Auf Wiedersehen

21.10.2009 by

Den Teilnehmern der Comdays 2009 wünschen wir angenehme Heimreise. Auf Wiedersehen nächstes Jahr, 26./27. Oktober 2010.

Sabine Ingwersen & Stefan Scherrer

Und wo geht’s nun lang?

21.10.2009 by
Nils Müller

Nils Müller

Nils Müller, MBA Founder & CEO TrendONE, Hamburg

Nils Müller interessiert sich für die Zukunft. An den Comdays peilt er das Jahr 2021 an. Seine Präsentation ist lebendig und fesselnd. So wie die Zukunft eben.

Computer? Vergessen Sie’s! 2021 sind Realität und Virtualität längst verschmolzen. Dasselbe gilt übrigens auch für Video und Print. An Bildschirm und Handy dürfen Sie sich vielleicht sogar Ihre eigene Realität machen.

Warum einen Laden aufsuchen, wenn Sie die Ray Ban-Sonnenbrille, die Sie ins coolste Licht setzt, am Bildschirm anprobieren … Verzeihung tracken, können. Kaufen auch. Alles wird übrigens transparenter. Auch Sie. Man erkennt Sie nämlich per Handschlag. Ihr Gegenüber liest Ihren Namen und Ihre Vorlieben von Ihrem T-Shirt ab. Per Gesichtserkennungsfunktion. Natürlich stehen Sie auch nie mehr bei Starbucks in der Schlange. Weil Sie Ihren Lieblingskaffee schon längst per Handy bestellt und bezahlt haben und nur noch abholen müssen.

Bücher? Klar! Mit Texterkennung lassen wir diese allerdings künftig vorlesen. Und erfahren auch gleich, was andere Leser darüber denken. Werben können Sie auch. Virtuell und wirksamer denn je. Auch im Print. Fragen Sie Nils Müller. Sie werden es allerdings kaum glauben, was der Ihnen alles erzählt. Und was alles möglich ist. In der Zukunft von 2021. Nur so viel: Es ist für jeden was dabei.

Was ändert sich für den klassischen Journalismus?

21.10.2009 by

Paneldiskussion, Teilnehmer:

Dominique von Burg Président Conseil suisse de la presse
Roger de Weck Publizist
Markus Somm Stv. Chefredaktor «Die Weltwoche»
Catherine Duttweiler Chefredaktorin «Bieler Tagblatt»

Moderation:
Christine Maier Schweizer Fernsehen, SF, Zürich

Dominique von Burg: Die Zunahme von Beschwerden zu Persönlichkeitsverletzungen hat zu tun, dass Inhalte an Personen festgemacht werden. Diese Rügen haben rein moralische Konsequenzen, zu Bussen werden die Journalisten nicht verurteilt. Sitzungen des Presserats waren nicht öffentlich, für Journalisten haben wir sie teilweise geöffnet. Unsere Tätigkeit ist aber nicht mit einem Gericht zu vergleichen.

Catherine Duttweiler: Wir geben uns grosse Mühe, jeden Tag eine überraschende, überzeugende Zeitung zu machen. Wir bewegen uns hier in einer beinahe «Googlefreien Zone», wir können hier in die Tiefe gehen. Mehr jedenfalls als ganz grosse Titel. Da haben wir eine besondere Position. Einsparungen mussten auch wir machen, haben die Effizienz gesteigert, wollen aber die Qualität halten. Seit drei Jahren müssen unsere Journalisten alle auch für die Online-Publikation arbeiten. Wir versuchen beide Plattformen so zu nützen, dass sie sich gegenseitig ergänzen.

Markus Somm: Die Weltwoche schreibt schwarze Zahlen, auch wenn wir einen grossen Rückgang bei den Inseraten hinnehmen mussten. Wir haben schon früh Personal abbauen müssen. Das hat gute Leute getroffen, das schmerzt.

Roger de Weck: Die Entwicklung der Wochenzeitung «Die Zeit» ist ein Gegenbeispiel zu vielem, was wir heute gehört haben. Sie registriert steigende Leserzahlen. Das stimmt zuversichtlich. Wenn eine Publikation fest mit der Region verhaftet ist, wenn sie quasi unverzichtbar ist (wie das Bieler Tagblatt), ist das eine grosse Chance. Auch gebührenfinanzierte, elektronische Medien sind sehr krisenresistent und sind so ein Hort für journalistische Qualität.

Markus Somm: Eigentlich ist jetzt eine gute Zeit für die Branche. Wir sind gezwungen, von gewissen Vorstellungen Abschied zu nehmen. Um die Leser müssen wir uns intensiver kümmern, sie sind unsere Kunden. Bisher galt die Aufmerksamkeit eher den Werbekunden.

Roger de Weck: Die Branche kann mittelfristig Geld verdienen, wenn die Titel in eigene Recherchen investieren. Wer die Informationen hat, wird sie verkaufen können. Eine Zeit lang wurde viel Aufwand betrieben, um vorhandene Informationen zugänglich zu machen. Ich plädiere dafür, weniger zu machen; das dafür gut. Das heisst aber auch, dass man gewisse Themen fallen lassen muss, auch wenn das wehtut. Eine Zeitung muss, wie ein Gesprächspartner, um die Gunst, um die Aufmerksamkeit buhlen. Dafür muss sie spannend sein. Wer ein Profil hat, kann zulegen ohne exzessiv Marketing zu betreiben.

Dominique von Burg: Ich bin pessimistisch, wenn ich sehe, dass alle mehr oder weniger über das gleiche berichten. Gefragt ist Mut, von den Verlegern, in den Chefetagen. Was von dort kommt, führt bisher oft zu einer Standardisierung. Die Journalisten sollten den Mut haben, Originelles vorzutragen und dafür auch gegen allfällige Widerstände einstehen.

Catherine Duttweiler: Für viele Menschen gehört es nach wie vor zum täglichen Ritual, eine Zeitung in die Hand zu nehmen. Der Spagat besteht darin, Jüngere mitzunehmen und die Älteren als Leser zu behalten. Veränderungen, wie zum Beispiel Kostenpflicht einführen (iApps etc.), braucht Mut. Aber sie sind ein Weg, jüngere Leser an die Marke zu binden.

Markus Somm: Wenn ich lese, dass das neue Buch von Dan Brown, als Erstauflage (deutsch) in 1,2 Millionen Exemplaren erscheint, sagt mir das, dass die Leute nach wie vor gerne lesen. Gelesen wird auch noch in achttausend Jahren. Information ist wichtig, da sind wir uns alle einig. Glaubwürdige, gut gemachte Information ist nicht einfach zu machen. Der einzelne Journalist braucht auch den Mut, Dinge zu verfolgen, die der Kollege nebenan vielleicht nicht so «hübsch» findet.

Dominique von Burg: Marktforschung darf nicht immer der alleinige Massstab sein. Die kennen den Leser nicht wirklich.

Markus Somm: Die Leute wollen Geschichten hören und lesen. Die Journalisten müssen an ihre eigenen Leistungen glauben.

Roger de Weck: Tendenziell sind die guten Zeitungen in Europa besser geworden, die schlechteren eher schlechter. In dem Augenblick, als die Globalisierung an Wucht gewann, haben sich viele Medien wieder auf die lokale Berichterstattung konzentriert. Und zwar aus kommerziellen Interessen, das ist verwerflich. Nicht, weil der Leser sich nicht für internationale Themen interessiert. Das Informationsdefizit kann gefährlich sein. Umgekehrt werden unbedeutende Ereignisse gross abgefeiert oder sogar inszeniert. Diesen billigen Strategien müssen wir entgegenwirken.

Markus Somm: Wenn wir Geschichten aufbauschen, die nicht relevant sind, nehmen wir den Leser nicht ernst.

Christine Maier: Kennen wir die Leser noch?

Catherine Duttweiler: Ich glaube, dass ich die sehr wohl kenne. Ich bin mit ihnen im Kontakt. Das bringt mir mehr als Auswertungen wie «Reader Scan.» Wir müssen wir mit den Lesern in Dialog treten.

Christine Maier: Ist Qualität eine Frage des Geldes?

Dominique de Weck: Wenn man Geschehen gewichten will und das kompetent machen will, braucht es dafür genügend Personal. Wirklich leisten werden sich das nur wenige können. Man kann sich aber auf Themen konzentrieren, Schwerpunkte setzen.

Markus Somm: Wir müssen aufpassen, dass die wirklich guten Journalisten nicht in andere Berufe abwandern, wo sie mehr verdienen. Bundeshaus und Lokales sind das Rückgrat jeder Zeitung in der Schweiz. Da darf man nicht abbauen. Wenn Journalisten über viele Jahre im Bundeshaus präsent sind, ist das enorm viel wert. Aber das kostet etwas, wenn solche Berufsleute nicht abspringen sollen.

Roger de Weck: Wenn ein ehrgeiziger Journalist für die Weltwoche nach Afghanistan geht und die ultimative Geschichte, den ultimativen Schlüssel zum Verständnis liefert, dann ist das einfach unheimlich viel wert. Möglich ist das kaum mehr.

Dominique von Burg: In all dem was geschieht, braucht es jemanden, der Ordnung schafft. Dafür braucht es aber nicht zweihundert Redaktionen für zweihundert Zeitungen. Aber Leute, die sich im Ausland bewegen, die verstehen was geschieht, die braucht es. Vieles lässt sich rationalisieren, anderes sollte man bewusst ausbauen.

Catherine Duttweiler: National und regional können wir viel mehr bewegen. Ich setze mich auch dafür ein, dass am MAZ der Regionaljournalismus einen höheren Stellenwert erhält.

Markus Somm: Die Kernaufgaben der Presse sind seit ewig die gleichen. Die Leser wollen Fakten, das müssen wir liefern.

Roger de Weck: Die Leser haben unterschiedlichste Bedürfnisse. Wer sich nicht nur darauf konzentriert, ein gefälliges Produkt anzubieten, wird Erfolg haben. Wichtig ist eine deutlich wahrnehmbares, unverwechselbares Profil.

„Journalistische Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen“

21.10.2009 by
Philipp Cueni

Philipp Cueni

Philipp Cueni, SSM und Präsident Verein Qualität im Journalismus, Basel, Verantwortlicher Redaktor für das Medienmagazin EDITO

Für Philipp Cueni hat Journalismus eine eigene Kraft. Solange er qualitativ ausgerichtet ist. Nicht anders als bei den meisten anderen Referenten am heutigen Comdays-Tag, steht die Forderung nach Qualitätsjournalismus im Zentrum der Ausführungen. Hier aus Sicht der Medienschaffenden.

Das Berufsbild des Journalisten sei von unregelmässigem Arbeiten geprägt, was nachweislich belastend sei. Extra-Leistungen und –Recherchen würden in der Regel nicht honoriert, der Lohn sei in der Regel eher gut, das Sozialprestige hingegen gering.

In den Schweizer Redaktionen herrsche derzeit grosse Verunsicherung. Aber es gehe hier nicht ums Klagen, so Cueni und kommt auf das Eigentliche, der allseitigen Forderung nach qualitativ hoch stehendem Journalismus, zurück. Dieser führe eben auch über gute Arbeitsbedingungen. „Qualitätsjournalismus braucht gute Leute, sehr gute.“ Sehr gute Aus- und Weiterbildung seien damit unabdingbar. Ebenso wie Zeit – ein entscheidender Faktor für guten Journalismus.

600 entlassene Journalisten seien in einer kleinen Branche dramatisch, die sozialpolitischen und demokratiepolitischen Folgen schwerwiegend. Mit jedem entlassenen Journalisten ginge auch publizistisches Wissen verloren. Wie viele Journalisten es brauche, um die Demokratie sicherzustellen, sei schwer bezifferbar. „Vergleiche mit anderen Branchen hinken. Das ist keine Schraubenfabrik, wo sich die Zahl der Mitarbeiter am Schraubenbedarf orientiert.“ Sicher sei aber: Sinkt die Zahl der Journalisten unter eine bestimmte Grösse, habe dies einen Verlust von „Brain“ (Wissen, vor allem auch vertieftes und spezialisiertes Wissen) und Beobachtungsvielfalt zur Folge.

Journalismus überlebt, wenn er die Fragen der Gesellschaft qualifiziert beantwortet. Dafür brauche es Zeit und auch die Gewerkschaften seien sich darüber bewusst, dass dies Geld koste. Auch seien sie sich darüber im Klaren, dass die Einnahmeseite unter Druck sei. Als Forderung der Gewerkschaftsseite nennt Philipp Cueni ein Bewusstsein dafür, dass Qualitätsjournalismus als Kerngeschäft wahrgenommen werden muss. Der Staat sollte sich ebenfalls engagieren (sei dies durch steuerliche Entlastungen, verschiedenartige Förderungen o.a.). Zu Gunsten von gutem Journalismus appelliert er dafür, Abstand von der Idee zu nehmen, dass Renditen um 15% realisiert werden müssen. „Den Wert der journalistischen Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen.“ Und an die eigene Zunft richtet er die Botschaft: Auch wenn es anstrengend und aufwändig ist. Es gilt, das Ziel des Qualitätsjournalismus zu realisieren. Diesen zu liefern und einzufordern.

Lokale Titel liefern hervorragende Qualität

21.10.2009 by
Hanspeter Lebrument

Hanspeter Lebrument

Hanspeter Lebrument

Verleger Südostschweiz Medien
Präsident Verband Schweizer Presse

Wenn zur Zeit von Medien die Rede ist, sind Begriffe wie Krise nicht weit. Die Schweizer Medienlandschaft besteht aus einer Anzahl von tausenden von Titeln und Sendern. Wahrgenommen werden nur wenige, grosse Häuser. Diskutiert wird ihre Situation. Die Lage der Kleinen, die diese Landschaft stark beleben, scheint weniger interessant.

Hanspeter Lebrument will nicht einstimmen in die gehörten, pessimistischen Töne. Kleine und kleinste Medienanbieter haben auch in der Schweiz ihre Schwierigkeiten. Von der Strukturkrise sind sie aber weniger betroffen. Tausende von kleinen und mittleren Medien haben kaum Leser, Hörer, Zuschauer und User verloren. Auch die Werbekunden bleiben ihnen treu. Er sei immer wieder erstaunt, wie gut der Rucksack dieser Regionaljournalisten gefüllt sei, so Lebrument.

Von einzelnen Auswüchsen abgesehen sehe er die Qualität des Journalismus in der Schweiz nicht in Gefahr. Die Ausbildungslandschaft habe sich gewaltig verändert. In die Ausbildung von Journalisten sei massiv Geld geflossen. Praktisch in jedem Landesteil könnten sich Journalisten fundiert ausbilden lassen. Anders als wir kommen diese Jungen gut vorbereitet in den Redaktionen an. Das Niveau der «Beginners» ist heute viel höher als früher.

Schon in seinen jüngeren Jahren seien die Alten überzeugt gewesen, dass die jüngere Generation die journalistische Qualität nicht pflegten. Diese Melodie ist bis heute zu hören, was nicht beweist, dass die Befürchtung stimmt. Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil.

„Der Qualitätsjournalismus in den USA ist akut gefährdet“

21.10.2009 by
Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl, Universität Lugano

„Ich fürchte, ich habe einige Hiobsbotschaften für Sie“, so die vielsagende Einleitung von Russ-Mohl, mit Blick auf sein bevorstehendes Portrait der amerikanischen Medienszene.

In den USA habe sich die Problematik, wie sie von vielen Referenten der Comdays geschildert worden sei, noch zugespitzt. Professor Russ-Mohl umreisst die Trends im amerikanischen Journalismus mit dem „Bermuda-Dreieck von Publika, Werbung und PR.“ Stärker noch als in Europa wanderten journalistische Produkte ins Internet ab. Und die Werbung folgt ihnen natürlich. Das wichtige Kleinanzeigengeschäft (generierte einst 40% der Werbeinnahmen bei Tageszeitungen) sei fast verschwunden. Dahin, wo längst auch 40 Millionen Amerikaner sind. Bei Craiglist im Internet.

Der Qualitätsjournalismus in den USA sei akut gefährdet, Zeitungen befänden sich in der Todesspirale. Namhafte Titel seien verschwunden. Ob in Boston und San Francisco künftig überhaupt noch eine Tageszeitung gedruckt wird, stehe in den Sternen. Die Auflagenrückgänge gingen mit einem markanten Verlust an Glaubwürdigkeit einher. Skepsis gegenüber der Arroganz und der Macht der Mainstream-Medien sei in den USA weit verbreitet. Und die Reaktion der Verlage? Es wird rigide gespart, Redaktionen schrumpfen auf Minimal-Niveau oder kleiner. Wie sein Kollege von der Universität Zürich heute Morgen erkennt Russ-Mohl grosse verlegerische Fehlentscheidungen und Innovationsschwäche sowie qualitative publizistische Einbussen und Selbst-Kannibalisierung mit Gratis-Publika.

Die in den USA derzeit hoch gehandelten Lösungen in Form staatlicher Subventionierungen oder Stiftungen sind für Russ-Mohl aber nicht die Lösung. Viel mehr brauche es Lösungen zu Gunsten bezahltem Qualitätsjournalismus, etwa in Form von Online-Abonnements, Flatrates oder Micropayments.

Mittagspause im Kongresshaus

21.10.2009 by

Mittagspause hier in Biel. Wir sind aber bald zurück – mit dem Thema

Wer rettet Auftrag und Qualität des Journalismus?

Trendwende bereits geschafft

21.10.2009 by

Ann Axelsson

Ann Axelsson

Ann Axelsson
Week end Editor, Svenska Dagbladet, Stockholm
Magnus Gylje

Magnus Gylje

Magnus Gylje
Editor K, Svenska Dagbladet, Stockholm

Die allgemein gültige Lösung für das Überleben der Printmedien könnten sie nicht präsentieren, leiten die beiden Schweden ihr Referat ein. Was sie vorstellen, erzählt aber von einer faszinierenden Wandlung, die Mut macht.

Wie alle anderen Titel kämpfte auch Svenska Dagbladet mit sinkenden Leserzahlen. Die Zeitung galt als sperrig und selbstgefällig. Dieses Image wollte korrigiert sein, sie wurde auf Boulevard getrimmt. Mit wenig Erfolg. In der Folge wurden die Leser intensiver befragt. Heraus kam, dass die Leserinnen und Leser unter der Woche nicht die Zeit finden, alle Inhalte (die sie interessieren) zu bewältigen.

Die Ausgaben unter der Woche wurden gestrafft, werden inhaltlich kompakter aufbereitet. Komplexe Sachverhalte werden mitels Grafiken und Infografiken dargestellt. Der Aufwand für die Gestaltung des Svenska Dagbladet ist relativ hoch, der Titel gewann dafür einige Preise. Noch verstärkt gilt diese Feststellung für die Wochenend-Ausgaben, die Leser wie Fachleute schon rein optisch begeistern.

Die Wochenend-Ausgaben erscheinen als Magazine mit Namen «K», die gezielte Schwerpunkte setzen und Themen vertieft behandeln. Am Wochenende finden Leser die Zeit, sich damit zu beschäftigen. Die Inhalte sind nicht zwingend tagesaktuell, sie behalten ihren Wert über das Wochenende hinaus.

«K» erscheint am Freitag, Samstag und am Sonntag. Jeder dieser Tage hat eigene Schwerpunkte:
Freitag – Kultur, populäre Kunst, Food & Wein
Samstag – Literatur, Mode
Sonntag – Kultureller Lifestyle, Reisen, Gesundheit

Ziel sei es, die Leser mit der Auswahl der Themen immer wieder von Neuem zu überraschen. Befragungen zeigen, dass die Magazine anklang finden. 50% der Leser urteilen, dass sich Svenska Dagbladet verbessert habe. 30% finden den Titel nach wie vor gleich gut. Experten zeichneten Svenska Dagbladet als Europas bestgestalteten Titel aus. Entgegen dem Trend ist die Leserzahl markant angestiegen.

„Unser Businessplan ist die gute Story“

21.10.2009 by
Peter Knechtli

Peter Knechtli

Peter Knechtli, Gründer und Chefredaktor von OnlineReports.ch

Peter Knechtli, ehemaliger Print-Journalist, startete das Projekt OnlineReports.ch vor elf Jahren. Ohne Fremdkapital, dafür mit dem Luxus weit reichenden Neulands im Web, auf dem, so sagt Knechtli heute, man alles falsch gemacht habe. Einen Businessplan gab es nicht. Ausser der Mission: Wir liefern die gute Story. Aber man habe sich entwickelt und so könne er, einziger Festangestellter, sich heute einen branchenüblichen Lohn zahlen und sogar Steuergeld an den Kanton Basel-Stadt abführen.

Knechtli und sein Team von zehn freien Online-Journalisten wollten nie Werbevermarkter sein, sondern das bleiben, als sie sind: Journalisten. Man wolle sich bei OnlineReports nicht an Klicks messen lassen. Herzblut und gutes Handwerk führten zu redaktionellen Leistungen, die das Publikum wahrnehme und letztlich auch zu existenzsichernden Werbeeinnnahmen führe. Die mögliche Einflussnahme durch die Existenzsicherer wird, so Knechtli, selbstredend konsequent verweigert.

Leichtfüssig, flexibel und unmittelbar sei er, der Online-Journalismus. Knechtli ist froh, dass das Thema Redaktionsschluss oder Deadline für ihn nicht mehr relevant ist. „Einen guten Einfall können wir sofort umsetzen.“ Offenbar hatte das Online-Publisher-Team davon eine Menge. Die Visits auf dem Basler Portal starteten bei 600 und erreichen heute 50‘000. Man backe aber immer noch kleine Brötchen, fügt Peter Knechtli sofort hinzu.

Fairness, Wahrhaftigkeit und Quellenschutz betrachte man bei OnlineReports als essentiell. Zwischen Politanalyse und Dorfstory packe man auch internationale Themen wie Menschenrechte, Islam oder Integration an. Unterlassungen seien aber auch nötig, wenn man nicht im Wust des kritiklosen „Vermutungs- und Konjunktiv-Journalismus“ untergehen wolle. OnlineReports setze daher konsequent auf redaktionelle Eigenleistungen und verzichtet, beachtlich, sogar auf die Zusammenarbeit mit Nachrichtenagenturen.

20 Minuten: Erfolgsbeispiel auch in der Krise?

21.10.2009 by
Marcel Kohler

Marcel Kohler

Marcel Kohler

Geschäftsleiter 20 Minuten AG

«Der Erfolg wurde 20 Minuten nicht in die Wiege gelegt», erinnert Marcel Kohler. Der Empfang sei nicht eben herzlich gewesen. Auch er selber habe das Geschäftsmodell damals kritisch hinterfragt. Heute erscheint der Titel in zwei Sprachen und acht Lokalausgaben (Totalauflage 710’000 Ex./Tag, fast 2 Mio. Leser).

Die Krise im Werbemarkt («die gibt’s!») ist auch an 20  Minuten nicht spurlos vorbei gegangen. Allerdings sei 20 Minuten vom Rückgang im Werbemarkt weniger stark betroffen – und er setzte relativ spät ein. Im Gegensatz zur abonnierten Presse, die an Reichweite verliert, legt 20 Minuten bei der Reichweite konstant zu: «Insgesamt wurde noch  nie so viel Zeitung gelesen wie heute.» Am meisten Leser erreicht 20 Minuten bei den 14- bis 19-Jährigen. «Die Tatsache, dass die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen wieder Zeitung liest, beantwortet die Frage nach der Legitimierung des Titels», so Kohler nicht ohne Stolz.

20 Minuten erreicht also eine hoch attraktive Lesergruppe und profitert davon bei den Werbekunden. Der Werbemarkt-Krise könne man also durchaus begegnen. Kontinuierliche Innovation sei deshalb das Ziel. Ein anderes die Expansion in neue Märkte. So hat Tamedia mit 20 Minuten zwei Mal Sprachgrenzen überschritten (Romandie, Luxemburg). Business Extension: Das People-Magazin «Friday» gelingt es – nach «unerwartet langer Schwangerschaft» – die Leser zu erreichen.

Teil der Innovation sei, nebst 20 Minuten online, das Mobile-Geschäft, welches konsequent vorangetrieben werden. Online bietet 20 Minuten lokale News mit erstaunlicher Tiefe an. Dies nicht zuletzt mit der Absicht, auch lokalen Werbekunden eine Plattform anzubieten. iPhone-User können (danke einer speziellen App) bald acht TV-Programme empfangen. Diese Dienste sind kostenpflichtig.

Entgegen den Vorurteilen habe 20 Minuten nicht allein deshalb Erfolg, weil die Zeitung gratis sei. 20 Minuten werde mittlerweile von mehr «Leadern» gelesen als der Tages-Anzeiger oder die NZZ. Aussagen und Meinungen aus der Branche zu 20 Minuten hätten sich stark geändert, konstatiert ein zufriedener Geschäftsleiter der meistgelesenen Zeitung der Schweiz.

„Geld mit Inhalten ist im Internet kaum zu verdienen“

21.10.2009 by
Walder-Marc

Marc Walder

Marc Walder, Geschäftsführer Ringier Schweiz

Die radikalen Veränderungen im Medienmarkt kamen nicht schleichend, sie erreichten die Verlagshäuser rasch. Sehr rasch. Hinzu kam die konjunkturelle Krise. Beides zusammen mischte sich zu einem gefährlichen Cocktail. Für viele Printprodukte sogar zu einem tödlichen. Die Liste der beerdigten Titel sei lang, so Marc Walder. Gut möglich, dass das Jahr 2009 als schwärzestes in die Geschichte eingehe. Natürlich habe diese Entwicklung Spuren hinterlassen. In der Schweiz verloren seit 2008 rund 600 Journalisten ihren Job, Verlage schlossen sich zusammen. Zeitungen und Zeitschriften blieben zwar wichtig für Schweizer und Schweizerinnen. Aber: Die Auflagen befänden sich im Sinkflug. Die Zeit, die Mediennutzer heute im Internet verbrächten, fehle auch dem Hause Ringier. Und: Kaum ein Verlag könne heute im Internet mit Werbung profitabel sein, sei doch der Werbemarktanteil noch immer verschwindend klein. Den Löwenanteil sichere sich bekanntlich der Gigant Google. Walder erkennt eine grosse Herausforderung darin, Online-Inhalte profitabel zu vermarkten.

Die jüngst vereinbarte so genannte Hamburger Erklärung sei bedeutend. Es geht um den essentiell wichtigen Schutz geistigen Eigentums.

Mögliche Strategien der Zukunft? „Entweder Sie heissen TA Media und kaufen erst Bern und dann die Romandie oder Sie diversifizieren.“ Das Wort Diversifizierung bringt den Ringier-Chef am Schluss seines Referats sichtbar in Visionslaune. Er führt den Daily Telegraph, Premiumtitel in England, an. Dieser verkaufe inzwischen neben Qualitätsjournalismus Reisen, Tulpen, handgefertigte Schuhe und mehr. Ein Drittel des Gewinns mache dies beim Telegraph inzwischen aus. Folge: Keine Abstriche in der publizistischen Infrastruktur waren notwendig. Auch Ringier werde die Strategie der Diversifikation gehen, macht Walder klar.

Krise oder neue Realität in den Medien?

21.10.2009 by
Hans-Peter Rohner

Hans-Peter Rohner

Hans-Peter Rohner

CEO and Chairman PubliGroupe AG

Die Weltwirtschaftskrise hat gravierende Auswirkungen auf die Einnahmen der Medienhäuser. Der Aufschwung wird prognostiziert. Verleger dürfen aber nicht automatisch damit rechnen, dass sie bei gleichen Leistungen wieder mehr verdienen werden.

Die Mediennutzung hat sich grundsätzlich verändert. Zwischen jungen und älteren Menschen gibt es dabei Unterschiede. Eine Gemeinsamkeit aller Nutzergruppen ist, dass ein Grossteil der Nutzer den ganzen Tag online ist. Internet ist in alle Lebenslagen eingedrungen. Der Kampf um Zeit und Aufmerksamkeit der Mediennutzer wird immer gnadenloser.

Die Einnahmen pro Nutzer sind bei Online-Medien um ein vielfaches tiefer als bei klassischen Medien. Wie sich unter diesen Voraussetzungen rentable Business-Modelle gestalten lassen, ist und bleibt die grosse Herausforderung.

Werbung wird zunehmend als Investment gesehen. Honorare für Agenturen, aber auch die Ausgaben für die Verbreitung von Werbung werden immer mehr an Resultate gebunden. Die Preismodelle beinhalten immer öfter Kommissionen. Im Klartext: Geld gegen messbare Leistung. Ein weiterer, neuer Faktor für die Preisgestaltung, ist der Zeitpunkt, zu dem der Werbeplatz gebucht wird. Ähnlich den Preismodellen der Fluggesellschaften, wo zwei Sitznachbarn sehr unterschiedliche Preise für die gleiche Leistung bezahlen.

Preismodelle werden in Zukunft in immer kürzeren Abständen überarbeitet werden müssen. Klug kalkulierenden, innovativen Medienunternehmen gehöre die Zukunft. Die Herausforderungen seien spannend wie nie zuvor, so Hans-Peter Rohner.

„Die Tagespresse verweigert sich dem dringend notwendigen Qualitäts-Kurs“

21.10.2009 by
Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren, Prorektor Universität Zürich

Der Ordinarius für Publizistikwissenschaft sieht weder eine Medienkrise noch eine Demokratiekrise. Wohl aber eine markante Krise der Tageszeitungen und vor allem dessen Verlagsmanagement. Die Krise sei also konjunkturell aber eben auch institutionell. Hausgemacht also. Jarren findet klare und höchst kritische Worte an die Adresse der Tageszeitungs-Verlagschefs. Die Tagespresse gehe zu wenig auf die Bedürfnisse unserer hochdifferenzierten Wissensgesellschaft ein. Mit Unverständnis stellt Jarren fest, dass die Branche sich einem dringend notwenigen Qualitätskurs verweigere.

Auch findet er keine wirksame oder erkennbare Arbeit an der Markenbildung zu Gunsten der Tagespresse. Alleinstellungsmerkmale? Fehlanzeige. Der Branche sei es offenbar zu lange zu gut gegangen, sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf Regulierungsprivilegien. Eine markante Innovationsschwäche sei jetzt die Folge. Jetzt wolle man den Weg einer Multimedia-Strategie gehen. Das aber überfordere die Verlage. Aufkaufen, Verdrängen oder die forcierte Lancierung von Gratis-Presseprodukten seien weitere – falsche – Wege aus dem Dilemma. Jarren empfiehlt den Tageszeitungs-Machern dringend, die Kräfte in qualitativ hochwertige Publizistik zu investieren. Man müsse zu einem „Qualitäts-Pakt“ mit dem Publikum kommen. Heisst: Publizistischen Wert schaffen, für den das Publikum bereit ist, angemessen zu zahlen. Die konjunkturelle Krise biete letztlich den Verlagen die Chance, ihre Strukturen anzupassen. So gesehen, könnte die aktuelle Wirtschaftskrise heilende Wirkung haben.

Willkommen in Biel …

21.10.2009 by

zu Tag 2 der Comdays ’09.

Krise oder neue Realität in den Medien? Dieser Frage widmen sich heute Morgen drei Referenten. Wir starten in Kürze mit dem Referat von Prof. Dr. Orfried Jarren, Prorektor der Uni Zürich.

Danke für Ihr Interesse und bis nachher.

Stefan Scherrer & Sabine Ingwersen

Sabine Ingwersen

Sabine Ingwersen

Können sich Politik und Medien ergänzen?

20.10.2009 by
Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Micheline Calmy-Rey

Bundesrätin, Aussenministerin, Bern

Politik und Medien sollen sich ergänzen. Für die Politik ist es wichtig, dass wir uns orientieren können, dass der Dialog stattfindet. Gerade aussenpolitische Themen sollten nicht ausschliesslich von Spezialisten und Diplomaten geführt werden. Die Öffentlichkeit soll an der Debatte teilnehmen. Medien machen die Aussenpolitik sichtbar.

Transparenz empfinde sie als positiv, auch wenn sie ihre Arbeit nicht einfacher mache: «Das nehmen wir gerne auf uns.» Auch wenn die Kommentare von ihrer eigenen Meinung abweiche. Die Problematik daran habe die Iran-Reise gezeigt: Trotz zahlreicher Erklärungen ihrerseits sei die Substanz ihrer Reise nie vermittelt worden. Die Mission wurde von ihrem Bild mit Schleier überlagert.

Auch das, was sie hier, vor dem Comdays-Publikum sage, werde weniger in Erinnerung bleiben, als die Art und Weise, wie sie Ihre Botschaft vermittle. Calmy-Rey plädiert dafür, Journalisten gut auszubilden. Dies sei umso wichtiger, als Inhalte immer mehr auf kurze Aussagen reduziert würden. Zeitdruck, Mangel an Ausbildung und Sorgfalt könnten weit reichende Folgen haben. Mediendruck könne zu Kollateralschaden führen. Dies habe nicht zuletzt die Verhaftung Hannibal Gaddhafis gezeigt. Dem Image der Schweiz drohe Schaden, weil nicht in vollem Umfang erklärt werden könne, warum diese Debatte in einem demokratischen Land geführt wird. Warum in einem Land, das für Toleranz steht, über Minarette abgestimmt wird. Die nötige Zeit, den Raum für solche Erklärungen erhielten Politiker oft nicht.

Politische Arbeit, wie Micheline Calmy-Rey sie versteht, geschieht im Dialog mit der Bevölkerung. Nur so könne die Exekutive wissen, welche Werte sie zu vertreten habe.

Das war eine wahrlich lebhafte Panel-Diskussion …

20.10.2009 by

… in wenigen Minuten geht es weiter mit dem Schlussreferat von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.

Fiber to home. Hype? (Fortsetzung)

20.10.2009 by

Wer braucht die schneller Fasern wirklich?

Ruedi Noser: Für Private sind die Geschwindigkeiten schnell genug.

Carsten Schloter: Wenn Sie die Kunden fragen, werden Ihnen die meisten zustimmen. Aber wir müssen jetzt bauen, um die Bedürfnisse von Morgen decken zu können.

Christoph Brand: Langfristig kann man gar nicht genug Bandbreite haben.

Ansgar Gmür: So richtig verstehe ich noch gar nicht, wozu wir diese Glasfaserkabel brauchen werden. Als Kunde frage ich mich schon: «Brauche ich das überhaupt?» Die Information zum Thema ist wirklich mangelhaft

Ruedi Noser: In unserer Familie schaut niemand mehr Live-TV. Es wird noch eine Weile dauern, bis wir diese Bandbreiten wirklich brauchen werden.

Peter Messmann: Wer einmal erfahren hat, was möglich ist, will nicht mehr zurück. Das haben frühere Versuche gezeigt.

Christoph Brand: Wer welche Möglichkeiten nutzen wird – und welchen Preis er dafür zu zahlen bereit ist – wissen wir noch nicht. Wir haben deshalb den klaren Auftrag, möglichst kostengünstig zu bauen. Tiefe Kosten pro Anschluss, das muss das Ziel sein

Moderator: Investieren wir in einen Hype?

David Thiel: Wer mehr Strassen baut, provoziert Verkehr. Das ist in der Telekommunikation auch so. Aber hier eröffnen sich uns neue Möglichikeiten: Wenn Software beispielsweise zentral gehostet wird – und vom Kunden nur bei Bedarf genutzt wird – sind Glasfasern ein Gewinn.

Carsten Schloter: In den ersten Jahren wird diese Infrastruktur unterbenutzt sein. Später werden die Bandbreiten gebraucht werden. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Das grösste Risiko heute ist das Preisrisiko. Niemand weiss heute, was die Kunden in zehn Jahren für unsere Angebote zu bezahlen bereit sind.

Moderator: Schlussrunde, Glaubensbekenntnis pro/kontra Glasfaser

Christoph Brand: Wir möchten, dass rasch investiert und gebaut wird. Alle Anbieter sollen die Infrastruktur zu den selben Bedingungen nutzen dürfen.

Ruedi Noser: Ich freue mich, dass der runde Tisch sich geeinigt hat. Das ist das Beste, was man in der Schweiz hinkriegen konnte. Welchen politischen Handlungsbedarf es geben wird, wird ein Bericht des Bakom zeigen.

Andreas Widmer: Wir bauen weiter schrittweise aus und wollen unseren Wettbewerbsvorteil halten

David Thiel: Gleiche Stückkosten unter gleichen Bedinungen, dafür kämpfen wir. Wir waren lange die einzigen, die an Fiber-to-Home gebglaubt haben, unser Glaubensbekenntnis haben wir also längst abgegeben.

Carsten Schloter: Der Kunde wird diese Leistungen in zehn, fünfzehn Jahren brauchen. Es ist wichtig, dass jetzt investiert wird, dass volkswirtschaftlich ein Sprung nach vorne gemacht werden kann.

Ansgar Gmür: Wir hoffen, dass der Kunde in Ihren Überlegungen eine Rolle spielt. Dass die Kunden etwas davon haben und dass die Prozesse demokratisch ablaufen. Unsere Forderungen liegen auf dem Tisch, die wollen wir umgesetzt sehen.

Fredy Brunner: Jetzt, rasch und günstig ein Netz für die Zukunft schaffen! Lassen Sie uns um Himmels Willen den Wettbewerb.

Martin Dumermuth: Bandbreite ist ein Bedürfnis. Das ist wie beim Estrich. Der kann noch so gross sein, er ist immer voll.

Fiber to the Home – vom Hype zur Realisierung

20.10.2009 by

Panel, mit kurzen Impulsreferaten. Teilnehmer:

Carsten Schloter CEO Swisscom AG
David Thiel Vorsitzender IWB (Industrielle Werke Basel)
Fredy Brunner Stadtrat Stadt St.Gallen, Vorstand Technische Betriebe
Christoph Brand CEO Sunrise Communications AG
Andreas Widmer CEO Wasserwerke Zug AG (WWZ)
Ansgar Gmür Direktor Hauseigentümerverband Schweiz
Martin Dumermuth Direktor BAKOM
Ruedi Noser Unternehmer, Nationalrat und Präsident ICT Switzerland
Peter Messmann Leiter Telecom, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz)

Moderation: Rainer Borer Leiter Wirtschaftsredaktion Schweizer Radio DRS

Fiber to Home: «Eine grosse Aufgabe, die auf diese Herren zukommt», leitet Rainer Borer die Paneldiskussion ein. Vor zwei Wochen kam die Meldung, dass zum Thema Glasfasernetze in der Schweiz ein Durchbruch gelungen ist.

Carsten Schloter: Glasfaser ist ein extrem langfristiges Unterfangen. Der Nutzen wird sich nicht von Beginn materialisieren. Wir dürfen nicht damit rechnen, dass schon bald alle Haushalte mit Glasfaserkabeln erschlossen ist. Das wird ein Generationenprojekt. Aktionismus ist fehl am Platz, gefragt ist Pragmatismus. Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser sehr hohen Investitionen wird hoch sein. Das Risiko dafür ist auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ideale Modell dafür existiert nicht, jedes Land sucht dafür den geeignetsten Weg. In der Schweiz konnten wir uns in sehr kurzer Zeit auf die Grundzüge eines gemeinsamen Modells einigen

Christopn Brand: Mit wenigen Einschränkungen kann ich mich dem anschliessen, was Carsten Schloter gesagt hat. Wir begrüssen diesen Konsens. Er ist die richtige Mischung zwischen «ein Mal bauen» und «bauen ohne Ende». Dass alle Anbieter auf die Glasfasern Zugriff haben, ist gut. Der Wettbewerb kann spielen, das ist wichtig.

Peter Messmann: Die Krux liegt im Detail. Die Voraussetzung, damit eine Stadt in ein Glasfasernetz investiert, ist eine Win-Win-Situation. Wir brauche einen gewissen Investitionsschutz, wenn auch nicht eine Garantie. Ziel ist nicht eine Gewinnmaximierung, aber Eigenwirtschaftlichkeit. Wir wollen nicht heute einen Deal abschliessen, der in zehn, fünfzehn Jahren hohe Folgekosten nach sich zieht. Wir wollen ein Netz bauen, das den Standort fördert, dafür sind wir zu einem Zusatzinvestment bereit, aber in gewissen Massen. Investitions-, Unterhalts- und Betriebskosten werden noch Fragen aufwerfen, die Details müssen erst noch ausgearbeitet werden.

David Thiel: Telekommunikation wird neben Wasser- und Energieversorgung für urbane Zentren eine ganz zentrale Rolle spielen. Das Engagement der Öffentlichen Hand zielt darauf, nicht von Dritten abhängig zu werden, uns keine Spielregeln aufdrängen zu lassen. Der Austausch mit den Telekomanbietern ist sehr spannend. Wir sprechen dabei nicht immer die selbe Sprache. Unter «Diskriminierungsfrei» verstehen bis jetzt nicht exakt das selbe.

Andreas Widmer: Telekommunikation ist nur ein Teil unseres Produkteportfolios. Gewerbekunden haben wir bereits mit Glasfaserkabel erschlossen. Wir investieren auch jetzt wieder in diese Infrastruktur und werden allen Haushalten hohe Übertragungsraten anbieten können. Von unseren bisherigen Kunden setzt bisher nur ein Prozent auf die ganz schnelle – aber teuereren – Übertragungsraten.

Ansgar Gmür: Das ist das erste Mal, dass die zahlenden Gäste auch eingeladen sind! Heute sind 62% der Mehrfamilienhäuser in privaten Händen. Wir Hauseigentümer haben Forderungen: Wir sind durchaus dafür, die Häuser mit vier Fasern zu erschliessen. Aber, Sie als Anbieter müssen die Technologie unseren Mitgliedern besser erklären. Die sind mit dieser Thematik überfordert. Die Kosten für den Bau und Rückbau ist Sache der Netzanbieter. Wir haben jetzt eine Kröte geschluckt; die Verträge über zwanzig Jahre.

Fredy Brunner: Wir haben in St. Gallen drei Ansätze gehabt: Kommunikation wird zum Grundbedürfnis, wir wollen uns aber nicht fremdbestimmen lassen. Deshalb haben wir schon früh selber investiert. Wenn wir ein eigenes Netz bauen (das tun wir jetzt, in Absprache mit den Anbietern), dann wollen wir die Vollabdeckung. Rasch, günstig, nicht diskriminierend. Das Netz muss sich selber tragen. Dafür gibt es einen Businessplan über dreissig Jahre.

Ruedi Noser: So wie diese Diskussion läuft, funktioniert die Schweiz. Wenn diese Netze gebaut sind wird es schnell so weit kommen, dass ein Anbieter das Management für die Netze in der Schweiz übernimmt. Es geht irgendwann nicht zuletzt darum, gegenüber ausländischen Konkurrenten zu bestehen

Martin Dumermuth: Der runde Tisch hat einen erheblichen Fortschritt in Richtung Wettbewerb gebracht. Die Thematik ist komplex, die Forderungen kommen aus vielen Richtungen. In Europa wird diskutiert «wie bringen wir unsere Akteure dazu, in Glasfasernetz zu investieren?», in der Schweiz ist die Bereitschaft dazu gross. Regulieren heisst nicht, den Infrastruktur-Wettbewerb zu blockieren, wir wollen den Entwicklungskorridor offen halten. Den haben wir heute offen und er zeigt in die richtige Richtung. Aber selbst mit dem Vier-Phasen-Modell ist nicht garantiert, dass der Wettbewerb spielt. Dafür braucht es allenfalls Auffangnetze. Es ist auch denkbar, dass der Wettbewerb in einzelnen Regionen funktioniert, in anderen aber nicht. Dann stellt sich die Frage der Grundversorgung. Der Wachstumsprozess beginnt in den städtischen Agglomerationen, entwickelt sich dann in die ländlichen Regionen. Das wird mehr Zeit brauche als sich viele heute vorstellen.

Kommentar: Die Politik will, dass alle Anbieter über gleich lange Spiesse verfügen. Logisch, dass die Unternehmer das anders sehen. Ruedi Noser: «Wenn ich als Unternehmer so etwas höre, werde ich ganz kribbelig. Gleich lange Spiesse bedeutet das Ende jeden Wettbewerbs.» Carsten Schloter: «Der Wettbewerb sollte auch zwischen den Regionen spielen, das schafft zusätzliche Dynamik.»

Kaffeepause …

20.10.2009 by

Kurz währende Lounge-Atmosphäre im Kongresshaus. Die comdays-Gäste geniessen die Kaffeepause. In wenigen Minuten folgt ein Panel mit viel Telco-Prominenz. Bis gleich …

The future is mobile. Der Festnetzanbieter meint: Kunden wollen wählen

20.10.2009 by

Eric Tveter

Eric Tveter

Eric Tveter, Managing Director Cablecom

Medienkonsum im Wandel, ja. Aber nur noch Mobile? „Dann hätten wir“, so der neue „Mister Cablecom“, „ein Problem“. Er verweist darauf, dass Kunden je länger je mehr die Wählbarkeit forderten, Ort und Zeit des Kommunizierens selbst bestimmen wollten. „Wir müssen beide Nutzer bedienen. Jenen Nutzer, der ein Fussballspiel auf dem Handy und jenen, der es auf dem HDTV-Bildschirm anschauen möchte.“ Kunden werden mobiler. Angebote müssten es auch werden. Das heisst: Sie müssen verschiedene Technologien, nahtlos verfügbar an verschiedenen Orten bereitstellen. Verkabelt wie drahtlos. Information, Unterhaltung, Kommunikation. Jederzeit und überall. Der Kunde wolle Flexibilität, Zugänglichkeit, Wahlfreiheit und Dienstleistung/Service. Letzteres sei bei Cablecom ein Bereich, „um den wir uns noch kümmern müssen. Wir tun dies bereits und wollen der beste Dienstleistungsanbieter der Schweiz werden.“ Eine Botschaft, die Cablecom-Kunden aufmerksam entgegennehmen werden.

„Die beste Garantie für die freie Wahl war schon immer der Wettbewerb“, ist Tveter überzeugt. Gemeint ist: Der Wettbewerb zwischen Mobile und Festnetz und jene der Technologien. Über eine Milliarde Franken habe Cablecom in den vergangenen Jahren in Infrastruktur investiert und damit bahnbrechende Technologien, wie die Glasfaser-Technologie, eingeführt.

Gefahren nicht unterschätzen

20.10.2009 by
Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Jean-Pierre Hubaux

Professor EPFL und Mitglied ComCom, Lausanne

Moderne Technologien verschaffen uns immer neue Möglichkeiten, bergen aber auch immer mehr Risiken. Der Kampf um Datensicherheit, den Schutz der Privatsphäre wird ein schwieriger: «Ich fürchte, wir könnten ihn gar verlieren.» Pessimistisch sei er, so Professor Hubaux.

Medizinische Implantate beispielsweise sind oft über Funk gesteuert. Die Schnittstelle dafür ist aber nicht sehr sicher. Sie kann manipuliert werden. Das ist schwierig, aber möglich. Vorgekommen ist das zum Glück bisher noch nie.

Malware wird über Hosts platziert. Botnets können Access Points angreifen. Wenn ein Botmaster genügend Hosts unter Kontrolle kriegt, kann er grossen Schaden anrichten, Benutzernamen, Passworte, Kreditkarten-Nummern abrufen.

Als Nutzer sind wir bereit, sehr viele Informationen preiszugeben. Die grosse Herausforderung bestehe darin, zu vermeiden, dass dass Computerwesen zum Albtraum wird. So wird es immer wichtiger, dass Dritte (als mögliche Angreifer) den Standort von Personen nicht bestimmen können. Funktionen dafür existieren, sind aber noch nicht sehr verbreitet.

Datenfunknetze bieten wenig Datensicherheit. Die Entwicklung der Technologien verläuft stets schneller als dass wir fähig sind, Schutz zu entwickeln, zu testen und anzuwenden. Datensicherheit wird für Anbieter in Zukunft wichtiger werden. Für Konsumenten wird sie zunehmend zu einem entscheidenden Auswahlkriterium. In der Forschung, in der Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Hochschulen liegt viel Potential, so Hubaux. In der Schweiz wird dieses noch fast nicht genutzt. Die Branche wird gut daran tun, ihre Anstrengungen zu Gunsten der Sicherheit zu intensivieren.

Weiter nach dem Lunch

20.10.2009 by

Die Besucherinnen und Besucher im gut gefüllten Kongresshaus sind wieder versammelt. Weiter geht’s zum Thema „Die Zukunft ist mobil – ist sie das wirklich?“

Handy-Markt Schweiz – Undurchsichtig und viel zu teuer

20.10.2009 by
Monika Dusong

Monika Dusong

Monika Dusong, Présidente de la Fédération romande des consommateurs, FRC

Die Präsidentin der welschen Konsumentenorganisation weiss: Für Kundenbindung müssen Telco-Anbieter in der Schweiz wahrlich kein Vermögen budgetieren. Schweizer Nutzer sind treu, vergleichen wenig, schauen kaum ihre Handy-Rechnung an und legen sich selten für ihre Tarifoptimierungen ins Zeug. Ökologische Handy-Nutzung sei kaum ein Thema. Immer das neueste Handy müsse es sein. I-Phones verzeichnen doppelt so hohe Absätze wie in vergleichbaren Märkten. Warum aber sind Schweizer Handy-Nutzer so „pflegeleicht“? Mag sein, dass es den Schweizern immer noch zu gut gehe, aber: es fehle eben auch am politischen Willen, endlich zu Gunsten der Konsumenten durchzugreifen. Die Lobby der Industrie, so Dusong, sei eben noch immer markant wirksamer als jene der Handy-Kunden. Daran will ihre Organisation etwas ändern. Die Probleme: Der Wettbewerb spiele nicht frei, Handy-Tarife seien ein einziger komplexer, undurchdringlicher Dschungel. Ein Dorn im Auge der Konsumentenschützerin sind vor allem die Verträge. Ein- oder zwei-jährige Laufzeiten mit automatischer Verlängerung lägen jenseits des internationalen Marktes, der längst wochen- oder tage-weise Kündigungsfristen kennt. Hinter der mangelnden Transparenz stecke System. So bliebe die Forderung nach klaren Angaben der Kündigungsfristen auf den Handy-Rechnungen seit Jahren bei den drei Markt-Playern ungehört. Irrwitzige Probleme mit der Informatik würden als Gründe geltend gemacht. „Nutzer müssen Buch über Ihre Verträge führen – das kann nicht sein und ist missbräuchlich“. Kein Wunder, blieben so die Marktanteile stabil. Die teure Insel Schweiz. Das heisst: Hierzulande zahlt der Handy-Nutzer beachtliche 57% mehr als im europäischen Durchschnitt. Ein Runder Tisch mit den drei Anbietern Swisscom, Orange und Sunrise endete laut Monika Dusong jeweils in einer Farce: „Die mögen sich nicht und sprechen nicht miteinander.“ Bleibt also politischer Druck und an diesem soll auch künftig gearbeitet werden. Die Faust im Sack der Konsumenten – das wolle man nicht weiter hinnehmen.

Leiten wir die nächste Wachstumsphase ein?

20.10.2009 by
Olav Swantee

Olav Swantee

Olav Swanee

Senior Executive Vice President Orange, Europe, Egypt & Personal

Die heutige Wirtschaftssituation erinnere an die Dreissiger Jahre, so Swantee. An ein Jahrzehnt mit enormer Kreativität. Unter anderem wurde damals die Walt Disney Company gegründet. Warum nicht jetzt die nächste Wachstumsphase einläuten?

Die Zeichen dafür stehen gut. Wenn es die Anbieter verstünden, das richtige Umfeld zu schaffen. Datentransfers werden enorm zunehmen. Dies hätten die Erfahrungen mit iPhone gezeigt, wo sehr wenige Nutzer sehr viel mehr Daten verschoben als alle anderen Nutzer zusammengezählt. Diesem Trend werde die Masse folgen.

Voraussetzungen dafür sei, dass Internet-Anwendungen persönlich und damit für jeden Nutzer relevant würden. So, dass sie bald fest ins Leben jedes Nutzers gehören. Dafür müssen sie einfach und verständlich aufgebaut sein, die Kapazitäten der Netze sind dafür zu erweitern, die Geräte müssen günstiger werden und die Preismodelle innovativ ausgestaltet sein.

Smart Phones würden schon sehr bald sehr viel günstiger, prophezeit Swantee. Der Breitbandstandard LTE werde ein wichtiger Bestandteil künftiger Netze sein. «Datenwachstum ist gegen Rezession resistent», gerade in Ländern mit tiefem BIP seien die Zuwachsraten im Datenverkehr deutlich überproportional. So zum Beispiel ihn Moldawien. Orange wird dort neue High-Definition-Voice-Dienste austesten.

Für die Branche werde Nachhaltigkeit wichtiger. Orange müsse fünfzehn Prozent aller neuen Geräte zurücknehmen. Dies wegen Defekten oder Softwaremängeln. Diese Quote sei deutlich zu hoch. So wie auch der Energieverbrauch insgesamt. So sei eine einzige Google-Suche gleich energieintensiv wie wenn eine Glühbirne während fünfzehn Minuten brennt. In Europa werden zudem jährlich 185 Millionen Ladegeräte verkauft. Eine Zahl, die unnötig hoch ist. Ein einheitlicher Standard für alle Hersteller müsse hier das Ziel sein.

Auf die Frage der Moderatorin Christine Maier, was dran sei an den Gerüchten, dass Orange Schweiz Sunrise übernehmen wolle, antwortet Swantee: «Wir sind im Gespräch. Es geht dabei um verstärkte Zusammenarbeit, nicht um eine Übernahme.»

Die Schweiz – ein schwieriger Markt für private Investoren

20.10.2009 by
Vagn Soerensen

Vagn Soerensen

Vagn Sørensen, Chairman of the Board of Directors of TDC A/S

„Wir machen uns Sorgen in Bezug auf die Einführung neuer Technologien in der Schweiz – ein Markt der zunehmend weniger attraktiv wird, für uns als privaten Investor.“ TDC ist mit der Marke Sunrise in der Schweiz tätig – ein Markt, der dem Chairman wenig Freude bereitet. Die anhaltende Dominanz der Ex-Monopolistin Swisscom (ca. 60% Marktanteil gegenüber je ca. 20% von Orange und Sunrise) sei dabei wesentlich. Eine vergleichbare Asymmetrie des Marktes – der Vorsprung der Swisscom sei uneinholbar – gebe es sonst nur in Tschechien. Sorensen fordert gleich lange Spiesse. Sunrise und Orange müssten weiterhin massiv höhere Kosten, vor allem im Bereich der Initialkosten, tragen. Kosten, die so nicht zu rechtfertigen seien. Hier führt der TDC-Chairman die sinnlose Duplizität der Basisinfrastruktur – vor allem im Festnetz – an. Gerne würde man in den Technologie- und Dienste-Wettbewerb investieren, statt in noch mehr Kabel und Schächte. Immerhin: Hoffnung auf gleiche Chancen bestehe bei der Glasfaser-Technologie. Für Sorensen ist klar: Es braucht mehr Investitionen in Elektronik statt in Beton, Basisinfrastruktur muss künftig mehrfach genutzt werden. Nur so erreichen die exorbitant hohen Telekommunikations-Preise in der Schweiz zu Gunsten der Nutzer ein attraktives Level. Das belebe den Markt und fördere auch künftig private Investitionen. Investitionen wie jene der TDC.

Mobile Breitbanddienste: Reicht das Spektrum?

20.10.2009 by
Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Torbjörn Nilsson

Senior Advisor to the CEO & Group Ericsson, Stockholm

Dienste, die noch vor wenigen Jahren völlig unbekannt waren, sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Wir wollen mehr Daten schneller versenden und empfangen. TV und Video-Contents werden in immer mehr Diensten angeboten, entsprechend wachsen die Datenmengen. In ein paar Jahren werden 90% der Datentransfers auf TV/Video-Dienste fallen.

Der Online-Lifestyle wird von der Digitalisierung der Welt getrieben. Die Zukunft gehört dem mobilen Breitband. Breitbanddienste werden zum Rückgrat einer starken Wirtschaft. Das digitale Gefälle damit markant verringert werden.  Die Entwicklung neuer Breitbandnormen wie HSPA+ und LTE schreitet schnell voran. Wichtig für die Verbreitung dieser Normen ist, dass sie von verschiedenen Anbietern angeboten werden. Die Datenübertragung wird schneller, die Anwendungen werden zahlreicher. Vor allem für ländliche Regionen ist mobiles Breitband interessant. Die Abdeckung (HSPA+) beträgt in Australien bereits 99 Prozent.

Die Verschiebung der Anteile von fixem DSL auf mobile HSPA-Breitbanddienste ist nicht ohne Problematik. Sollen sämtliche Dienste über mobile abgewickelt werden, reicht das Spektrum nicht aus. Bereits im nächsten Jahr dürfte über die Hälte aller Daten mobil transferiert werden. Diese Prognosen treffen vermutlich nicht auf Europa zu, weltweit aber dürfte sie eintreffen.

Um die nötige Balance zu halten wird es auch in Zukunft darum gehen, die Bedürfnisse der Konsumenten, die Architektur der Netze und die steigende Nachfrage in neuen Märkten in Einklang zu bringen.

Das Mobile als goldene Brücke über den digitalen Graben

20.10.2009 by
Guruduth Banavar

Guruduth Banavar

Guruduth Banavar, IBM Indien – Director IBM India Research Laboratory and Chief Technologist IBM India / South Asia

Telekommunikation in Indien ist anders. Sehr anders. Guruduth Banavar portraitiert zunächst das Marktumfeld, das jeden westlichen Anbieter neidisch machen muss. Indien ist nicht nur der grösste Mobile-Markt weltweit. Eine neue Mittelklasse treibt die Wirtschaft an und beschert indischen Anbietern derzeit einen Gesamtzuwachs von sage und schreibe 68%. Zu den derzeit 450 Mio. Handybesitzern kommen monatlich stolze 10 Mio. hinzu. Es laufe also – Wirtschaftskrise hin oder her – immer noch sehr gut. Einer der bedeutenden Player im gut funktionierenden Zusammenspiel internationaler Anbieter ist hierbei sei Vodaphone. Was sind die Besonderheiten des indischen Telco-Marktes? Während die städtischen Regionen ähnlich entwickelt sind, wie in westlichen Ländern, befindet sich der eigentliche Wachstumsmarkt in den ländlichen Regionen. Regionen die kulturell so verschieden seien wie Europa, natürlich auch sprachlich. Hier ist das Internet kein Thema. Soziale Verhältnisse und mangelnde Bildung – auch Analphabetismus – sind die Gründe. Hier setzt ein wichtiges Projekt in den IBM-Forschungslabors, die sich mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen des indischen Marktes auseinandersetzt, an. Das so genannte Spoken Web ist dabei, die digitale Kluft zu überwinden und den Zugang zu Wissen für immer mehr Menschen zu ermöglichen. Kein PC, kein Blackberry oder Smartphone ist gefragt. Viel mehr ein einfaches Handy, meist mit Prepaid Card. So sieht er – vor allem in ländlichen Gebieten – aus, der indische Markt. Sprechen und hören anstelle von schreiben: Voicesides machen dies möglich. Sie überwinden Bildungsdefizite oder Kommunikations-Hindernisse aufgrund sozialer Hintergründe. Voicesides, das heisst: kaufen, sich informieren, werben, suchen, finden, kurz: Soziales, wirtschaftliches und auch politisches Kommunizieren per Handy. Und: Gehörter Zugang zu Wissen. Auch fernab von Delhi ist per Spoken Web via Mobile alles das möglich, was im WWW möglich ist.

Voting/Fragen an Referenten

20.10.2009 by

Stellen Sie unseren Referenten Fragen:

http://voting.comdays.mobi/de

(Mobiler Blog Comdays)

„Da sitzen wir also und schauen auf die Krise“

20.10.2009 by
Joschka Fischer

Joschka Fischer

Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister, heute Unternehmensberater, u.a. bei BMW als Berater für nachhaltige Produktentwicklung.

Fischer macht die Rahmenbedingungen des Kongresses gleich zu Anfang klar. Die Mobilfunkindustrie ist jung und zählt zu den wichtigsten weltweit mit unvergleichlichen Umsatzzuwächsen. Allein die Europäische Union zählt mehr mobile Anschlüsse als Einwohner (Fischer selbst bezeichnet sich auf Anfrage der Moderatorin als „Apple-Typ“). Im Zentrum des Referats aber steht die Dynamik der globalen Entwicklung. So wirft Fischer einen Blick auf die künftige Population. Was treibt in Zukunft diese neun Milliarden Menschen an? Für Fischer ist ebenso klar wie moralisch berechtigt: Alle wollen künftig den westlichen Lebensstandard. Wie aber soll das gehen? Natürlich braucht es eine reduzierte Lebensweise aller – völlig klar. Notwendig sei vor allem ein neues Mobilitätsverhalten, neue Lösungen für die Deckung einer gigantischen Energie-Nachfrage, insbesondere in den Schwellenländern – allen voran China und Indien. Deren Heimatmarkt wird bekanntlich zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Grösse. Wenig Freude hat Fischer an der derzeitigen Haltung Europas. Trotz hervorragender Ausgangsposition betrachte man die Dynamik der Schwellenländer aus der europäischen Defensivperspektive. „Unser Problem ist unsere Geisteshaltung, nach dem Motto: Da sitzen wir also und schauen auf die Krise.“ Welche Weichen sind zu stellen? Die Bereitstellung preiswerter Energie sei wesentlich. Falsch hingegen seien Preissignale, die Energie zu Schleuderpreisen bereitstellten, wie in der Reagan-Ära in den USA geschehen. „Wir sind gewöhnt, Energie – vor allem wenn billig – zu verschwenden. Das wird künftig nicht mehr funktionieren“.

Mit Blick auf Deutschland verweist der ehemalige Grüne Aussenminister auf beachtliche Erfolge im Bereich der erneuerbaren Energien. “ Selbst in meinen grünsten Träumen, hätte ich nicht erwartet, dass wir so schnell so grosse Erfolge haben würden.“ Diese Wettbewerbsvorteile dürfe man nun in der neuen Regierungskoalition nicht aufgeben. Aber eben: Alle internationalen Entwicklungen fänden nicht im machtfreien Raum statt. Ganz im Gegenteil. Das wisse man auch in China und anderen aufstrebenden Schwellenländern. Hier spiele die Nachfragemacht  eine bedeutende Rolle. „Im 21. Jahrhundert wird der Wettbewerb für uns sehr viel härter.“ Nicht nur die Schweiz werde für diesen Wettbewerb künftig zu klein. Auch Deutschland oder Frankreich. Darum ist für Fischer klar: „Da, wo es um einen gemeinsamen Markt geht, müssen wir zusammen handeln.“  

Und eine andere interessante Frage wirft Fischer auf. Sollte man es privaten Unternehmen überlassen, die globale Kommunikationsindustrie zu steuern? Könnte globales Wissen vielleicht durch eine „globale Agentur“ besser definiert und gesteuert werden? Hierüber erwartet Fischer eine baldige, rege Diskussion. Ausgelöst durch – wen sonst – Google.  

„Ängste sollten wir hinter uns lassen, den Blick auf die Chancen richten.“ Nie, so Fischer sei die Freiheit zum Handeln so gross gewesen. Inder, Chinesen seien im Kommen. So weit so legitim. Aber die europäischen Ländern besässen einen beträchtlichen Vorsprung. Eine Spitzenposition, die es selbstbewusst und angstfrei zu verteidigen gelte. Vorne bleiben heisse: Besser Up-to-Tomorrow als Up-to-Date.

Frequenzen technologieneutral vergeben

20.10.2009 by
Matthias Kurth

Matthias Kurth

Matthias Kurth

Präsident Bundesnetzagentur und Präsident European Regulatory Group, IRG, Bonn

Als Regulierer will Kurth den Nutzern möglichst viele Auswahlmöglichkeiten für möglichst viele Dienste verschaffen. Die Vergabe von Frequenzen soll deshalb nicht mehr an eine bestimmte Technik oder an bestimmte Dienste gebunden werden. Die Übertragungsdienste wachsen zunehmend zusammen. Übertragungsdienste, verschiedene Dienste und  Technologien konvergieren dabei in einem Gerät. Den dynamischen Wandel in dieser Industrie wolle der Regulierer nicht verhindern, sondern bewusst  – zum Komfort der Nutzer – fördern.

Frequenzen würden zur knappen Ressourcen. Entsprechend wichtig sei, dass die vorhandenen Frequenzen auch tatsächlich genutzt werden. Dafür darf durchaus der Markt spielen. Lieber ist ihm, wenn mit Frequenzen gehandelt wird, als wenn sie ungenutzt bleiben. Er wolle künftig keine eingezäunten Gärten (Walled Gardens) mehr. Der Kunde, der Nutzer soll sich möglichst frei bewegen können.

Als Regulierer hat er das Ziel, dem Kunden möglichst viel Transparenz zu verschaffen. Den «Billing Shock» gelte es zu eliminieren. Es dürfe nicht sein, dass der Kunde ab seiner Rechnung erschrickt, nur weil er seinen Fuss über eine politische Grenze gesetzt hat – und sich  nicht bewusst ist, dass die von ihm beanspruchten Dienste ab diesem Moment exorbitant teurer sind.