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Können sich Politik und Medien ergänzen?

20.10.2009
Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Bundesrätin, Aussenministerin, Bern

Politik und Medien sollen sich ergänzen. Für die Politik ist es wichtig, dass wir uns orientieren können, dass der Dialog stattfindet. Gerade aussenpolitische Themen sollten nicht ausschliesslich von Spezialisten und Diplomaten geführt werden. Die Öffentlichkeit soll an der Debatte teilnehmen. Medien machen die Aussenpolitik sichtbar.

Transparenz empfinde sie als positiv, auch wenn sie ihre Arbeit nicht einfacher mache: «Das nehmen wir gerne auf uns.» Auch wenn die Kommentare von ihrer eigenen Meinung abweiche. Die Problematik daran habe die Iran-Reise gezeigt: Trotz zahlreicher Erklärungen ihrerseits sei die Substanz ihrer Reise nie vermittelt worden. Die Mission wurde von ihrem Bild mit Schleier überlagert.

Auch das, was sie hier, vor dem Comdays-Publikum sage, werde weniger in Erinnerung bleiben, als die Art und Weise, wie sie Ihre Botschaft vermittle. Calmy-Rey plädiert dafür, Journalisten gut auszubilden. Dies sei umso wichtiger, als Inhalte immer mehr auf kurze Aussagen reduziert würden. Zeitdruck, Mangel an Ausbildung und Sorgfalt könnten weit reichende Folgen haben. Mediendruck könne zu Kollateralschaden führen. Dies habe nicht zuletzt die Verhaftung Hannibal Gaddhafis gezeigt. Dem Image der Schweiz drohe Schaden, weil nicht in vollem Umfang erklärt werden könne, warum diese Debatte in einem demokratischen Land geführt wird. Warum in einem Land, das für Toleranz steht, über Minarette abgestimmt wird. Die nötige Zeit, den Raum für solche Erklärungen erhielten Politiker oft nicht.

Politische Arbeit, wie Micheline Calmy-Rey sie versteht, geschieht im Dialog mit der Bevölkerung. Nur so könne die Exekutive wissen, welche Werte sie zu vertreten habe.

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Das war eine wahrlich lebhafte Panel-Diskussion …

20.10.2009

… in wenigen Minuten geht es weiter mit dem Schlussreferat von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.

Fiber to home. Hype? (Fortsetzung)

20.10.2009

Wer braucht die schneller Fasern wirklich?

Ruedi Noser: Für Private sind die Geschwindigkeiten schnell genug.

Carsten Schloter: Wenn Sie die Kunden fragen, werden Ihnen die meisten zustimmen. Aber wir müssen jetzt bauen, um die Bedürfnisse von Morgen decken zu können.

Christoph Brand: Langfristig kann man gar nicht genug Bandbreite haben.

Ansgar Gmür: So richtig verstehe ich noch gar nicht, wozu wir diese Glasfaserkabel brauchen werden. Als Kunde frage ich mich schon: «Brauche ich das überhaupt?» Die Information zum Thema ist wirklich mangelhaft

Ruedi Noser: In unserer Familie schaut niemand mehr Live-TV. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir diese Bandbreiten wirklich brauchen werden.

Peter Messmann: Wer einmal erfahren hat, was möglich ist, will nicht mehr zurück. Das haben frühere Versuche gezeigt.

Christoph Brand: Wer welche Möglichkeiten nutzen wird – und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist – wissen wir noch nicht. Wir haben deshalb den klaren Auftrag, möglichst kostengünstig zu bauen. Tiefe Kosten pro Anschluss, das muss das Ziel sein

Moderator: Investieren wir in einen Hype?

David Thiel: Wer mehr Strassen baut, provoziert Verkehr. Das ist in der Telekommunikation auch so. Aber hier eröffnen sich uns neue Möglichikeiten: Wenn Software beispielsweise zentral gehostet wird – und vom Kunden nur bei Bedarf genutzt wird – sind Glasfasern ein Gewinn.

Carsten Schloter: In den ersten Jahren wird diese Infrastruktur unterbenutzt sein. Später werden die Bandbreiten gebraucht werden. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Das grösste Risiko heute ist das Preisrisiko. Niemand weiss heute, was die Kunden in zehn Jahren für unsere Angebote zu bezahlen bereit sind.

Moderator: Schlussrunde, Glaubensbekenntnis pro/kontra Glasfaser

Christoph Brand: Wir möchten, dass rasch investiert und gebaut wird. Alle Anbieter sollen die Infrastruktur zu den selben Bedingungen nutzen dürfen.

Ruedi Noser: Ich freue mich, dass der runde Tisch sich geeinigt hat. Das ist das Beste, was man in der Schweiz hinkriegen konnte. Welchen politischen Handlungsbedarf es geben wird, wird ein Bericht des Bakom zeigen.

Andreas Widmer: Wir bauen weiter schrittweise aus und wollen unseren Wettbewerbsvorteil halten

David Thiel: Gleiche Stückkosten unter gleichen Bedinungen, dafür kämpfen wir. Wir waren lange die einzigen, die an Fiber-to-Home gebglaubt haben, unser Glaubensbekenntnis haben wir also längst abgegeben.

Carsten Schloter: Der Kunde wird diese Leistungen in zehn, fünfzehn Jahren brauchen. Es ist wichtig, dass jetzt investiert wird, dass volkswirtschaftlich ein Sprung nach vorne gemacht werden kann.

Ansgar Gmür: Wir hoffen, dass der Kunde in Ihren Überlegungen eine Rolle spielt. Dass die Kunden etwas davon haben und dass die Prozesse demokratisch ablaufen. Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch, die wollen wir umgesetzt sehen.

Fredy Brunner: Jetzt, rasch und günstig ein Netz für die Zukunft schaffen! Lassen Sie uns um Himmels Willen den Wettbewerb.

Martin Dumermuth: Bandbreite ist ein Bedürfnis. Das ist wie beim Estrich. Der kann noch so gross sein, er ist immer voll.

Fiber to the Home – vom Hype zur Realisierung

20.10.2009

Panel, mit kurzen Impulsreferaten. Teilnehmer:

Carsten Schloter CEO Swisscom AG
David Thiel Vorsitzender IWB (Industrielle Werke Basel)
Fredy Brunner Stadtrat Stadt St.Gallen, Vorstand Technische Betriebe
Christoph Brand CEO Sunrise Communications AG
Andreas Widmer CEO Wasserwerke Zug AG (WWZ)
Ansgar Gmür Direktor Hauseigentümerverband Schweiz
Martin Dumermuth Direktor BAKOM
Ruedi Noser Unternehmer, Nationalrat und Präsident ICT Switzerland
Peter Messmann Leiter Telecom, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz)

Moderation: Rainer Borer Leiter Wirtschaftsredaktion Schweizer Radio DRS

Fiber to Home: «Eine grosse Aufgabe, die auf diese Herren zukommt», leitet Rainer Borer die Paneldiskussion ein. Vor zwei Wochen kam die Meldung, dass zum Thema Glasfasernetze in der Schweiz ein Durchbruch gelungen ist.

Carsten Schloter: Glasfaser ist ein extrem langfristiges Unterfangen. Der Nutzen wird sich nicht von Beginn materialisieren. Wir dürfen nicht damit rechnen, dass schon bald alle Haushalte mit Glasfaserkabeln erschlossen ist. Das wird ein Generationenprojekt. Aktionismus ist fehl am Platz, gefragt ist Pragmatismus. Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser sehr hohen Investitionen wird hoch sein. Das Risiko dafür ist auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ideale Modell dafür existiert nicht, jedes Land sucht dafür den geeignetsten Weg. In der Schweiz konnten wir uns in sehr kurzer Zeit auf die Grundzüge eines gemeinsamen Modells einigen

Christopn Brand: Mit wenigen Einschränkungen kann ich mich dem anschliessen, was Carsten Schloter gesagt hat. Wir begrüssen diesen Konsens. Er ist die richtige Mischung zwischen «ein Mal bauen» und «bauen ohne Ende». Dass alle Anbieter auf die Glasfasern Zugriff haben, ist gut. Der Wettbewerb kann spielen, das ist wichtig.

Peter Messmann: Die Krux liegt im Detail. Die Voraussetzung, damit eine Stadt in ein Glasfasernetz investiert, ist eine Win-Win-Situation. Wir brauche einen gewissen Investitionsschutz, wenn auch nicht eine Garantie. Ziel ist nicht eine Gewinnmaximierung, aber Eigenwirtschaftlichkeit. Wir wollen nicht heute einen Deal abschliessen, der in zehn, fünfzehn Jahren hohe Folgekosten nach sich zieht. Wir wollen ein Netz bauen, das den Standort fördert, dafür sind wir zu einem Zusatzinvestment bereit, aber in gewissen Massen. Investitions-, Unterhalts- und Betriebskosten werden noch Fragen aufwerfen, die Details müssen erst noch ausgearbeitet werden.

David Thiel: Telekommunikation wird neben Wasser- und Energieversorgung für urbane Zentren eine ganz zentrale Rolle spielen. Das Engagement der Öffentlichen Hand zielt darauf, nicht von Dritten abhängig zu werden, uns keine Spielregeln aufdrängen zu lassen. Der Austausch mit den Telekomanbietern ist sehr spannend. Wir sprechen dabei nicht immer die selbe Sprache. Unter «Diskriminierungsfrei» verstehen bis jetzt nicht exakt das selbe.

Andreas Widmer: Telekommunikation ist nur ein Teil unseres Produkteportfolios. Gewerbekunden haben wir bereits mit Glasfaserkabel erschlossen. Wir investieren auch jetzt wieder in diese Infrastruktur und werden allen Haushalten hohe Übertragungsraten anbieten können. Von unseren bisherigen Kunden setzt bisher nur ein Prozent auf die ganz schnelle – aber teuereren – Übertragungsraten.

Ansgar Gmür: Das ist das erste Mal, dass die zahlenden Gäste auch eingeladen sind! Heute sind 62% der Mehrfamilienhäuser in privaten Händen. Wir Hauseigentümer haben Forderungen: Wir sind durchaus dafür, die Häuser mit vier Fasern zu erschliessen. Aber, Sie als Anbieter müssen die Technologie unseren Mitgliedern besser erklären. Die sind mit dieser Thematik überfordert. Die Kosten für den Bau und Rückbau ist Sache der Netzanbieter. Wir haben jetzt eine Kröte geschluckt; die Verträge über zwanzig Jahre.

Fredy Brunner: Wir haben in St. Gallen drei Ansätze gehabt: Kommunikation wird zum Grundbedürfnis, wir wollen uns aber nicht fremdbestimmen lassen. Deshalb haben wir schon früh selber investiert. Wenn wir ein eigenes Netz bauen (das tun wir jetzt, in Absprache mit den Anbietern), dann wollen wir die Vollabdeckung. Rasch, günstig, nicht diskriminierend. Das Netz muss sich selber tragen. Dafür gibt es einen Businessplan über dreissig Jahre.

Ruedi Noser: So wie diese Diskussion läuft, funktioniert die Schweiz. Wenn diese Netze gebaut sind wird es schnell so weit kommen, dass ein Anbieter das Management für die Netze in der Schweiz übernimmt. Es geht irgendwann nicht zuletzt darum, gegenüber ausländischen Konkurrenten zu bestehen

Martin Dumermuth: Der runde Tisch hat einen erheblichen Fortschritt in Richtung Wettbewerb gebracht. Die Thematik ist komplex, die Forderungen kommen aus vielen Richtungen. In Europa wird diskutiert «wie bringen wir unsere Akteure dazu, in Glasfasernetz zu investieren?», in der Schweiz ist die Bereitschaft dazu gross. Regulieren heisst nicht, den Infrastruktur-Wettbewerb zu blockieren, wir wollen den Entwicklungskorridor offen halten. Den haben wir heute offen und er zeigt in die richtige Richtung. Aber selbst mit dem Vier-Phasen-Modell ist nicht garantiert, dass der Wettbewerb spielt. Dafür braucht es allenfalls Auffangnetze. Es ist auch denkbar, dass der Wettbewerb in einzelnen Regionen funktioniert, in anderen aber nicht. Dann stellt sich die Frage der Grundversorgung. Der Wachstumsprozess beginnt in den städtischen Agglomerationen, entwickelt sich dann in die ländlichen Regionen. Das wird mehr Zeit brauche als sich viele heute vorstellen.

Kommentar: Die Politik will, dass alle Anbieter über gleich lange Spiesse verfügen. Logisch, dass die Unternehmer das anders sehen. Ruedi Noser: «Wenn ich als Unternehmer so etwas höre, werde ich ganz kribbelig. Gleich lange Spiesse bedeutet das Ende jeden Wettbewerbs.» Carsten Schloter: «Der Wettbewerb sollte auch zwischen den Regionen spielen, das schafft zusätzliche Dynamik.»

Kaffeepause …

20.10.2009

Kurz währende Lounge-Atmosphäre im Kongresshaus. Die comdays-Gäste geniessen die Kaffeepause. In wenigen Minuten folgt ein Panel mit viel Telco-Prominenz. Bis gleich …

The future is mobile. Der Festnetzanbieter meint: Kunden wollen wählen

20.10.2009

Eric Tveter

Eric Tveter

Eric Tveter, Managing Director Cablecom

Medienkonsum im Wandel, ja. Aber nur noch Mobile? „Dann hätten wir“, so der neue „Mister Cablecom“, „ein Problem“. Er verweist darauf, dass Kunden je länger je mehr die Wählbarkeit forderten, Ort und Zeit des Kommunizierens selbst bestimmen wollten. „Wir müssen beide Nutzer bedienen. Jenen Nutzer, der ein Fussballspiel auf dem Handy und jenen, der es auf dem HDTV-Bildschirm anschauen möchte.“ Kunden werden mobiler. Angebote müssten es auch werden. Das heisst: Sie müssen verschiedene Technologien, nahtlos verfügbar an verschiedenen Orten bereitstellen. Verkabelt wie drahtlos. Information, Unterhaltung, Kommunikation. Jederzeit und überall. Der Kunde wolle Flexibilität, Zugänglichkeit, Wahlfreiheit und Dienstleistung/Service. Letzteres sei bei Cablecom ein Bereich, „um den wir uns noch kümmern müssen. Wir tun dies bereits und wollen der beste Dienstleistungsanbieter der Schweiz werden.“ Eine Botschaft, die Cablecom-Kunden aufmerksam entgegennehmen werden.

„Die beste Garantie für die freie Wahl war schon immer der Wettbewerb“, ist Tveter überzeugt. Gemeint ist: Der Wettbewerb zwischen Mobile und Festnetz und jene der Technologien. Über eine Milliarde Franken habe Cablecom in den vergangenen Jahren in Infrastruktur investiert und damit bahnbrechende Technologien, wie die Glasfaser-Technologie, eingeführt.

Gefahren nicht unterschätzen

20.10.2009
Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Professor EPFL und Mitglied ComCom, Lausanne

Moderne Technologien verschaffen uns immer neue Möglichkeiten, bergen aber auch immer mehr Risiken. Der Kampf um Datensicherheit, den Schutz der Privatsphäre wird ein schwieriger: «Ich fürchte, wir könnten ihn gar verlieren.» Pessimistisch sei er, so Professor Hubaux.

Medizinische Implantate beispielsweise sind oft über Funk gesteuert. Die Schnittstelle dafür ist aber nicht sehr sicher. Sie kann manipuliert werden. Das ist schwierig, aber möglich. Vorgekommen ist das zum Glück bisher noch nie.

Malware wird über Hosts platziert. Botnets können Access Points angreifen. Wenn ein Botmaster genügend Hosts unter Kontrolle kriegt, kann er grossen Schaden anrichten, Benutzernamen, Passworte, Kreditkarten-Nummern abrufen.

Als Nutzer sind wir bereit, sehr viele Informationen preiszugeben. Die grosse Herausforderung bestehe darin, zu vermeiden, dass dass Computerwesen zum Albtraum wird. So wird es immer wichtiger, dass Dritte (als mögliche Angreifer) den Standort von Personen nicht bestimmen können. Funktionen dafür existieren, sind aber noch nicht sehr verbreitet.

Datenfunknetze bieten wenig Datensicherheit. Die Entwicklung der Technologien verläuft stets schneller als dass wir fähig sind, Schutz zu entwickeln, zu testen und anzuwenden. Datensicherheit wird für Anbieter in Zukunft wichtiger werden. Für Konsumenten wird sie zunehmend zu einem entscheidenden Auswahlkriterium. In der Forschung, in der Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Hochschulen liegt viel Potential, so Hubaux. In der Schweiz wird dieses noch fast nicht genutzt. Die Branche wird gut daran tun, ihre Anstrengungen zu Gunsten der Sicherheit zu intensivieren.

Weiter nach dem Lunch

20.10.2009

Die Besucherinnen und Besucher im gut gefüllten Kongresshaus sind wieder versammelt. Weiter geht’s zum Thema „Die Zukunft ist mobil – ist sie das wirklich?“

Handy-Markt Schweiz – Undurchsichtig und viel zu teuer

20.10.2009
Monika Dusong

Monika Dusong

Monika Dusong, Présidente de la Fédération romande des consommateurs, FRC

Die Präsidentin der welschen Konsumentenorganisation weiss: Für Kundenbindung müssen Telco-Anbieter in der Schweiz wahrlich kein Vermögen budgetieren. Schweizer Nutzer sind treu, vergleichen wenig, schauen kaum ihre Handy-Rechnung an und legen sich selten für ihre Tarifoptimierungen ins Zeug. Ökologische Handy-Nutzung sei kaum ein Thema. Immer das neueste Handy müsse es sein. I-Phones verzeichnen doppelt so hohe Absätze wie in vergleichbaren Märkten. Warum aber sind Schweizer Handy-Nutzer so „pflegeleicht“? Mag sein, dass es den Schweizern immer noch zu gut gehe, aber: es fehle eben auch am politischen Willen, endlich zu Gunsten der Konsumenten durchzugreifen. Die Lobby der Industrie, so Dusong, sei eben noch immer markant wirksamer als jene der Handy-Kunden. Daran will ihre Organisation etwas ändern. Die Probleme: Der Wettbewerb spiele nicht frei, Handy-Tarife seien ein einziger komplexer, undurchdringlicher Dschungel. Ein Dorn im Auge der Konsumentenschützerin sind vor allem die Verträge. Ein- oder zwei-jährige Laufzeiten mit automatischer Verlängerung lägen jenseits des internationalen Marktes, der längst wochen- oder tage-weise Kündigungsfristen kennt. Hinter der mangelnden Transparenz stecke System. So bliebe die Forderung nach klaren Angaben der Kündigungsfristen auf den Handy-Rechnungen seit Jahren bei den drei Markt-Playern ungehört. Irrwitzige Probleme mit der Informatik würden als Gründe geltend gemacht. „Nutzer müssen Buch über Ihre Verträge führen – das kann nicht sein und ist missbräuchlich“. Kein Wunder, blieben so die Marktanteile stabil. Die teure Insel Schweiz. Das heisst: Hierzulande zahlt der Handy-Nutzer beachtliche 57% mehr als im europäischen Durchschnitt. Ein Runder Tisch mit den drei Anbietern Swisscom, Orange und Sunrise endete laut Monika Dusong jeweils in einer Farce: „Die mögen sich nicht und sprechen nicht miteinander.“ Bleibt also politischer Druck und an diesem soll auch künftig gearbeitet werden. Die Faust im Sack der Konsumenten – das wolle man nicht weiter hinnehmen.

Leiten wir die nächste Wachstumsphase ein?

20.10.2009
Olav Swantee

Olav Swantee

Olav Swanee

Senior Executive Vice President Orange, Europe, Egypt & Personal

Die heutige Wirtschaftssituation erinnere an die Dreissiger Jahre, so Swantee. An ein Jahrzehnt mit enormer Kreativität. Unter anderem wurde damals die Walt Disney Company gegründet. Warum nicht jetzt die nächste Wachstumsphase einläuten?

Die Zeichen dafür stehen gut. Wenn es die Anbieter verstünden, das richtige Umfeld zu schaffen. Datentransfers werden enorm zunehmen. Dies hätten die Erfahrungen mit iPhone gezeigt, wo sehr wenige Nutzer sehr viel mehr Daten verschoben als alle anderen Nutzer zusammengezählt. Diesem Trend werde die Masse folgen.

Voraussetzungen dafür sei, dass Internet-Anwendungen persönlich und damit für jeden Nutzer relevant würden. So, dass sie bald fest ins Leben jedes Nutzers gehören. Dafür müssen sie einfach und verständlich aufgebaut sein, die Kapazitäten der Netze sind dafür zu erweitern, die Geräte müssen günstiger werden und die Preismodelle innovativ ausgestaltet sein.

Smart Phones würden schon sehr bald sehr viel günstiger, prophezeit Swantee. Der Breitbandstandard LTE werde ein wichtiger Bestandteil künftiger Netze sein. «Datenwachstum ist gegen Rezession resistent», gerade in Ländern mit tiefem BIP seien die Zuwachsraten im Datenverkehr deutlich überproportional. So zum Beispiel ihn Moldawien. Orange wird dort neue High-Definition-Voice-Dienste austesten.

Für die Branche werde Nachhaltigkeit wichtiger. Orange müsse fünfzehn Prozent aller neuen Geräte zurücknehmen. Dies wegen Defekten oder Softwaremängeln. Diese Quote sei deutlich zu hoch. So wie auch der Energieverbrauch insgesamt. So sei eine einzige Google-Suche gleich energieintensiv wie wenn eine Glühbirne während fünfzehn Minuten brennt. In Europa werden zudem jährlich 185 Millionen Ladegeräte verkauft. Eine Zahl, die unnötig hoch ist. Ein einheitlicher Standard für alle Hersteller müsse hier das Ziel sein.

Auf die Frage der Moderatorin Christine Maier, was dran sei an den Gerüchten, dass Orange Schweiz Sunrise übernehmen wolle, antwortet Swantee: «Wir sind im Gespräch. Es geht dabei um verstärkte Zusammenarbeit, nicht um eine Übernahme.»

Die Schweiz – ein schwieriger Markt für private Investoren

20.10.2009
Vagn Soerensen

Vagn Soerensen

Vagn Sørensen, Chairman of the Board of Directors of TDC A/S

„Wir machen uns Sorgen in Bezug auf die Einführung neuer Technologien in der Schweiz – ein Markt der zunehmend weniger attraktiv wird, für uns als privaten Investor.“ TDC ist mit der Marke Sunrise in der Schweiz tätig – ein Markt, der dem Chairman wenig Freude bereitet. Die anhaltende Dominanz der Ex-Monopolistin Swisscom (ca. 60% Marktanteil gegenüber je ca. 20% von Orange und Sunrise) sei dabei wesentlich. Eine vergleichbare Asymmetrie des Marktes – der Vorsprung der Swisscom sei uneinholbar – gebe es sonst nur in Tschechien. Sorensen fordert gleich lange Spiesse. Sunrise und Orange müssten weiterhin massiv höhere Kosten, vor allem im Bereich der Initialkosten, tragen. Kosten, die so nicht zu rechtfertigen seien. Hier führt der TDC-Chairman die sinnlose Duplizität der Basisinfrastruktur – vor allem im Festnetz – an. Gerne würde man in den Technologie- und Dienste-Wettbewerb investieren, statt in noch mehr Kabel und Schächte. Immerhin: Hoffnung auf gleiche Chancen bestehe bei der Glasfaser-Technologie. Für Sorensen ist klar: Es braucht mehr Investitionen in Elektronik statt in Beton, Basisinfrastruktur muss künftig mehrfach genutzt werden. Nur so erreichen die exorbitant hohen Telekommunikations-Preise in der Schweiz zu Gunsten der Nutzer ein attraktives Level. Das belebe den Markt und fördere auch künftig private Investitionen. Investitionen wie jene der TDC.

Mobile Breitbanddienste: Reicht das Spektrum?

20.10.2009
Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Senior Advisor to the CEO & Group Ericsson, Stockholm

Dienste, die noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt waren, sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir wollen mehr Daten schneller versenden und empfangen. TV und Video-Contents werden in immer mehr Diensten angeboten, entsprechend wachsen die Datenmengen. In ein paar Jahren werden 90% der Datentransfers auf TV/Video-Dienste fallen.

Der Online-Lifestyle wird von der Digitalisierung der Welt getrieben. Die Zukunft gehört dem mobilen Breitband. Breitbanddienste werden zum Rückgrat einer starken Wirtschaft. Das digitale Gefälle damit markant verringert werden.  Die Entwicklung neuer Breitbandnormen wie HSPA+ und LTE schreitet schnell voran. Wichtig für die Verbreitung dieser Normen ist, dass sie von verschiedenen Anbietern angeboten werden. Die Datenübertragung wird schneller, die Anwendungen werden zahlreicher. Vor allem für ländliche Regionen ist mobiles Breitband interessant. Die Abdeckung (HSPA+) beträgt in Australien bereits 99 Prozent.

Die Verschiebung der Anteile von fixem DSL auf mobile HSPA-Breitbanddienste ist nicht ohne Problematik. Sollen sämtliche Dienste über mobile abgewickelt werden, reicht das Spektrum nicht aus. Bereits im nächsten Jahr dürfte über die Hälte aller Daten mobil transferiert werden. Diese Prognosen treffen vermutlich nicht auf Europa zu, weltweit aber dürfte sie eintreffen.

Um die nötige Balance zu halten wird es auch in Zukunft darum gehen, die Bedürfnisse der Konsumenten, die Architektur der Netze und die steigende Nachfrage in neuen Märkten in Einklang zu bringen.

Das Mobile als goldene Brücke über den digitalen Graben

20.10.2009
Guruduth Banavar

Guruduth Banavar

Guruduth Banavar, IBM Indien – Director IBM India Research Laboratory and Chief Technologist IBM India / South Asia

Telekommunikation in Indien ist anders. Sehr anders. Guruduth Banavar portraitiert zunächst das Marktumfeld, das jeden westlichen Anbieter neidisch machen muss. Indien ist nicht nur der grösste Mobile-Markt weltweit. Eine neue Mittelklasse treibt die Wirtschaft an und beschert indischen Anbietern derzeit einen Gesamtzuwachs von sage und schreibe 68%. Zu den derzeit 450 Mio. Handybesitzern kommen monatlich stolze 10 Mio. hinzu. Es laufe also – Wirtschaftskrise hin oder her – immer noch sehr gut. Einer der bedeutenden Player im gut funktionierenden Zusammenspiel internationaler Anbieter ist hierbei sei Vodaphone. Was sind die Besonderheiten des indischen Telco-Marktes? Während die städtischen Regionen ähnlich entwickelt sind, wie in westlichen Ländern, befindet sich der eigentliche Wachstumsmarkt in den ländlichen Regionen. Regionen die kulturell so verschieden seien wie Europa, natürlich auch sprachlich. Hier ist das Internet kein Thema. Soziale Verhältnisse und mangelnde Bildung – auch Analphabetismus – sind die Gründe. Hier setzt ein wichtiges Projekt in den IBM-Forschungslabors, die sich mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen des indischen Marktes auseinandersetzt, an. Das so genannte Spoken Web ist dabei, die digitale Kluft zu überwinden und den Zugang zu Wissen für immer mehr Menschen zu ermöglichen. Kein PC, kein Blackberry oder Smartphone ist gefragt. Viel mehr ein einfaches Handy, meist mit Prepaid Card. So sieht er – vor allem in ländlichen Gebieten – aus, der indische Markt. Sprechen und hören anstelle von schreiben: Voicesides machen dies möglich. Sie überwinden Bildungsdefizite oder Kommunikations-Hindernisse aufgrund sozialer Hintergründe. Voicesides, das heisst: kaufen, sich informieren, werben, suchen, finden, kurz: Soziales, wirtschaftliches und auch politisches Kommunizieren per Handy. Und: Gehörter Zugang zu Wissen. Auch fernab von Delhi ist per Spoken Web via Mobile alles das möglich, was im WWW möglich ist.

Voting/Fragen an Referenten

20.10.2009

Stellen Sie unseren Referenten Fragen:

http://voting.comdays.mobi/de

(Mobiler Blog Comdays)

„Da sitzen wir also und schauen auf die Krise“

20.10.2009
Joschka Fischer

Joschka Fischer

Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister, heute Unternehmensberater, u.a. bei BMW als Berater für nachhaltige Produktentwicklung.

Fischer macht die Rahmenbedingungen des Kongresses gleich zu Anfang klar. Die Mobilfunkindustrie ist jung und zählt zu den wichtigsten weltweit mit unvergleichlichen Umsatzzuwächsen. Allein die Europäische Union zählt mehr mobile Anschlüsse als Einwohner (Fischer selbst bezeichnet sich auf Anfrage der Moderatorin als „Apple-Typ“). Im Zentrum des Referats aber steht die Dynamik der globalen Entwicklung. So wirft Fischer einen Blick auf die künftige Population. Was treibt in Zukunft diese neun Milliarden Menschen an? Für Fischer ist ebenso klar wie moralisch berechtigt: Alle wollen künftig den westlichen Lebensstandard. Wie aber soll das gehen? Natürlich braucht es eine reduzierte Lebensweise aller – völlig klar. Notwendig sei vor allem ein neues Mobilitätsverhalten, neue Lösungen für die Deckung einer gigantischen Energie-Nachfrage, insbesondere in den Schwellenländern – allen voran China und Indien. Deren Heimatmarkt wird bekanntlich zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Grösse. Wenig Freude hat Fischer an der derzeitigen Haltung Europas. Trotz hervorragender Ausgangsposition betrachte man die Dynamik der Schwellenländer aus der europäischen Defensivperspektive. „Unser Problem ist unsere Geisteshaltung, nach dem Motto: Da sitzen wir also und schauen auf die Krise.“ Welche Weichen sind zu stellen? Die Bereitstellung preiswerter Energie sei wesentlich. Falsch hingegen seien Preissignale, die Energie zu Schleuderpreisen bereitstellten, wie in der Reagan-Ära in den USA geschehen. „Wir sind gewöhnt, Energie – vor allem wenn billig – zu verschwenden. Das wird künftig nicht mehr funktionieren“.

Mit Blick auf Deutschland verweist der ehemalige Grüne Aussenminister auf beachtliche Erfolge im Bereich der erneuerbaren Energien. “ Selbst in meinen grünsten Träumen, hätte ich nicht erwartet, dass wir so schnell so grosse Erfolge haben würden.“ Diese Wettbewerbsvorteile dürfe man nun in der neuen Regierungskoalition nicht aufgeben. Aber eben: Alle internationalen Entwicklungen fänden nicht im machtfreien Raum statt. Ganz im Gegenteil. Das wisse man auch in China und anderen aufstrebenden Schwellenländern. Hier spiele die Nachfragemacht  eine bedeutende Rolle. „Im 21. Jahrhundert wird der Wettbewerb für uns sehr viel härter.“ Nicht nur die Schweiz werde für diesen Wettbewerb künftig zu klein. Auch Deutschland oder Frankreich. Darum ist für Fischer klar: „Da, wo es um einen gemeinsamen Markt geht, müssen wir zusammen handeln.“  

Und eine andere interessante Frage wirft Fischer auf. Sollte man es privaten Unternehmen überlassen, die globale Kommunikationsindustrie zu steuern? Könnte globales Wissen vielleicht durch eine „globale Agentur“ besser definiert und gesteuert werden? Hierüber erwartet Fischer eine baldige, rege Diskussion. Ausgelöst durch – wen sonst – Google.  

„Ängste sollten wir hinter uns lassen, den Blick auf die Chancen richten.“ Nie, so Fischer sei die Freiheit zum Handeln so gross gewesen. Inder, Chinesen seien im Kommen. So weit so legitim. Aber die europäischen Ländern besässen einen beträchtlichen Vorsprung. Eine Spitzenposition, die es selbstbewusst und angstfrei zu verteidigen gelte. Vorne bleiben heisse: Besser Up-to-Tomorrow als Up-to-Date.

Frequenzen technologieneutral vergeben

20.10.2009
Matthias Kurth

Matthias Kurth

Matthias Kurth

Präsident Bundesnetzagentur und Präsident European Regulatory Group, IRG, Bonn

Als Regulierer will Kurth den Nutzern möglichst viele Auswahlmöglichkeiten für möglichst viele Dienste verschaffen. Die Vergabe von Frequenzen soll deshalb nicht mehr an eine bestimmte Technik oder an bestimmte Dienste gebunden werden. Die Übertragungsdienste wachsen zunehmend zusammen. Übertragungsdienste, verschiedene Dienste und  Technologien konvergieren dabei in einem Gerät. Den dynamischen Wandel in dieser Industrie wolle der Regulierer nicht verhindern, sondern bewusst  – zum Komfort der Nutzer – fördern.

Frequenzen würden zur knappen Ressourcen. Entsprechend wichtig sei, dass die vorhandenen Frequenzen auch tatsächlich genutzt werden. Dafür darf durchaus der Markt spielen. Lieber ist ihm, wenn mit Frequenzen gehandelt wird, als wenn sie ungenutzt bleiben. Er wolle künftig keine eingezäunten Gärten (Walled Gardens) mehr. Der Kunde, der Nutzer soll sich möglichst frei bewegen können.

Als Regulierer hat er das Ziel, dem Kunden möglichst viel Transparenz zu verschaffen. Den «Billing Shock» gelte es zu eliminieren. Es dürfe nicht sein, dass der Kunde ab seiner Rechnung erschrickt, nur weil er seinen Fuss über eine politische Grenze gesetzt hat – und sich  nicht bewusst ist, dass die von ihm beanspruchten Dienste ab diesem Moment exorbitant teurer sind.

Communication rules the world

20.10.2009

Hans Stöckli, Biels Stadtpräsident und Nationalrat begrüsst die Gäste, wie es sich in Biel/Bienne gehört, mehrsprachig. Stöckli freut sich, dass die Veranstalter auch für die achte Ausgabe der Kommunikationstage ein Programm «von exzellenter Qualität» zusammengestellt haben.

Guten Morgen und Bonjour …

20.10.2009

aus Biel. Das Kongresshaus füllt sich langsam. Die Besucherinnen und Besucher geniessen vor der Eröffnung noch einen Kaffee, bis Hans Stöckli, der Präsident der Stiftung Bieler Kommunikationstage die Comdays ‘09 eröffnen wird. Anschliessend folgt der erste Referent: Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister. Hier im Blog informieren wir Sie unmittelbar nach den Referaten live aus Biel. Werfen Sie einen Blick auf das interessante Programm. Wir freuen uns über Ihr Interesse. Bis später.

Comdays 2009

20.10.2009

Live von den Comdays Biel/Bienne berichten Sabine Ingwersen und Stefan Scherrer.

Herzlich willkommen!