Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil II)

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Haben wir nicht sogar zu viele Lokalradios? Besteht nicht die Gefahr des «more of the same?»

Dumermuth: Die Diskussion ist alt. Die Frage muss politisch beantwortet werden. Unser Land ist klein strukturiert und die Radios bilden das ab.

Schawinski: Als die SRG gemerkt hat, dass wir doch nicht so dilettantisch agieren, hat man uns kopiert und DRS3 lanciert. Die Privatradios haben aber etwas bewegt und die SRG dazu gebracht, sich zu bewegen.

Welche Räume werden wo zugeordnet?

Dumermuth: Irgendwo muss man Grenzen ziehen und darum gibt es Machtkämpfe, das ist normal. Diese Streitereien gehören zum Spiel, das bringt uns nicht aus der Ruhe. Die Prozesse laufen mit Konsultationen ab. So wie die Räume jetzt eingeteilt sind, ist es in Ordnung.

Schawinksi: Die Radiolandschaft ist so gestaltet, dass es die Privatradios immer schwerer haben. Jetzt geht es um die letzte Chance, das duale System vorteilhaft zu gestalten. Wir sind zuversichtlich und hoffen, einen Schritt vorwärts machen zu können.

Wurden die SRG-Programme zu Lasten der privaten gestärkt?

Dumermuth: Die Privaten haben auch Fehler gemacht. Es ist zu einfach zu sagen, die SRG habe die besseren gesetzlichen Grundlagen zugeschanzt erhalten.

Schawinski: Jetzt kann man die Fehlentwicklung korrigieren! Das ist jetzt eine grosse Entscheidung. Hat das BAKOM den Mut, den Verlegern Einhalt zu bieten? Wertet man die Qualität, die Arten- und Meinungsvielfalt oder stützt man die Grossen?

Dumermuth: Die Regeln sind klar. Wir haben Gebietsmonopole, das stimmt. Medienkonzentration ist etwas ambivalentes, gerade in kleinen Regionen.

Bachmann: Ich habe mich zwanzig Jahre dafür eingesetzt, dass Medienprofis Medien gestalten. Medienkonglomerate waren in den 90er Jahren nicht so verpönt wie jetzt. Man wollte Synergien. Für die Medienmonopol-Diskussionen habe ich eher wenig Verständnis. Ausbildung, Weiterbildung, Personalpflege, da haben doch grosse Häuser einfach bessere Möglichkeiten anzubieten.

Heuberger: Im publizistischen Alltagsgeschäft kann ein verlegergestütztes Radio das gleiche Programm machen wie ein unabhängiges. In gewissen strategischen Entscheidungen sieht das aber anders aus. Da werden gewisse Leute nicht in Sendungen eingeladen, Stellungsnahmen totgeschwiegen etc.. Deshalb ist Medienkonzentration in der Publizistik ein grosses Thema.

Schawinski: Ich wünsche mir, dass die Entscheider auch anschauen, wer die Gesuche einreicht. Sind das Menschen, die ihre Versprechungen in der Vergangenheit gehalten haben? Wenn man eine Haltung einnimmt die lautet: diesem Verleger kann ich nicht auf die Füsse treten, sonst tritt der mich zurück – das wäre fatal.

Dumermuth: Wir hatten vor zehn Jahren den Mut, Sie gegen uns aufzubringen. Wir werden auch heute den Mut haben, einzelne gegen uns aufzubringen!

Wie viele Hörer eine Station heute hat, ist für die Konzessionierung übrigens nicht entscheidend.

Schawinski: Ich will eines noch festhalte. Was wir brauchen, ist nicht Geld sondern Goodwill. Ich wünsche mir das Ende unserer Position als Bittsteller.

 

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