem Image der Schweiz drohe Schaden, weil nicht in vollem Umfang erklärt werden könne, warum diese Debatte in einem demokratischen Land geführt wird. Warum in einem Land, das für Toleranz steht, über Minarette abgestimmt wird. Die nötige Zeit, den Raum für solche Erklärungen erhielten Politiker oft nicht.

Politische Arbeit, wie Micheline Calmy-Rey sie versteht, geschieht im Dialog mit der Bevölkerung. Nur so könne die Exekutive wissen, welche Werte sie zu vertreten habe.

Fiber to home. Hype? (Fortsetzung)

20.10.2009

Wer braucht die schneller Fasern wirklich?

Ruedi Noser: Für Private sind die Geschwindigkeiten schnell genug.

Carsten Schloter: Wenn Sie die Kunden fragen, werden Ihnen die meisten zustimmen. Aber wir müssen jetzt bauen, um die Bedürfnisse von Morgen decken zu können.

Christoph Brand: Langfristig kann man gar nicht genug Bandbreite haben.

Ansgar Gmür: So richtig verstehe ich noch gar nicht, wozu wir diese Glasfaserkabel brauchen werden. Als Kunde frage ich mich schon: «Brauche ich das überhaupt?» Die Information zum Thema ist wirklich mangelhaft

Ruedi Noser: In unserer Familie schaut niemand mehr Live-TV. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir diese Bandbreiten wirklich brauchen werden.

Peter Messmann: Wer einmal erfahren hat, was möglich ist, will nicht mehr zurück. Das haben frühere Versuche gezeigt.

Christoph Brand: Wer welche Möglichkeiten nutzen wird – und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist – wissen wir noch nicht. Wir haben deshalb den klaren Auftrag, möglichst kostengünstig zu bauen. Tiefe Kosten pro Anschluss, das muss das Ziel sein

Moderator: Investieren wir in einen Hype?

David Thiel: Wer mehr Strassen baut, provoziert Verkehr. Das ist in der Telekommunikation auch so. Aber hier eröffnen sich uns neue Möglichikeiten: Wenn Software beispielsweise zentral gehostet wird – und vom Kunden nur bei Bedarf genutzt wird – sind Glasfasern ein Gewinn.

Carsten Schloter: In den ersten Jahren wird diese Infrastruktur unterbenutzt sein. Später werden die Bandbreiten gebraucht werden. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Das grösste Risiko heute ist das Preisrisiko. Niemand weiss heute, was die Kunden in zehn Jahren für unsere Angebote zu bezahlen bereit sind.

Moderator: Schlussrunde, Glaubensbekenntnis pro/kontra Glasfaser

Christoph Brand: Wir möchten, dass rasch investiert und gebaut wird. Alle Anbieter sollen die Infrastruktur zu den selben Bedingungen nutzen dürfen.

Ruedi Noser: Ich freue mich, dass der runde Tisch sich geeinigt hat. Das ist das Beste, was man in der Schweiz hinkriegen konnte. Welchen politischen Handlungsbedarf es geben wird, wird ein Bericht des Bakom zeigen.

Andreas Widmer: Wir bauen weiter schrittweise aus und wollen unseren Wettbewerbsvorteil halten

David Thiel: Gleiche Stückkosten unter gleichen Bedinungen, dafür kämpfen wir. Wir waren lange die einzigen, die an Fiber-to-Home gebglaubt haben, unser Glaubensbekenntnis haben wir also längst abgegeben.

Carsten Schloter: Der Kunde wird diese Leistungen in zehn, fünfzehn Jahren brauchen. Es ist wichtig, dass jetzt investiert wird, dass volkswirtschaftlich ein Sprung nach vorne gemacht werden kann.

Ansgar Gmür: Wir hoffen, dass der Kunde in Ihren Überlegungen eine Rolle spielt. Dass die Kunden etwas davon haben und dass die Prozesse demokratisch ablaufen. Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch, die wollen wir umgesetzt sehen.

Fredy Brunner: Jetzt, rasch und günstig ein Netz für die Zukunft schaffen! Lassen Sie uns um Himmels Willen den Wettbewerb.

Martin Dumermuth: Bandbreite ist ein Bedürfnis. Das ist wie beim Estrich. Der kann noch so gross sein, er ist immer voll.

Fiber to the Home – vom Hype zur Realisierung

20.10.2009

Panel, mit kurzen Impulsreferaten. Teilnehmer:

Carsten Schloter CEO Swisscom AG
David Thiel Vorsitzender IWB (Industrielle Werke Basel)
Fredy Brunner Stadtrat Stadt St.Gallen, Vorstand Technische Betriebe
Christoph Brand CEO Sunrise Communications AG
Andreas Widmer CEO Wasserwerke Zug AG (WWZ)
Ansgar Gmür Direktor Hauseigentümerverband Schweiz
Martin Dumermuth Direktor BAKOM
Ruedi Noser Unternehmer, Nationalrat und Präsident ICT Switzerland
Peter Messmann Leiter Telecom, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz)

Moderation: Rainer Borer Leiter Wirtschaftsredaktion Schweizer Radio DRS

Fiber to Home: «Eine grosse Aufgabe, die auf diese Herren zukommt», leitet Rainer Borer die Paneldiskussion ein. Vor zwei Wochen kam die Meldung, dass zum Thema Glasfasernetze in der Schweiz ein Durchbruch gelungen ist.

Carsten Schloter: Glasfaser ist ein extrem langfristiges Unterfangen. Der Nutzen wird sich nicht von Beginn materialisieren. Wir dürfen nicht damit rechnen, dass schon bald alle Haushalte mit Glasfaserkabeln erschlossen ist. Das wird ein Generationenprojekt. Aktionismus ist fehl am Platz, gefragt ist Pragmatismus. Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser sehr hohen Investitionen wird hoch sein. Das Risiko dafür ist auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ideale Modell dafür existiert nicht, jedes Land sucht dafür den geeignetsten Weg. In der Schweiz konnten wir uns in sehr kurzer Zeit auf die Grundzüge eines gemeinsamen Modells einigen

Christopn Brand: Mit wenigen Einschränkungen kann ich mich dem anschliessen, was Carsten Schloter gesagt hat. Wir begrüssen diesen Konsens. Er ist die richtige Mischung zwischen «ein Mal bauen» und «bauen ohne Ende». Dass alle Anbieter auf die Glasfasern Zugriff haben, ist gut. Der Wettbewerb kann spielen, das ist wichtig.

Peter Messmann: Die Krux liegt im Detail. Die Voraussetzung, damit eine Stadt in ein Glasfasernetz investiert, ist eine Win-Win-Situation. Wir brauche einen gewissen Investitionsschutz, wenn auch nicht eine Garantie. Ziel ist nicht eine Gewinnmaximierung, aber Eigenwirtschaftlichkeit. Wir wollen nicht heute einen Deal abschliessen, der in zehn, fünfzehn Jahren hohe Folgekosten nach sich zieht. Wir wollen ein Netz bauen, das den Standort fördert, dafür sind wir zu einem Zusatzinvestment bereit, aber in gewissen Massen. Investitions-, Unterhalts- und Betriebskosten werden noch Fragen aufwerfen, die Details müssen erst noch ausgearbeitet werden.

David Thiel: Telekommunikation wird neben Wasser- und Energieversorgung für urbane Zentren eine ganz zentrale Rolle spielen. Das Engagement der Öffentlichen Hand zielt darauf, nicht von Dritten abhängig zu werden, uns keine Spielregeln aufdrängen zu lassen. Der Austausch mit den Telekomanbietern ist sehr spannend. Wir sprechen dabei nicht immer die selbe Sprache. Unter «Diskriminierungsfrei» verstehen bis jetzt nicht exakt das selbe.

Andreas Widmer: Telekommunikation ist nur ein Teil unseres Produkteportfolios. Gewerbekunden haben wir bereits mit Glasfaserkabel erschlossen. Wir investieren auch jetzt wieder in diese Infrastruktur und werden allen Haushalten hohe Übertragungsraten anbieten können. Von unseren bisherigen Kunden setzt bisher nur ein Prozent auf die ganz schnelle – aber teuereren – Übertragungsraten.

Ansgar Gmür: Das ist das erste Mal, dass die zahlenden Gäste auch eingeladen sind! Heute sind 62% der Mehrfamilienhäuser in privaten Händen. Wir Hauseigentümer haben Forderungen: Wir sind durchaus dafür, die Häuser mit vier Fasern zu erschliessen. Aber, Sie als Anbieter müssen die Technologie unseren Mitgliedern besser erklären. Die sind mit dieser Thematik überfordert. Die Kosten für den Bau und Rückbau ist Sache der Netzanbieter. Wir haben jetzt eine Kröte geschluckt; die Verträge über zwanzig Jahre.

Fredy Brunner: Wir haben in St. Gallen drei Ansätze gehabt: Kommunikation wird zum Grundbedürfnis, wir wollen uns aber nicht fremdbestimmen lassen. Deshalb haben wir schon früh selber investiert. Wenn wir ein eigenes Netz bauen (das tun wir jetzt, in Absprache mit den Anbietern), dann wollen wir die Vollabdeckung. Rasch, günstig, nicht diskriminierend. Das Netz muss sich selber tragen. Dafür gibt es einen Businessplan über dreissig Jahre.

Ruedi Noser: So wie diese Diskussion läuft, funktioniert die Schweiz. Wenn diese Netze gebaut sind wird es schnell so weit kommen, dass ein Anbieter das Management für die Netze in der Schweiz übernimmt. Es geht irgendwann nicht zuletzt darum, gegenüber ausländischen Konkurrenten zu bestehen

Martin Dumermuth: Der runde Tisch hat einen erheblichen Fortschritt in Richtung Wettbewerb gebracht. Die Thematik ist komplex, die Forderungen kommen aus vielen Richtungen. In Europa wird diskutiert «wie bringen wir unsere Akteure dazu, in Glasfasernetz zu investieren?», in der Schweiz ist die Bereitschaft dazu gross. Regulieren heisst nicht, den Infrastruktur-Wettbewerb zu blockieren, wir wollen den Entwicklungskorridor offen halten. Den haben wir heute offen und er zeigt in die richtige Richtung. Aber selbst mit dem Vier-Phasen-Modell ist nicht garantiert, dass der Wettbewerb spielt. Dafür braucht es allenfalls Auffangnetze. Es ist auch denkbar, dass der Wettbewerb in einzelnen Regionen funktioniert, in anderen aber nicht. Dann stellt sich die Frage der Grundversorgung. Der Wachstumsprozess beginnt in den städtischen Agglomerationen, entwickelt sich dann in die ländlichen Regionen. Das wird mehr Zeit brauche als sich viele heute vorstellen.

Kommentar: Die Politik will, dass alle Anbieter über gleich lange Spiesse verfügen. Logisch, dass die Unternehmer das anders sehen. Ruedi Noser: «Wenn ich als Unternehmer so etwas höre, werde ich ganz kribbelig. Gleich lange Spiesse bedeutet das Ende jeden Wettbewerbs.» Carsten Schloter: «Der Wettbewerb sollte auch zwischen den Regionen spielen, das schafft zusätzliche Dynamik.»

Gefahren nicht unterschätzen

20.10.2009
Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Professor EPFL und Mitglied ComCom, Lausanne

Moderne Technologien verschaffen uns immer neue Möglichkeiten, bergen aber auch immer mehr Risiken. Der Kampf um Datensicherheit, den Schutz der Privatsphäre wird ein schwieriger: «Ich fürchte, wir könnten ihn gar verlieren.» Pessimistisch sei er, so Professor Hubaux.

Medizinische Implantate beispielsweise sind oft über Funk gesteuert. Die Schnittstelle dafür ist aber nicht sehr sicher. Sie kann manipuliert werden. Das ist schwierig, aber möglich. Vorgekommen ist das zum Glück bisher noch nie.

Malware wird über Hosts platziert. Botnets können Access Points angreifen. Wenn ein Botmaster genügend Hosts unter Kontrolle kriegt, kann er grossen Schaden anrichten, Benutzernamen, Passworte, Kreditkarten-Nummern abrufen.

Als Nutzer sind wir bereit, sehr viele Informationen preiszugeben. Die grosse Herausforderung bestehe darin, zu vermeiden, dass dass Computerwesen zum Albtraum wird. So wird es immer wichtiger, dass Dritte (als mögliche Angreifer) den Standort von Personen nicht bestimmen können. Funktionen dafür existieren, sind aber noch nicht sehr verbreitet.

Datenfunknetze bieten wenig Datensicherheit. Die Entwicklung der Technologien verläuft stets schneller als dass wir fähig sind, Schutz zu entwickeln, zu testen und anzuwenden. Datensicherheit wird für Anbieter in Zukunft wichtiger werden. Für Konsumenten wird sie zunehmend zu einem entscheidenden Auswahlkriterium. In der Forschung, in der Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Hochschulen liegt viel Potential, so Hubaux. In der Schweiz wird dieses noch fast nicht genutzt. Die Branche wird gut daran tun, ihre Anstrengungen zu Gunsten der Sicherheit zu intensivieren.

Leiten wir die nächste Wachstumsphase ein?

20.10.2009
Olav Swantee

Olav Swantee

Olav Swanee

Senior Executive Vice President Orange, Europe, Egypt & Personal

Die heutige Wirtschaftssituation erinnere an die Dreissiger Jahre, so Swantee. An ein Jahrzehnt mit enormer Kreativität. Unter anderem wurde damals die Walt Disney Company gegründet. Warum nicht jetzt die nächste Wachstumsphase einläuten?

Die Zeichen dafür stehen gut. Wenn es die Anbieter verstünden, das richtige Umfeld zu schaffen. Datentransfers werden enorm zunehmen. Dies hätten die Erfahrungen mit iPhone gezeigt, wo sehr wenige Nutzer sehr viel mehr Daten verschoben als alle anderen Nutzer zusammengezählt. Diesem Trend werde die Masse folgen.

Voraussetzungen dafür sei, dass Internet-Anwendungen persönlich und damit für jeden Nutzer relevant würden. So, dass sie bald fest ins Leben jedes Nutzers gehören. Dafür müssen sie einfach und verständlich aufgebaut sein, die Kapazitäten der Netze sind dafür zu erweitern, die Geräte müssen günstiger werden und die Preismodelle innovativ ausgestaltet sein.

Smart Phones würden schon sehr bald sehr viel günstiger, prophezeit Swantee. Der Breitbandstandard LTE werde ein wichtiger Bestandteil künftiger Netze sein. «Datenwachstum ist gegen Rezession resistent», gerade in Ländern mit tiefem BIP seien die Zuwachsraten im Datenverkehr deutlich überproportional. So zum Beispiel ihn Moldawien. Orange wird dort neue High-Definition-Voice-Dienste austesten.

Für die Branche werde Nachhaltigkeit wichtiger. Orange müsse fünfzehn Prozent aller neuen Geräte zurücknehmen. Dies wegen Defekten oder Softwaremängeln. Diese Quote sei deutlich zu hoch. So wie auch der Energieverbrauch insgesamt. So sei eine einzige Google-Suche gleich energieintensiv wie wenn eine Glühbirne während fünfzehn Minuten brennt. In Europa werden zudem jährlich 185 Millionen Ladegeräte verkauft. Eine Zahl, die unnötig hoch ist. Ein einheitlicher Standard für alle Hersteller müsse hier das Ziel sein.

Auf die Frage der Moderatorin Christine Maier, was dran sei an den Gerüchten, dass Orange Schweiz Sunrise übernehmen wolle, antwortet Swantee: «Wir sind im Gespräch. Es geht dabei um verstärkte Zusammenarbeit, nicht um eine Übernahme.»

Mobile Breitbanddienste: Reicht das Spektrum?

20.10.2009
Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Senior Advisor to the CEO & Group Ericsson, Stockholm

Dienste, die noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt waren, sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir wollen mehr Daten schneller versenden und empfangen. TV und Video-Contents werden in immer mehr Diensten angeboten, entsprechend wachsen die Datenmengen. In ein paar Jahren werden 90% der Datentransfers auf TV/Video-Dienste fallen.

Der Online-Lifestyle wird von der Digitalisierung der Welt getrieben. Die Zukunft gehört dem mobilen Breitband. Breitbanddienste werden zum Rückgrat einer starken Wirtschaft. Das digitale Gefälle damit markant verringert werden.  Die Entwicklung neuer Breitbandnormen wie HSPA+ und LTE schreitet schnell voran. Wichtig für die Verbreitung dieser Normen ist, dass sie von verschiedenen Anbietern angeboten werden. Die Datenübertragung wird schneller, die Anwendungen werden zahlreicher. Vor allem für ländliche Regionen ist mobiles Breitband interessant. Die Abdeckung (HSPA+) beträgt in Australien bereits 99 Prozent.

Die Verschiebung der Anteile von fixem DSL auf mobile HSPA-Breitbanddienste ist nicht ohne Problematik. Sollen sämtliche Dienste über mobile abgewickelt werden, reicht das Spektrum nicht aus. Bereits im nächsten Jahr dürfte über die Hälte aller Daten mobil transferiert werden. Diese Prognosen treffen vermutlich nicht auf Europa zu, weltweit aber dürfte sie eintreffen.

Um die nötige Balance zu halten wird es auch in Zukunft darum gehen, die Bedürfnisse der Konsumenten, die Architektur der Netze und die steigende Nachfrage in neuen Märkten in Einklang zu bringen.

Voting/Fragen an Referenten

20.10.2009

Stellen Sie unseren Referenten Fragen:

http://voting.comdays.mobi/de

(Mobiler Blog Comdays)

Frequenzen technologieneutral vergeben

20.10.2009
Matthias Kurth

Matthias Kurth

Matthias Kurth

Präsident Bundesnetzagentur und Präsident European Regulatory Group, IRG, Bonn

Als Regulierer will Kurth den Nutzern möglichst viele Auswahlmöglichkeiten für möglichst viele Dienste verschaffen. Die Vergabe von Frequenzen soll deshalb nicht mehr an eine bestimmte Technik oder an bestimmte Dienste gebunden werden. Die Übertragungsdienste wachsen zunehmend zusammen. Übertragungsdienste, verschiedene Dienste und  Technologien konvergieren dabei in einem Gerät. Den dynamischen Wandel in dieser Industrie wolle der Regulierer nicht verhindern, sondern bewusst  – zum Komfort der Nutzer – fördern.

Frequenzen würden zur knappen Ressourcen. Entsprechend wichtig sei, dass die vorhandenen Frequenzen auch tatsächlich genutzt werden. Dafür darf durchaus der Markt spielen. Lieber ist ihm, wenn mit Frequenzen gehandelt wird, als wenn sie ungenutzt bleiben. Er wolle künftig keine eingezäunten Gärten (Walled Gardens) mehr. Der Kunde, der Nutzer soll sich möglichst frei bewegen können.

Als Regulierer hat er das Ziel, dem Kunden möglichst viel Transparenz zu verschaffen. Den «Billing Shock» gelte es zu eliminieren. Es dürfe nicht sein, dass der Kunde ab seiner Rechnung erschrickt, nur weil er seinen Fuss über eine politische Grenze gesetzt hat – und sich  nicht bewusst ist, dass die von ihm beanspruchten Dienste ab diesem Moment exorbitant teurer sind.

Communication rules the world

20.10.2009

Hans Stöckli, Biels Stadtpräsident und Nationalrat begrüsst die Gäste, wie es sich in Biel/Bienne gehört, mehrsprachig. Stöckli freut sich, dass die Veranstalter auch für die achte Ausgabe der Kommunikationstage ein Programm «von exzellenter Qualität» zusammengestellt haben.

Comdays 2009

20.10.2009

Live von den Comdays Biel/Bienne berichten Sabine Ingwersen und Stefan Scherrer.

Herzlich willkommen!

Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil II)

22.10.2008

Haben wir nicht sogar zu viele Lokalradios? Besteht nicht die Gefahr des «more of the same?»

Dumermuth: Die Diskussion ist alt. Die Frage muss politisch beantwortet werden. Unser Land ist klein strukturiert und die Radios bilden das ab.

Schawinski: Als die SRG gemerkt hat, dass wir doch nicht so dilettantisch agieren, hat man uns kopiert und DRS3 lanciert. Die Privatradios haben aber etwas bewegt und die SRG dazu gebracht, sich zu bewegen.

Welche Räume werden wo zugeordnet?

Dumermuth: Irgendwo muss man Grenzen ziehen und darum gibt es Machtkämpfe, das ist normal. Diese Streitereien gehören zum Spiel, das bringt uns nicht aus der Ruhe. Die Prozesse laufen mit Konsultationen ab. So wie die Räume jetzt eingeteilt sind, ist es in Ordnung.

Schawinksi: Die Radiolandschaft ist so gestaltet, dass es die Privatradios immer schwerer haben. Jetzt geht es um die letzte Chance, das duale System vorteilhaft zu gestalten. Wir sind zuversichtlich und hoffen, einen Schritt vorwärts machen zu können.

Wurden die SRG-Programme zu Lasten der privaten gestärkt?

Dumermuth: Die Privaten haben auch Fehler gemacht. Es ist zu einfach zu sagen, die SRG habe die besseren gesetzlichen Grundlagen zugeschanzt erhalten.

Schawinski: Jetzt kann man die Fehlentwicklung korrigieren! Das ist jetzt eine grosse Entscheidung. Hat das BAKOM den Mut, den Verlegern Einhalt zu bieten? Wertet man die Qualität, die Arten- und Meinungsvielfalt oder stützt man die Grossen?

Dumermuth: Die Regeln sind klar. Wir haben Gebietsmonopole, das stimmt. Medienkonzentration ist etwas ambivalentes, gerade in kleinen Regionen.

Bachmann: Ich habe mich zwanzig Jahre dafür eingesetzt, dass Medienprofis Medien gestalten. Medienkonglomerate waren in den 90er Jahren nicht so verpönt wie jetzt. Man wollte Synergien. Für die Medienmonopol-Diskussionen habe ich eher wenig Verständnis. Ausbildung, Weiterbildung, Personalpflege, da haben doch grosse Häuser einfach bessere Möglichkeiten anzubieten.

Heuberger: Im publizistischen Alltagsgeschäft kann ein verlegergestütztes Radio das gleiche Programm machen wie ein unabhängiges. In gewissen strategischen Entscheidungen sieht das aber anders aus. Da werden gewisse Leute nicht in Sendungen eingeladen, Stellungsnahmen totgeschwiegen etc.. Deshalb ist Medienkonzentration in der Publizistik ein grosses Thema.

Schawinski: Ich wünsche mir, dass die Entscheider auch anschauen, wer die Gesuche einreicht. Sind das Menschen, die ihre Versprechungen in der Vergangenheit gehalten haben? Wenn man eine Haltung einnimmt die lautet: diesem Verleger kann ich nicht auf die Füsse treten, sonst tritt der mich zurück – das wäre fatal.

Dumermuth: Wir hatten vor zehn Jahren den Mut, Sie gegen uns aufzubringen. Wir werden auch heute den Mut haben, einzelne gegen uns aufzubringen!

Wie viele Hörer eine Station heute hat, ist für die Konzessionierung übrigens nicht entscheidend.

Schawinski: Ich will eines noch festhalte. Was wir brauchen, ist nicht Geld sondern Goodwill. Ich wünsche mir das Ende unserer Position als Bittsteller.

 

Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil I)

22.10.2008


Moderation:
Hans Peter Trütsch, Leiter Bundeshausredaktion, Schweizer Fernsehen

Teilnehmer:
Roger Schawinski, Medienunternehmer
Günter Heuberger, GF Top Medien, Winterthur
Martin Dumermuth, Direktor BAKOM
Jürg Bachmann, Präsident VSP, Verband Schweizer Privatradios

Die Konzessionsentscheide sind leider noch nicht gefallen. Wann bringt Ihr endlich diesen Entscheid?
Dumermuth:
Noch vor der Wintersession (ab 1. Dez.).

Weshalb brauche Sie so lange?
Dumermuth:
  Wir arbeiten nicht langsam. Die erste Tranche der Entscheide wurde vor den Sommerferien gefällt. Es wäre ein Fehler, sich zu stark unter Druck setzen zu lassen. Wir wollen keine Fehler machen. Mit diesen Entscheiden müssen wir die nächsten zehn Jahre leben können.

Bachmann: Für uns macht jeder Tag, den wir warten müssen, die Situation komplizierter. Wir müssen unseren Kunden sagen können: Es gibt uns nächstes Jahr noch. Bitte sorgen Sie, Herr Dumermuth dafür, dass diese Konzessionen so schnell wie möglich gesprochen werden.

Heuberger: Das ist das siebte Konzessionsverfahren, das ich durchmache. Da gab es immer wieder Verzögerungen. Wichtig ist, dass die Entscheide, wenn sie kommen, juristisch gut begründet sind. Die Diskussion wurde in der Bevölkerung ganz falsch geführt. In keiner Zeitung wurden die Ausschreibungskriterien genannt. Ich habe starke Vermutungen, wer die Konzessionen erhält. Es werden diejenigen sein, die die Auflagen am besten erfüllen.

Weshalb wollen Sie es mit Radio 1 im Alter von 63 nochmals wissen?

Schawinski: Dass ein SRG-Vertreter diese Frage stellt, ist typisch. Für einen Unternehmer ist das doch klar. Ich finde es unerhört, dass es sich die Vertreter mächtiger Verlagshäuser, Herr Kall (Tamedia) und Herr Wanner (AZ Medien) leisten, heute nun doch nicht hierher zu kommen. Das zeigt eine gewisse Mentalität.
Ich möchte noch einmal einen Beitrag zur Qualität in der Radiolandschaft leisten. Der Konzessionsentscheid würde vor dem ersten Schnee fallen, wurde mir beschieden. Aber nicht, wo dieser Schnee fallen muss . . .

Woher Ihr Elan? Schawinski: Meine Liebe zum Radio treibt mich. Fernsehen ist das Medium des Geldes, bei Sat 1 habe ich da in der Champions League gespielt. Radio ist kreativer, da ist man freier, da kann man mehr bewegen.

Ihre Motivation, Herr Heuberger?
Schawinski: Dass er mit Radio Geld verdienen will, kann man ihm sicher nicht vorwerfen.
Heuberger: Mache ich auch nicht, wir verdienen damit kein Geld, wir arbeiten ausgeglichen. Das Radio verliert angeblich medienpolitisch an Bedeutung. Das ist falsch – und es ist schade. Geiles Medium, würde Roger wohl dazu sagen . . .
Schawinski: Genau!
Heuberger: Alles was ich gemacht habe, alles was ich gelernt habe, setze ich ein, um wieder etwas zurückzugeben.
Ist Geld die hauptsächliche Triebfeder Ihrer Mitglieder?
Bachmann: Die Motivation Radio zu machen, ist das Radiomachen per se. Das Medium ist direkt, unmittelbar, das hat eine ganz eigene Faszination. Und man kann damit etwas bewirken. Dass die Privatradios Einnahmen generieren müssen, ist Fakt. Das ist Teil eines qualitativ hochstehenden Radios.

Strategische Ausrichtung des Schweizer Fernsehens

22.10.2008

Ingrid Deltenre, Direktorin Schweizer Fernsehen, SF, Zürich

 

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre weiss um die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Menschen und rüttelt das Publikum mit einem schnell geschnittenen Video und harten Gitarren von Nickelback.

SF beobachtet eine epochale Veränderung in der Nutzung der Medien. Die Strategie muss deshalb in kurzen Abständen immer wieder überdacht werden.

Trends:

TV wird zum Kinoerlebnis (HD suisse, besseres bild, besserer Ton). SF war hier europaweit Vorreiter. Bis 2012 werden alle SRG-Sender vollständig auf HD umgestellt.

TV wird durch Intternet individualisierter. Das Publikum wird Video on Demand nutzen. Jüngere wollen passiv geniessen, aber auch spielen, kreieren, chatten und daten. Sie suchen emotionale Erlebnisse. Sie schauen etwas weniger fern, verweilen aber länger im Internet.

Video on Demand nimmt zu. Die Flexibilität und Auswahl steigen, technisch wird vieles einfacher, attraktive Programme werden kostenlos angeboten.

TV wird mobil. Dank gemeinsamen, offenen Standards und sehr niedrigem Preis wird dieser Trend nachhaltig sein. Der Erfolg mobilen Fernsehens hängt noch von Faktoren ab, die SF als Sender nicht beeinflussen kann (z.B. Endgeräte).

SF: Wie geht es weiter?

Für ältere Zuschauer wird fernsehen immer komplizierter. Für die Entwicklung bis ins Jahr 2016 sieht Deltenre zwei Treiber: den technischen Wandel und die Mediennutzung. SF glaubt an eine digitale Konsolidierung. Bestehende Technologien werden ausgereift sein, HDTV und VoD erreichen den Massenmarkt, alle Haushalte haben einen Breitbandanschluss. Die Bereitschaft, für VoD zu bezahlen, ist nicht zu erwarten.

Prognosen: Der tägliche TV-Konsum wird konstant bleiben. Der wesentliche Übertragungsweg bleibt das Kabel. Der Anteil nichtlinearer Nutzung dürfte auf ungefähr 30% anwachsen.

Strategie: TV bleibt die wichtigste Plattform der SF-Programme. SF investiert prioriär in das Programm, erarbeitet aber eine Multiplattform-Strategie. Der Sender fördert die vrossmediale Produktion und Diversifizierung der Marken. Das Fernsehen ist die Lokomotive für die publizistischen Angebote auf den neujen Plattformen.

Das Internet nutzt SF gezielt, um jüngere Nutzer anzusprechen, schöpft die Möglichkeiten des Internet besser aus. SF entwickelt sich vom Broadcaster zum Kommunikator.

Multiplattform, Stichworte

Multiplizieren: DVD, Podcast, Archiv, Streaming, Catch up TV, Media Center, YouTube, iTunes, Zattoo/Karimbo

Diversifizieren: Tagesschau 100 Sekunden, Music Star, Kassensturz, Puls, etc., Labels im Internet weiterführen, ergänzen mit nutzbringenden Informationen und Services.

Kreieren: Ski Challenge, myStage, etc. Eigenständige Inhalte, die im Internet starten und zu Bestandteilen von Sendungen werden (können). Es reicht nicht mehr, alleine über Sendungen nachzudenken. Wir müssen überlegen, welche Marken diversifiziert werden und zusätzliche Inhalte bieten.

Die publizistische Ausrichtung zielt auf mehr Qualität und Tiefgang sowie höhere Relevanz.

Der Weg der BBC weg vom Fernsehen

22.10.2008

Geoffrey Goodwin, Head of BBC Switch, London

«Celebrating British Teens». BBC switch verfolgt das Ziel, mehrere Plattformen für 12- bis 17jährige anzubieten. Junge Menschen wollen alles digital, alles mobil – das sind Mythen. Sie konsumieren immer noch ungefähr gleich viel Fernsehen, aber sie nutzen auch Internet. Interaktivität ist für sie wichtig.

Teenager benutzen ihre Handys meistens, um anzurufen und um SMS zu versenden. Fern sehen und Songs downloaden werden wenig intensiv genutzt. Das wird vielleicht noch stattfinden, ist aber heute noch nicht so bedeutend.

Jugendliche schauen nur YouTube – noch ein Mythos. Dass Jugendliche Videos hochladen stimmt zwar, aber es ist eine Minderheit. Die Nutzung ist vor allem passiv. Es ist schwierig, zu verstehen, was sie sich wünschen. BBC switch hat deshalb über 150 Jugendliche in ihrem täglichen Leben begleitet. Wie ist das überhaupt, ein Teenager zu sein?

Wer bin ich? Das ist die zentrale Frage, die taucht immer wieder auf. Zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es gewaltige Unterschieder und Erwachsene vergessen gerne, wie diese Selbstsuche ablief. In den Medien finden sie sich falsch repräsentiert (kriminelle, schwierig, etc.). Sicher ist, dass sie sich nach oben orientieren. So interessieren sich 13-jährige für Formate, die sich an 15- bis 17-jährige richten. Content muss gut sein, aber auch cool aussehen. Und: er muss britisch sein. Englische Kids können sich mit amerikanischen Inhalten schlecht identifizieren. So umfasst unsere Palette aktive wie passive Möglicheiten.

Geoffrey Goodwin: «Übrigens, kennen Sie X-Box? Beschaffen Sie sich eine X-Box! Dort werden richtig gute Geschichten erzählt».

Bestandteile des Kundenerlebnisses Mobile TV

22.10.2008

Jean-Paul de Weck, CEO Swisscom Broadcast AG

 

Jean-Paul de Weck

Jean-Paul de Weck

Die Kunden wollen nichts verpassen und spontan unterhalten werden. Sie wollen das sehen, was sie wollen; dort, wo sie wollen. Die Qualität muss hervorragend sein, sowohl das Bild wie auch der Ton und bei bestem Empfang ohne Unterbruch. Sie wünschen sich einen persönlichen Fernseher ohne Wohnzimmer.

Content-Angebot: Lineares TV genügt nicht. Der Kunde will dabei sein, wenn etwas passiert, insbesondere beim Sport. Entsprechend wichtig sind diese Angebote. Das Angebot des linearen TV kann mittels Made for Mobile Channels ergänzt werden.

DVB-H bringt eine hervorragende Qualität. Sie ist in vier Regionen (Genf, Bern, Basel, Zürich) flächendeckend eingeführt. Um das Produkt geniessen zu können, braucht der Konsument das richtige Handy. Hier gibt es einen Engpass. Im Moment sind gerade mal drei Geräte verfügbar, welche die richtige Technologie unterstützen.

In der Schweiz betreibt Swisscom Broadcast die DVB-H-Plattform sowie die terrestrische Versorgung. Die Mobilnetzbetreiber entwickeln Produkte und Services für die Endkunden in einem Konkurrenzumfeld und stellen an Swisscom Broadcast die entsprechenden Anforderungen. 

Stand des Mobile TV-Geschäfts bei Swisscom

Handy TV wird seit Mai 2008angeboten. Die Euro 08 war der ideale Event, um Mobile TV bei den Kunden bekannter zu machen. Die Benutzerzahlen stiegen signifikant an, verflachten dann im Sommer. Dies auch deshalb, weil bis September nur ein einziges Endgerät zur Auswahl stand.

Die Nutzung von Mobile TV hängt stark von attraktiven Live-Events ab. So hat Fabian Cancellaras Einzelzeitfahren an den Olympischen Spielen hohe Quoten gebracht. Am häufigsten genutzt wurde SF2, auch deshalb, weil der Sender sportlastig ausgerichtet ist. In der Romandie gilt das gleiche für TSR2. 

Mobile TV-Dienste auf Bais DVB-H in Europa

Mobile TV wird auf Basis DVB-H in vier Ländern Europas kommerziell angeboten. In Italien seit zwei Jahren (heute 850000 Kunden), in der Schweiz und Österreich (Telekom Austria) seit der Euro 08, in Holland seit August (KPN hat bereits 10’000 Kunden). Beobachtung: Wo das Produkt gut in andere Angebote integriert wurde, wo es als Erweiterung der bestehenden Produiktepalette angeboten wird, ist der Erfolg am grössten. In Finnland, Deutschland, Frankreich und Spanien sind Versuche am laufen.

Ausblick: DVB-H bietet weitere Ergänzungen zum Mobile TV-Erlebnis

Mobiles TV kann kann und soll mehr bieten als lineare Übertragungen. So zum Beispiel Navigationssysteme, Datacast-Services. Damit kann Video- oder Bidlmaterial zusammengesetzt und an bestimmte Gruppen, wie einen privaten Fernsehkanal, verteilt werden. Ein Pilotversuch wurde wärhend der Euro08 mit der Kapo Bern durchgeführt. In diese Richtung bieten sich zahlreiche weitere Geschäftsmöglichkeiten wie etwa Pod-Cast-Services, z.B. als Informationssysteme in Unternehmen und Institutionen (Verkehrsinfo, Werbekanäle). Das Potential wird noch nicht genutzt. Swisscom versucht hier den Markt zu stimulieren.

Voting Nr. 4

22.10.2008

Voting 4 nimmt Bezug auf die ersten Referate des Vormittags, Mittwoch, 22. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 4:
Sehen Sie in den nächsten 1–2 Jahren einen Markt in der Schweiz für individuelle Werbung im linearen Fernsehen?

Muss man im Fernsehen noch werben?

22.10.2008

Fredy Collioud, Chairman, Publicis Gruppe Schweiz

Fredy Collioud

Fredy Collioud

Plädoyer für starke, gute Werbung am Fernsehen: Bewegte Bilder für Marken, die (sich) bewegen. Der TV-Spot ist die einzige Werbeform, welche die wichtigsten Mittel der Kommunikation, Ton und Bild kombiniert.

Es geht nicht mehr um Kontakte/Berührungspunkte, sondern darum, die Aufmerksamkeit für die Marke zu gewinnen. Aufmerksamkeit ist die Grundlage für die Vermittlung der Botschaften. Kreativität und Attraktivität sind die Herausforderung an die Kommunikation.

Beachtet werden, die Sympathien gewinnen: Starke Werbung ist wichtiger denn je. Ihr Stellenwert ist es auch. Starke Werbung löst Gefühle aus.

Der Film ist das intensivste und spannendste Werbemittel. Der Konsument taucht in eine Welt ein, am besten mit dem bewegten Bild. Nur der Film versteht es, auch auf emotionaler Ebene Einstellung und Verhalten von Menschen zu verändern. Seit wir uns (dank Google) sofort Meinungen bilden können/Produkte vergleichen können, müssen wir noch überzeugendere Bilder schaffen, noch packendere Geschichten vermitteln.

Neue Anforderungen an TV-Spots:

Form und Inhalt: vom grössten bis zum kleinsten Bildschirm (Kino bis Handy)

Rolle in der Kampagnenarchitektur: vom Haupt- zum Einstiegsmedium (Aufmerksamkeit erlangen, Interesse wecken, vorbereiten auf die umfassende Kampagne)

Interaktivität und Response: vom passiv konsumieren zum aktiv informieren

Wie nutzt der Mensch Radio und Fernsehen?

22.10.2008

Isabel Wenger, Leiterin Forschung, Mediapulse AG, Bern

Isabel Wenger

Isabel Wenger

Internet-Nutzung geht zu Lasten des Fernsehkonsums. Wer häufig im Internet unterwegs ist, schaut weniger fern. Internet-Surfen und Radiohören hingegen ergänzen sich. Web-User und Non-User konsumieren fast genau gleich viel Radio – zu den selben Zeiten

Wo, wann und wie konsumieren wir welche Medien? Isabel Wenger fasst Erkenntnisse aus der «Time Use Study» zusammen. Die Zahlen sind brandneu und werden an den Comdays erstmals vorgestellt. Die Studie misst jede Kombination von Gerät und Nutzung.

Knapp die hälfte unserer wachen Zeit werden wir von Medien begleitet. Zeit, die wir mit Medien verbringen:

44% visuelle Medien
43% Audio Medien
7% Interaktiv
6% Lesen

Die Nutzung ist für alle Altersgruppen etwa gleich hoch. Dennoch unterscheidet sich die Mediennutzung unter den Altersgruppen. So etwa hören jüngere Menschen weniger Radio, dafür mehr Audio-Konserven.

Die gesamten Ergebnisse aus der Studie erscheinen in Berichtsbänden zu ausgewählten Themen (mit CD und elektr. Tabellen). Ab Januar 2009 schaltet Mediapulse AG zudem ein Online-Abfragetool auf.

Schweizer Meisterschaften Informatik-Berufe

21.10.2008

Oliver Schalch und Alfred Breu (Swiss ICT) zeichnen Lehrlinge in drei Kategorien aus. Die Medaillen überreicht Sascha Grossenbacher. Er gehörte letztes Jahr zu den Gewinnern. Der Teilnehmer an den Weltmeisterschaften klassierte sich in der Kategorie Web-Design als bester Europäer.

Kategorien:

– IT/Software-Applikationen

– Web-Design

– Netzwerktechnik

 

Alternatives Facebook: Der Erfinder

21.10.2008

Orkut Buyukkokten, Google, California, Erfinder des Social Networks Orkut

 

Orkut Buyukkokten

Orkut Buyukkokten

Erfahrungen mit Social Networking: Orkut Buyukkokten schrieb vor allem in Brasilien mit seinem sozialen Netzwerk Aufsehen erregende Geschichten. Zeitweise lief ein Drittel des Internet-Traffics in Brasilien über Orkut. Das Einladen von Freunden auf die Plattform wurde zum nationalen Sport. Auch im Iran zeigten die Nutzerkurven steil nach oben – bis die Regierung die Plattform verbot.

Vor Orkut glaubte Buyukkokten an den Erfolg von Club Nexus. Dessen Publikum waren Studenten, deren Daten gezielt gesammelt wurden – Selbsteinschätzungen, Vorlieben, Geschmack (Bücher, Filme, Musik), soziale Verbindungen etc.

Daraus wurden Korrelationen gesucht. Ein Beispiel: Menschen, die von sich sagen, dass sie erfolgreich sind, engagieren sich auch sozial. Zu beachten ist, dass Schlüsse nicht vorschnell gezogen werden dürfen. So haben nicht alle Sportler die gleichen Vorlieben, Dafür gibt es einfach zu viele verschiedene Sportarten.

Was den Erfolg einer erfolgreichen Social-Networking-Plattform letztlich ausmacht, kann nicht einmal Orkut Buyukkokten exakt beantworten. Tatsache ist, dass sich ihre Nutzer dort bewegen, wo sich auch ihre Freunde aus dem «normalen Leben» bewegen.

Voting Nr. 3

21.10.2008

Voting 3 nimmt Bezug auf Referate des Nachmittags, Dienstag, 21. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 3:
Wie wird die Finanzkrise die Telecombranche beeinflussen?

Welche Netze soll man wie nutzen?

21.10.2008

Matthias Finger, Professor Networkmanagement, EPFL, Lausanne

 

Matthias Finger

Prof. Matthias Finger

Professor Finger zeichnet Gedankenvorgänge auf, wie sich der Grad an Regulierungen vernünftig festlegen lässt. In diese spielen verschiedene Interessen: Institutionen und Staat stehen im Wesentlichen den Anbietern neuer Technologien entgegen. Dies muss aber nicht zwangsläufig so sein. Eine gewisse Kohärenz ist durchaus denk- und wünschbar.

Theoretische Modelle, Regulierungen festzulegen, sind rar. Sie bewirken verschiedene Tendenzen. So kann mit System vorgegangen werden (Entscheidungsbaum): Gibt es ein Monopol? Wenn nein, dann haben wir keinen Engpass. Haben wir verborgene Kosten? Wenn wir ein Monopol haben, muss man das hinterfragen. Braucht es überhaupt ein Monopol? Die Antwort kann ja sein, wenn die Infrastruktur zentral aufgebaut werden muss. Wenn das Monopol stabil ist, kann man den Schluss ziehen, dass eine Staatsintervention angebracht ist. Wenn die Kostenregulierungen höher sind als der Nutzen für den Markt, sind sie in Frage zu stellen.

Auch die weiter vorgestellten Modelle stellen Technologie und Institutionen in Konkurrenz. Unternehmen und Staat sind Bestandteil des Marktes, die Politik nimmt weiterhin Einfluss. Staatliche Effizienz, Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Versorgungssicherheit und weitere Themen müssen nach Prioritäten gewichtet werden. Entsprechend fällt die gewünschte Konfiguration aus.

Voting Nr. 2

21.10.2008

Voting 2 nimmt Bezug auf die ersten Referate des Nachmittags, Dienstag, 21. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 2:
Kostensparen durch Netsharing – Ist das ein Weg für Mobilanbieter um Ihre Kosten zu senken?

Konvergenz Broadcasting-Netze/TC-Netze

21.10.2008

Michael T. Fries

Mike Fries

Mike Fries

President and CEO Liberty Global, Inc.

Digital TV ist eine echte Revolution in der Fernsehgeschichte. Es wird unsere Sehgewohnheiten verändern. Wir wollen die Zuseher wegführen vom Zapping, hin zu gezieltem Hinsehen. So wie wir im Netz gezielt surfen, so sollen wir uns auch unsere Fernsehinhalte nach unseren eigenen Wünschen auswählen. Es wird möglich sein, einen Film mit einem Klick auszuwählen und ihn sich anzuschauen. Werbung kann herausgefiltert werden.

Der Nutzer will das Allerneueste sofort. Dies in besserer Qualität und in hoher Geschwindigkeit. Cablecom will diese Wünsche erfüllen und sieht hier glänzende Perspektiven. Für die Nutzung von Video on Demand zeigt die Kurve daher in den USA steil nach oben.

Wenn man sich Herausforderungen stelle, könnten Fehler passieren. Zu diesen müsse man dann stehen. Cablecom (Schweizer Tochtergesellschaft von Liberty Global) habe die Herausforderungen zu Innovationen immer aktiv gesucht. Dies gelte auch für den Kundendienst. In Holland habe das Unternehmen Preise dafür erhalten. Das müsse auch für die Kundenbetreuung in der Schweiz der Massstab sein.