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Das waren die Comdays 2008

22.10.2008

Liebe Blog-Lesende

Die Comdays 2008 sind soeben zu Ende gegangen. Über 700 Besucherinnen und Besucher haben sich zwei Tage lang hier in Biel über Trends in der Kommunikation informiert. Wie haben Sie die Comdays erlebt? Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu den Referaten? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.

Im Namen der Comdays verabschieden wir uns hiermit von Ihnen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und bis nächstes Jahr!

Ihre Blog-Autoren

Sabine Ingwersen
Stefan Scherrer

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Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil II)

22.10.2008

Haben wir nicht sogar zu viele Lokalradios? Besteht nicht die Gefahr des «more of the same?»

Dumermuth: Die Diskussion ist alt. Die Frage muss politisch beantwortet werden. Unser Land ist klein strukturiert und die Radios bilden das ab.

Schawinski: Als die SRG gemerkt hat, dass wir doch nicht so dilettantisch agieren, hat man uns kopiert und DRS3 lanciert. Die Privatradios haben aber etwas bewegt und die SRG dazu gebracht, sich zu bewegen.

Welche Räume werden wo zugeordnet?

Dumermuth: Irgendwo muss man Grenzen ziehen und darum gibt es Machtkämpfe, das ist normal. Diese Streitereien gehören zum Spiel, das bringt uns nicht aus der Ruhe. Die Prozesse laufen mit Konsultationen ab. So wie die Räume jetzt eingeteilt sind, ist es in Ordnung.

Schawinksi: Die Radiolandschaft ist so gestaltet, dass es die Privatradios immer schwerer haben. Jetzt geht es um die letzte Chance, das duale System vorteilhaft zu gestalten. Wir sind zuversichtlich und hoffen, einen Schritt vorwärts machen zu können.

Wurden die SRG-Programme zu Lasten der privaten gestärkt?

Dumermuth: Die Privaten haben auch Fehler gemacht. Es ist zu einfach zu sagen, die SRG habe die besseren gesetzlichen Grundlagen zugeschanzt erhalten.

Schawinski: Jetzt kann man die Fehlentwicklung korrigieren! Das ist jetzt eine grosse Entscheidung. Hat das BAKOM den Mut, den Verlegern Einhalt zu bieten? Wertet man die Qualität, die Arten- und Meinungsvielfalt oder stützt man die Grossen?

Dumermuth: Die Regeln sind klar. Wir haben Gebietsmonopole, das stimmt. Medienkonzentration ist etwas ambivalentes, gerade in kleinen Regionen.

Bachmann: Ich habe mich zwanzig Jahre dafür eingesetzt, dass Medienprofis Medien gestalten. Medienkonglomerate waren in den 90er Jahren nicht so verpönt wie jetzt. Man wollte Synergien. Für die Medienmonopol-Diskussionen habe ich eher wenig Verständnis. Ausbildung, Weiterbildung, Personalpflege, da haben doch grosse Häuser einfach bessere Möglichkeiten anzubieten.

Heuberger: Im publizistischen Alltagsgeschäft kann ein verlegergestütztes Radio das gleiche Programm machen wie ein unabhängiges. In gewissen strategischen Entscheidungen sieht das aber anders aus. Da werden gewisse Leute nicht in Sendungen eingeladen, Stellungsnahmen totgeschwiegen etc.. Deshalb ist Medienkonzentration in der Publizistik ein grosses Thema.

Schawinski: Ich wünsche mir, dass die Entscheider auch anschauen, wer die Gesuche einreicht. Sind das Menschen, die ihre Versprechungen in der Vergangenheit gehalten haben? Wenn man eine Haltung einnimmt die lautet: diesem Verleger kann ich nicht auf die Füsse treten, sonst tritt der mich zurück – das wäre fatal.

Dumermuth: Wir hatten vor zehn Jahren den Mut, Sie gegen uns aufzubringen. Wir werden auch heute den Mut haben, einzelne gegen uns aufzubringen!

Wie viele Hörer eine Station heute hat, ist für die Konzessionierung übrigens nicht entscheidend.

Schawinski: Ich will eines noch festhalte. Was wir brauchen, ist nicht Geld sondern Goodwill. Ich wünsche mir das Ende unserer Position als Bittsteller.

 

Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil I)

22.10.2008


Moderation:
Hans Peter Trütsch, Leiter Bundeshausredaktion, Schweizer Fernsehen

Teilnehmer:
Roger Schawinski, Medienunternehmer
Günter Heuberger, GF Top Medien, Winterthur
Martin Dumermuth, Direktor BAKOM
Jürg Bachmann, Präsident VSP, Verband Schweizer Privatradios

Die Konzessionsentscheide sind leider noch nicht gefallen. Wann bringt Ihr endlich diesen Entscheid?
Dumermuth:
Noch vor der Wintersession (ab 1. Dez.).

Weshalb brauche Sie so lange?
Dumermuth:
  Wir arbeiten nicht langsam. Die erste Tranche der Entscheide wurde vor den Sommerferien gefällt. Es wäre ein Fehler, sich zu stark unter Druck setzen zu lassen. Wir wollen keine Fehler machen. Mit diesen Entscheiden müssen wir die nächsten zehn Jahre leben können.

Bachmann: Für uns macht jeder Tag, den wir warten müssen, die Situation komplizierter. Wir müssen unseren Kunden sagen können: Es gibt uns nächstes Jahr noch. Bitte sorgen Sie, Herr Dumermuth dafür, dass diese Konzessionen so schnell wie möglich gesprochen werden.

Heuberger: Das ist das siebte Konzessionsverfahren, das ich durchmache. Da gab es immer wieder Verzögerungen. Wichtig ist, dass die Entscheide, wenn sie kommen, juristisch gut begründet sind. Die Diskussion wurde in der Bevölkerung ganz falsch geführt. In keiner Zeitung wurden die Ausschreibungskriterien genannt. Ich habe starke Vermutungen, wer die Konzessionen erhält. Es werden diejenigen sein, die die Auflagen am besten erfüllen.

Weshalb wollen Sie es mit Radio 1 im Alter von 63 nochmals wissen?

Schawinski: Dass ein SRG-Vertreter diese Frage stellt, ist typisch. Für einen Unternehmer ist das doch klar. Ich finde es unerhört, dass es sich die Vertreter mächtiger Verlagshäuser, Herr Kall (Tamedia) und Herr Wanner (AZ Medien) leisten, heute nun doch nicht hierher zu kommen. Das zeigt eine gewisse Mentalität.
Ich möchte noch einmal einen Beitrag zur Qualität in der Radiolandschaft leisten. Der Konzessionsentscheid würde vor dem ersten Schnee fallen, wurde mir beschieden. Aber nicht, wo dieser Schnee fallen muss . . .

Woher Ihr Elan? Schawinski: Meine Liebe zum Radio treibt mich. Fernsehen ist das Medium des Geldes, bei Sat 1 habe ich da in der Champions League gespielt. Radio ist kreativer, da ist man freier, da kann man mehr bewegen.

Ihre Motivation, Herr Heuberger?
Schawinski: Dass er mit Radio Geld verdienen will, kann man ihm sicher nicht vorwerfen.
Heuberger: Mache ich auch nicht, wir verdienen damit kein Geld, wir arbeiten ausgeglichen. Das Radio verliert angeblich medienpolitisch an Bedeutung. Das ist falsch – und es ist schade. Geiles Medium, würde Roger wohl dazu sagen . . .
Schawinski: Genau!
Heuberger: Alles was ich gemacht habe, alles was ich gelernt habe, setze ich ein, um wieder etwas zurückzugeben.
Ist Geld die hauptsächliche Triebfeder Ihrer Mitglieder?
Bachmann: Die Motivation Radio zu machen, ist das Radiomachen per se. Das Medium ist direkt, unmittelbar, das hat eine ganz eigene Faszination. Und man kann damit etwas bewirken. Dass die Privatradios Einnahmen generieren müssen, ist Fakt. Das ist Teil eines qualitativ hochstehenden Radios.

Strategische Ausrichtung des Schweizer Fernsehens

22.10.2008

Ingrid Deltenre, Direktorin Schweizer Fernsehen, SF, Zürich

 

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre weiss um die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Menschen und rüttelt das Publikum mit einem schnell geschnittenen Video und harten Gitarren von Nickelback.

SF beobachtet eine epochale Veränderung in der Nutzung der Medien. Die Strategie muss deshalb in kurzen Abständen immer wieder überdacht werden.

Trends:

TV wird zum Kinoerlebnis (HD suisse, besseres bild, besserer Ton). SF war hier europaweit Vorreiter. Bis 2012 werden alle SRG-Sender vollständig auf HD umgestellt.

TV wird durch Intternet individualisierter. Das Publikum wird Video on Demand nutzen. Jüngere wollen passiv geniessen, aber auch spielen, kreieren, chatten und daten. Sie suchen emotionale Erlebnisse. Sie schauen etwas weniger fern, verweilen aber länger im Internet.

Video on Demand nimmt zu. Die Flexibilität und Auswahl steigen, technisch wird vieles einfacher, attraktive Programme werden kostenlos angeboten.

TV wird mobil. Dank gemeinsamen, offenen Standards und sehr niedrigem Preis wird dieser Trend nachhaltig sein. Der Erfolg mobilen Fernsehens hängt noch von Faktoren ab, die SF als Sender nicht beeinflussen kann (z.B. Endgeräte).

SF: Wie geht es weiter?

Für ältere Zuschauer wird fernsehen immer komplizierter. Für die Entwicklung bis ins Jahr 2016 sieht Deltenre zwei Treiber: den technischen Wandel und die Mediennutzung. SF glaubt an eine digitale Konsolidierung. Bestehende Technologien werden ausgereift sein, HDTV und VoD erreichen den Massenmarkt, alle Haushalte haben einen Breitbandanschluss. Die Bereitschaft, für VoD zu bezahlen, ist nicht zu erwarten.

Prognosen: Der tägliche TV-Konsum wird konstant bleiben. Der wesentliche Übertragungsweg bleibt das Kabel. Der Anteil nichtlinearer Nutzung dürfte auf ungefähr 30% anwachsen.

Strategie: TV bleibt die wichtigste Plattform der SF-Programme. SF investiert prioriär in das Programm, erarbeitet aber eine Multiplattform-Strategie. Der Sender fördert die vrossmediale Produktion und Diversifizierung der Marken. Das Fernsehen ist die Lokomotive für die publizistischen Angebote auf den neujen Plattformen.

Das Internet nutzt SF gezielt, um jüngere Nutzer anzusprechen, schöpft die Möglichkeiten des Internet besser aus. SF entwickelt sich vom Broadcaster zum Kommunikator.

Multiplattform, Stichworte

Multiplizieren: DVD, Podcast, Archiv, Streaming, Catch up TV, Media Center, YouTube, iTunes, Zattoo/Karimbo

Diversifizieren: Tagesschau 100 Sekunden, Music Star, Kassensturz, Puls, etc., Labels im Internet weiterführen, ergänzen mit nutzbringenden Informationen und Services.

Kreieren: Ski Challenge, myStage, etc. Eigenständige Inhalte, die im Internet starten und zu Bestandteilen von Sendungen werden (können). Es reicht nicht mehr, alleine über Sendungen nachzudenken. Wir müssen überlegen, welche Marken diversifiziert werden und zusätzliche Inhalte bieten.

Die publizistische Ausrichtung zielt auf mehr Qualität und Tiefgang sowie höhere Relevanz.

News-Contents sind weiterhin die Flaggschiffe des ORF

22.10.2008

 

Elmar Oberhauser, Informationsdirektor ORF, Wien

„Ich bin 62.“ Anders als sein Vorredner steht Elmar Oberhauser zu seinem Alter. Aber das ist nur wenig wichtig. Wichtiger ist: Der ORF ist rechtlich eine Stiftung und hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Dieser Auftrag ist höchst politisch und viele reden mit. So viel nimmt der ORF-Informationschef vorweg. Schamlos und unanständig seien in den letzten Jahrzehnten die häufigen Versuche seitens der Politik gewesen, Einfluss beim ORF zu nehmen. „Ohne Erfolg“, sagt Elmar Oberholzer nicht ohne Stolz „darum liessen die Versuche mit der Zeit nach.“

Derzeit heisst die Devise beim ORF (TV & Radio) Sparen, denn die Einnahme-Seite macht Sorgen. Ein Spardruck mit qualitativen Folgen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass eine saubere, unabhängige Information das Kernstück eines öffentlich-rechtlichen Senders ist. Das ORF-Flaggschiff Zeit im Bild (ZIB) verfügt über einen beachtlichen Marktanteil von über 50%. Neue News-Formate sind ZIB 20 und ZIB 24 – in frecherem Stil und für junge Zuschauer.

Das unlösbare Problem beim ORF sei die Konkurrenz des deutschen TV-Markts, der inzwischen mit über 80% Reichweite in Österreich empfangbar ist. Ganze neun österreichische Werbefenster deutscher Kanäle machen der Einnahme-Seite des ORF zu schaffen.

„Wir beim ORF setzen auf normales Fernsehen, pflegen aber auch die neuen Technologien „ erklärt Elmar Oberhauser. Und derzeit sieht es sehr gut aus. Der ORF-Marktanteil steht bei 42,2%. „Aber der Wind, der uns um die Ohren bläst, ist rauer geworden.“

 

Der Weg der BBC weg vom Fernsehen

22.10.2008

Geoffrey Goodwin, Head of BBC Switch, London

«Celebrating British Teens». BBC switch verfolgt das Ziel, mehrere Plattformen für 12- bis 17jährige anzubieten. Junge Menschen wollen alles digital, alles mobil – das sind Mythen. Sie konsumieren immer noch ungefähr gleich viel Fernsehen, aber sie nutzen auch Internet. Interaktivität ist für sie wichtig.

Teenager benutzen ihre Handys meistens, um anzurufen und um SMS zu versenden. Fern sehen und Songs downloaden werden wenig intensiv genutzt. Das wird vielleicht noch stattfinden, ist aber heute noch nicht so bedeutend.

Jugendliche schauen nur YouTube – noch ein Mythos. Dass Jugendliche Videos hochladen stimmt zwar, aber es ist eine Minderheit. Die Nutzung ist vor allem passiv. Es ist schwierig, zu verstehen, was sie sich wünschen. BBC switch hat deshalb über 150 Jugendliche in ihrem täglichen Leben begleitet. Wie ist das überhaupt, ein Teenager zu sein?

Wer bin ich? Das ist die zentrale Frage, die taucht immer wieder auf. Zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es gewaltige Unterschieder und Erwachsene vergessen gerne, wie diese Selbstsuche ablief. In den Medien finden sie sich falsch repräsentiert (kriminelle, schwierig, etc.). Sicher ist, dass sie sich nach oben orientieren. So interessieren sich 13-jährige für Formate, die sich an 15- bis 17-jährige richten. Content muss gut sein, aber auch cool aussehen. Und: er muss britisch sein. Englische Kids können sich mit amerikanischen Inhalten schlecht identifizieren. So umfasst unsere Palette aktive wie passive Möglicheiten.

Geoffrey Goodwin: «Übrigens, kennen Sie X-Box? Beschaffen Sie sich eine X-Box! Dort werden richtig gute Geschichten erzählt».

Ist das lineare TV passé?

22.10.2008

 

Catherine Mühlemann, bis Sommer 2008 Geschäftsführerin MTV Networks Germany, Teilhaberin Andmann Media Holding GmbH, VR Swisscom AG

Catherine Mühlemann

Catherine Mühlemann

Auch für Catherine Mühlemann ist klar: Das Internet wird zum Leitmedium, insbesondere für die jungen Medienkonsumenten. Ein weiterer Trend liegt für sie im Mobile. Bereits 50% der jungen Leute suchen Content auf dem Handy.

Lineares TV wird gegenüber Non-linearem verlieren. Video On demand-Angebote und das Bedüfnis nach hoher Flexibilität sind die Gründe.

Geschäftsmodelle, so die Medienfrau, werden sich markant verändern.Sie erwartet eine Konsolidierung bei den Anbietern. Und das Konsumentenverhalten? Dieses wird sich weiter wandeln und zwar immer schneller. Einen höheren Bedarf nach Navigation und Orientierung sowie nach Konvergenz (alles auf einen Bildschirm) sieht Catherine Mühlemann für die Zukunft.

Erlösmodelle werden sich künftig in Richtung höherer Diversifikation und konsequenter Kundennähe entwickeln. Was wollen Nutzer wann und wie machen? Diese Kernfrage führen, so Catherine Mühlemann zu neuen Marketinglösungen und neuen Berufsbildern – nämlich Multimediaexperten, die ihre Kunden wirklich kennen.

Content ist the key. Qualitativ gute Inhalte sind für Catherine Mühlemann künftig mehr denn je Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wer den Konsumenten nicht versteht, wird scheitern. Exklusivität wird ebenso wertvoll wie schwierig zu bekommen sein. Mehrfach verwertbare Contents sind essentiell.

Dass der Content Brand künftig wichtiger sein wird, als der Channel Brand wird Marketing-Verantwortliche aufhorchen lassen.

Fazit: Lineares TV ist nicht tot. Aber das Konsumentenverhalten (Bedürfnis nach totaler Flexibilität in der Mediennutzung) legt nahe, dass es unter Druck kommt.

Catherine Mühlemann gibt schliesslich zwei Empfehlungen. Erstens „Watch the Youth“, denn es ist eben die junge Generation, die Neues sofort adaptiert. Und letztlich: „Be Change.“

 

Bestandteile des Kundenerlebnisses Mobile TV

22.10.2008

Jean-Paul de Weck, CEO Swisscom Broadcast AG

 

Jean-Paul de Weck

Jean-Paul de Weck

Die Kunden wollen nichts verpassen und spontan unterhalten werden. Sie wollen das sehen, was sie wollen; dort, wo sie wollen. Die Qualität muss hervorragend sein, sowohl das Bild wie auch der Ton und bei bestem Empfang ohne Unterbruch. Sie wünschen sich einen persönlichen Fernseher ohne Wohnzimmer.

Content-Angebot: Lineares TV genügt nicht. Der Kunde will dabei sein, wenn etwas passiert, insbesondere beim Sport. Entsprechend wichtig sind diese Angebote. Das Angebot des linearen TV kann mittels Made for Mobile Channels ergänzt werden.

DVB-H bringt eine hervorragende Qualität. Sie ist in vier Regionen (Genf, Bern, Basel, Zürich) flächendeckend eingeführt. Um das Produkt geniessen zu können, braucht der Konsument das richtige Handy. Hier gibt es einen Engpass. Im Moment sind gerade mal drei Geräte verfügbar, welche die richtige Technologie unterstützen.

In der Schweiz betreibt Swisscom Broadcast die DVB-H-Plattform sowie die terrestrische Versorgung. Die Mobilnetzbetreiber entwickeln Produkte und Services für die Endkunden in einem Konkurrenzumfeld und stellen an Swisscom Broadcast die entsprechenden Anforderungen. 

Stand des Mobile TV-Geschäfts bei Swisscom

Handy TV wird seit Mai 2008angeboten. Die Euro 08 war der ideale Event, um Mobile TV bei den Kunden bekannter zu machen. Die Benutzerzahlen stiegen signifikant an, verflachten dann im Sommer. Dies auch deshalb, weil bis September nur ein einziges Endgerät zur Auswahl stand.

Die Nutzung von Mobile TV hängt stark von attraktiven Live-Events ab. So hat Fabian Cancellaras Einzelzeitfahren an den Olympischen Spielen hohe Quoten gebracht. Am häufigsten genutzt wurde SF2, auch deshalb, weil der Sender sportlastig ausgerichtet ist. In der Romandie gilt das gleiche für TSR2. 

Mobile TV-Dienste auf Bais DVB-H in Europa

Mobile TV wird auf Basis DVB-H in vier Ländern Europas kommerziell angeboten. In Italien seit zwei Jahren (heute 850000 Kunden), in der Schweiz und Österreich (Telekom Austria) seit der Euro 08, in Holland seit August (KPN hat bereits 10’000 Kunden). Beobachtung: Wo das Produkt gut in andere Angebote integriert wurde, wo es als Erweiterung der bestehenden Produiktepalette angeboten wird, ist der Erfolg am grössten. In Finnland, Deutschland, Frankreich und Spanien sind Versuche am laufen.

Ausblick: DVB-H bietet weitere Ergänzungen zum Mobile TV-Erlebnis

Mobiles TV kann kann und soll mehr bieten als lineare Übertragungen. So zum Beispiel Navigationssysteme, Datacast-Services. Damit kann Video- oder Bidlmaterial zusammengesetzt und an bestimmte Gruppen, wie einen privaten Fernsehkanal, verteilt werden. Ein Pilotversuch wurde wärhend der Euro08 mit der Kapo Bern durchgeführt. In diese Richtung bieten sich zahlreiche weitere Geschäftsmöglichkeiten wie etwa Pod-Cast-Services, z.B. als Informationssysteme in Unternehmen und Institutionen (Verkehrsinfo, Werbekanäle). Das Potential wird noch nicht genutzt. Swisscom versucht hier den Markt zu stimulieren.

Vor der TV-Internet-Revolution – Connected TV

22.10.2008

Marco Wanders, Senior Director, EMEA Solutions, Microsoft Mediaroom

Marco Wanders

Marco Wanders

Bisher bestimmte der Sender unser Programm. Das wird sich in den nächsten Jahren vollkommen ändern. Und in der Schweiz, so Marco Wanders, werde es erfahrungsgemäss besonders schnell gehen.

TV ist heute normalerweise analog. Anders Connected TV. Es ist zweiwegig, interaktiv und äusserst flexibel. Unbegrenzte Kanäle werden zur Verfügung stehen. Und nicht nur die. Es wird Zugang zu allen anderen Medien aus Radio,  TV oder Internet geben. Beschränkungen gibt es höchstens seitens der Online-Medien. Video on demand: Natürlich werden wir keine Videos im Shop mehr ausleihen. Alles aus Kino und TV ist bereits da. Folglich fällt auch das Programmieren weg. Breitband-IP macht diese flexible Interaktion möglich. Software ist der Träger, denn man will schliesslich alle Geräte vernetzen – Handy, TV, PC …

Und die Werbung? Klar, man kann sie ausschalten. Werbeträger können uns aber auch eine ganz besondere Werbeerfahrung bescheren. Ganz auf unser Medienverhalten zugeschnitten, werden wir beworben. Wer oft nach London telefoniert, erhält von der Airline den besten Flugtarif als persönliche Werbung (Mining). Marco Wanders: „Aber natürlich muss man auch die Privatspäre schützen, das ist klar …“.

Zurzeit hat Mediaroom drei Millionen Set-up-Boxen in Betrieb. Dies nach drei Jahren. Die herkömmlichen Sender werden, so Wanders, nicht verschwinden. Er versteht Connected TV als eine On demand-Ergänzung. Der Fernsehbildschirm wird das entscheidende Element bleiben und wir können bleiben wo wir sind. In unserer gemütlichsten Ecke zum Fernsehen oder zum Connected TV schauen.

 

„Wir reden länger und denken kürzer“

22.10.2008

 

Karlheinz Kögel, Inhaber TMC Thomson Media Control, Baden Baden

Karl-Heinz Kögel„Das ist perfekt – das ist höchstes Niveau“ – mit diesem Lob an die Bieler Veranstalter der Comdays beginnt der Medienforscher Karlheinz Kögel sein Referat.

„Was da läuft, ist Dreck“, sagte Marcel Reich-Ranicki jüngst im Fernsehen. Was ist da dran, fragt Kögel zu Beginn, denn es stelle sich schliesslich die Frage, wie Fernsehen heute eigentlich wirke. Offenbar kann er der Aussage Reich-Ranickis einiges abgewinnen, warum sonst zitiert er gleich darauf den Bieler Literat Robert Walser, der sagte: „Die Literatur ist die Mutter unseres Denkens“.

Generell erreiche die Werbung natürlich das Publikum. Nur welches sei eben die Frage. Kögels TMC beobachtet sämtliche deutsche Medien. Bindungsmuster seien von entscheidender Bedeutung. Wirkt TV der Markenerosion entgegen? Kögel meint nein. Aber: Man muss immer mehr investieren, um eine Reaktion des Publikums zu erwirken.

In Deutschland, so Karlheinz Kögel könne man es überspitzt so sagen: Die Alten lesen weiterhin die Zeitung – die Jungen informieren sich im Internet. Die Schweiz sei bei solchen Medienkonsumtrends in der Regel Vorreiter. Und: Europa wundert sich, dass die Schweiz so erfolgreich Gratiszeitungen lanciert, während 75% derselben in Europa rot schreiben.

In Deutschland nutzen 50 Millionen Menschen täglich das Internet. Bewegte Bilder, vor allem kleine abrufbare Clips aus Unterhaltung und News haben beträchtlichen Erfolg bei den Nutzern.

Werbung im Fernsehen wird künftig, davon ist Kögel überzeugt, auch von einem Wandel des Denkens bestimmt. Stichwort Neue Moral. Die Finanzkrise habe ebenfalls einen Wertewandel zur Folge. „Wir werden schon in den nächsten Monaten sehen, was da geschieht“, und das habe Einfluss auf die Contents der Medien. Einen wichtigen Trend sieht er in der zunehmenden Unverbindlichkeit. Man lasse gern Vieles offen, rede länger und denke kürzer.

Apropos Finanzkrise: Diese habe immer eine Hebelwirkung auf den Werbemarkt, ganz besonders bei den Zeitungen. Die Verlage trifft die Finanzkrise also am härtesten. Kögel erwartet schon in den nächsten Wochen eine Konsolidierung.

Voting Nr. 4

22.10.2008

Voting 4 nimmt Bezug auf die ersten Referate des Vormittags, Mittwoch, 22. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 4:
Sehen Sie in den nächsten 1–2 Jahren einen Markt in der Schweiz für individuelle Werbung im linearen Fernsehen?

Muss man im Fernsehen noch werben?

22.10.2008

Fredy Collioud, Chairman, Publicis Gruppe Schweiz

Fredy Collioud

Fredy Collioud

Plädoyer für starke, gute Werbung am Fernsehen: Bewegte Bilder für Marken, die (sich) bewegen. Der TV-Spot ist die einzige Werbeform, welche die wichtigsten Mittel der Kommunikation, Ton und Bild kombiniert.

Es geht nicht mehr um Kontakte/Berührungspunkte, sondern darum, die Aufmerksamkeit für die Marke zu gewinnen. Aufmerksamkeit ist die Grundlage für die Vermittlung der Botschaften. Kreativität und Attraktivität sind die Herausforderung an die Kommunikation.

Beachtet werden, die Sympathien gewinnen: Starke Werbung ist wichtiger denn je. Ihr Stellenwert ist es auch. Starke Werbung löst Gefühle aus.

Der Film ist das intensivste und spannendste Werbemittel. Der Konsument taucht in eine Welt ein, am besten mit dem bewegten Bild. Nur der Film versteht es, auch auf emotionaler Ebene Einstellung und Verhalten von Menschen zu verändern. Seit wir uns (dank Google) sofort Meinungen bilden können/Produkte vergleichen können, müssen wir noch überzeugendere Bilder schaffen, noch packendere Geschichten vermitteln.

Neue Anforderungen an TV-Spots:

Form und Inhalt: vom grössten bis zum kleinsten Bildschirm (Kino bis Handy)

Rolle in der Kampagnenarchitektur: vom Haupt- zum Einstiegsmedium (Aufmerksamkeit erlangen, Interesse wecken, vorbereiten auf die umfassende Kampagne)

Interaktivität und Response: vom passiv konsumieren zum aktiv informieren

Wie nutzt der Mensch Radio und Fernsehen?

22.10.2008

Isabel Wenger, Leiterin Forschung, Mediapulse AG, Bern

Isabel Wenger

Isabel Wenger

Internet-Nutzung geht zu Lasten des Fernsehkonsums. Wer häufig im Internet unterwegs ist, schaut weniger fern. Internet-Surfen und Radiohören hingegen ergänzen sich. Web-User und Non-User konsumieren fast genau gleich viel Radio – zu den selben Zeiten

Wo, wann und wie konsumieren wir welche Medien? Isabel Wenger fasst Erkenntnisse aus der «Time Use Study» zusammen. Die Zahlen sind brandneu und werden an den Comdays erstmals vorgestellt. Die Studie misst jede Kombination von Gerät und Nutzung.

Knapp die hälfte unserer wachen Zeit werden wir von Medien begleitet. Zeit, die wir mit Medien verbringen:

44% visuelle Medien
43% Audio Medien
7% Interaktiv
6% Lesen

Die Nutzung ist für alle Altersgruppen etwa gleich hoch. Dennoch unterscheidet sich die Mediennutzung unter den Altersgruppen. So etwa hören jüngere Menschen weniger Radio, dafür mehr Audio-Konserven.

Die gesamten Ergebnisse aus der Studie erscheinen in Berichtsbänden zu ausgewählten Themen (mit CD und elektr. Tabellen). Ab Januar 2009 schaltet Mediapulse AG zudem ein Online-Abfragetool auf.

Guten Morgen und willkommen zu Tag 2 der Bieler Comdays

22.10.2008

 

Ein weiterer Kommunikations-Tag in Biel. Die comdays-Moderatorin Christine Maier (SF) begrüsst gerade die TeilnehmerInnen. Was Sie heute erwartet? Es geht um die Frage „Gibt es in Zukunft noch `normales`, lineares TV?“ und im Panel diskutieren Experten über die neue Radio- und Fernseh-Ordnung nach der Neukonzessionierung.