Communication rules the world

20.10.2009 by

Hans Stöckli, Biels Stadtpräsident und Nationalrat begrüsst die Gäste, wie es sich in Biel/Bienne gehört, mehrsprachig. Stöckli freut sich, dass die Veranstalter auch für die achte Ausgabe der Kommunikationstage ein Programm «von exzellenter Qualität» zusammengestellt haben.

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Guten Morgen und Bonjour …

20.10.2009 by

aus Biel. Das Kongresshaus füllt sich langsam. Die Besucherinnen und Besucher geniessen vor der Eröffnung noch einen Kaffee, bis Hans Stöckli, der Präsident der Stiftung Bieler Kommunikationstage die Comdays ‘09 eröffnen wird. Anschliessend folgt der erste Referent: Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister. Hier im Blog informieren wir Sie unmittelbar nach den Referaten live aus Biel. Werfen Sie einen Blick auf das interessante Programm. Wir freuen uns über Ihr Interesse. Bis später.

Comdays 2009

20.10.2009 by

Live von den Comdays Biel/Bienne berichten Sabine Ingwersen und Stefan Scherrer.

Herzlich willkommen!

Das waren die Comdays 2008

22.10.2008 by

Liebe Blog-Lesende

Die Comdays 2008 sind soeben zu Ende gegangen. Über 700 Besucherinnen und Besucher haben sich zwei Tage lang hier in Biel über Trends in der Kommunikation informiert. Wie haben Sie die Comdays erlebt? Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu den Referaten? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.

Im Namen der Comdays verabschieden wir uns hiermit von Ihnen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und bis nächstes Jahr!

Ihre Blog-Autoren

Sabine Ingwersen
Stefan Scherrer

Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil II)

22.10.2008 by

Haben wir nicht sogar zu viele Lokalradios? Besteht nicht die Gefahr des «more of the same?»

Dumermuth: Die Diskussion ist alt. Die Frage muss politisch beantwortet werden. Unser Land ist klein strukturiert und die Radios bilden das ab.

Schawinski: Als die SRG gemerkt hat, dass wir doch nicht so dilettantisch agieren, hat man uns kopiert und DRS3 lanciert. Die Privatradios haben aber etwas bewegt und die SRG dazu gebracht, sich zu bewegen.

Welche Räume werden wo zugeordnet?

Dumermuth: Irgendwo muss man Grenzen ziehen und darum gibt es Machtkämpfe, das ist normal. Diese Streitereien gehören zum Spiel, das bringt uns nicht aus der Ruhe. Die Prozesse laufen mit Konsultationen ab. So wie die Räume jetzt eingeteilt sind, ist es in Ordnung.

Schawinksi: Die Radiolandschaft ist so gestaltet, dass es die Privatradios immer schwerer haben. Jetzt geht es um die letzte Chance, das duale System vorteilhaft zu gestalten. Wir sind zuversichtlich und hoffen, einen Schritt vorwärts machen zu können.

Wurden die SRG-Programme zu Lasten der privaten gestärkt?

Dumermuth: Die Privaten haben auch Fehler gemacht. Es ist zu einfach zu sagen, die SRG habe die besseren gesetzlichen Grundlagen zugeschanzt erhalten.

Schawinski: Jetzt kann man die Fehlentwicklung korrigieren! Das ist jetzt eine grosse Entscheidung. Hat das BAKOM den Mut, den Verlegern Einhalt zu bieten? Wertet man die Qualität, die Arten- und Meinungsvielfalt oder stützt man die Grossen?

Dumermuth: Die Regeln sind klar. Wir haben Gebietsmonopole, das stimmt. Medienkonzentration ist etwas ambivalentes, gerade in kleinen Regionen.

Bachmann: Ich habe mich zwanzig Jahre dafür eingesetzt, dass Medienprofis Medien gestalten. Medienkonglomerate waren in den 90er Jahren nicht so verpönt wie jetzt. Man wollte Synergien. Für die Medienmonopol-Diskussionen habe ich eher wenig Verständnis. Ausbildung, Weiterbildung, Personalpflege, da haben doch grosse Häuser einfach bessere Möglichkeiten anzubieten.

Heuberger: Im publizistischen Alltagsgeschäft kann ein verlegergestütztes Radio das gleiche Programm machen wie ein unabhängiges. In gewissen strategischen Entscheidungen sieht das aber anders aus. Da werden gewisse Leute nicht in Sendungen eingeladen, Stellungsnahmen totgeschwiegen etc.. Deshalb ist Medienkonzentration in der Publizistik ein grosses Thema.

Schawinski: Ich wünsche mir, dass die Entscheider auch anschauen, wer die Gesuche einreicht. Sind das Menschen, die ihre Versprechungen in der Vergangenheit gehalten haben? Wenn man eine Haltung einnimmt die lautet: diesem Verleger kann ich nicht auf die Füsse treten, sonst tritt der mich zurück – das wäre fatal.

Dumermuth: Wir hatten vor zehn Jahren den Mut, Sie gegen uns aufzubringen. Wir werden auch heute den Mut haben, einzelne gegen uns aufzubringen!

Wie viele Hörer eine Station heute hat, ist für die Konzessionierung übrigens nicht entscheidend.

Schawinski: Ich will eines noch festhalte. Was wir brauchen, ist nicht Geld sondern Goodwill. Ich wünsche mir das Ende unserer Position als Bittsteller.

 

Panel: Radio- und Fernseh-Ordnung (Teil I)

22.10.2008 by


Moderation:
Hans Peter Trütsch, Leiter Bundeshausredaktion, Schweizer Fernsehen

Teilnehmer:
Roger Schawinski, Medienunternehmer
Günter Heuberger, GF Top Medien, Winterthur
Martin Dumermuth, Direktor BAKOM
Jürg Bachmann, Präsident VSP, Verband Schweizer Privatradios

Die Konzessionsentscheide sind leider noch nicht gefallen. Wann bringt Ihr endlich diesen Entscheid?
Dumermuth:
Noch vor der Wintersession (ab 1. Dez.).

Weshalb brauche Sie so lange?
Dumermuth:
  Wir arbeiten nicht langsam. Die erste Tranche der Entscheide wurde vor den Sommerferien gefällt. Es wäre ein Fehler, sich zu stark unter Druck setzen zu lassen. Wir wollen keine Fehler machen. Mit diesen Entscheiden müssen wir die nächsten zehn Jahre leben können.

Bachmann: Für uns macht jeder Tag, den wir warten müssen, die Situation komplizierter. Wir müssen unseren Kunden sagen können: Es gibt uns nächstes Jahr noch. Bitte sorgen Sie, Herr Dumermuth dafür, dass diese Konzessionen so schnell wie möglich gesprochen werden.

Heuberger: Das ist das siebte Konzessionsverfahren, das ich durchmache. Da gab es immer wieder Verzögerungen. Wichtig ist, dass die Entscheide, wenn sie kommen, juristisch gut begründet sind. Die Diskussion wurde in der Bevölkerung ganz falsch geführt. In keiner Zeitung wurden die Ausschreibungskriterien genannt. Ich habe starke Vermutungen, wer die Konzessionen erhält. Es werden diejenigen sein, die die Auflagen am besten erfüllen.

Weshalb wollen Sie es mit Radio 1 im Alter von 63 nochmals wissen?

Schawinski: Dass ein SRG-Vertreter diese Frage stellt, ist typisch. Für einen Unternehmer ist das doch klar. Ich finde es unerhört, dass es sich die Vertreter mächtiger Verlagshäuser, Herr Kall (Tamedia) und Herr Wanner (AZ Medien) leisten, heute nun doch nicht hierher zu kommen. Das zeigt eine gewisse Mentalität.
Ich möchte noch einmal einen Beitrag zur Qualität in der Radiolandschaft leisten. Der Konzessionsentscheid würde vor dem ersten Schnee fallen, wurde mir beschieden. Aber nicht, wo dieser Schnee fallen muss . . .

Woher Ihr Elan? Schawinski: Meine Liebe zum Radio treibt mich. Fernsehen ist das Medium des Geldes, bei Sat 1 habe ich da in der Champions League gespielt. Radio ist kreativer, da ist man freier, da kann man mehr bewegen.

Ihre Motivation, Herr Heuberger?
Schawinski: Dass er mit Radio Geld verdienen will, kann man ihm sicher nicht vorwerfen.
Heuberger: Mache ich auch nicht, wir verdienen damit kein Geld, wir arbeiten ausgeglichen. Das Radio verliert angeblich medienpolitisch an Bedeutung. Das ist falsch – und es ist schade. Geiles Medium, würde Roger wohl dazu sagen . . .
Schawinski: Genau!
Heuberger: Alles was ich gemacht habe, alles was ich gelernt habe, setze ich ein, um wieder etwas zurückzugeben.
Ist Geld die hauptsächliche Triebfeder Ihrer Mitglieder?
Bachmann: Die Motivation Radio zu machen, ist das Radiomachen per se. Das Medium ist direkt, unmittelbar, das hat eine ganz eigene Faszination. Und man kann damit etwas bewirken. Dass die Privatradios Einnahmen generieren müssen, ist Fakt. Das ist Teil eines qualitativ hochstehenden Radios.

Strategische Ausrichtung des Schweizer Fernsehens

22.10.2008 by

Ingrid Deltenre, Direktorin Schweizer Fernsehen, SF, Zürich

 

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre

Ingrid Deltenre weiss um die begrenzte Aufnahmefähigkeit des Menschen und rüttelt das Publikum mit einem schnell geschnittenen Video und harten Gitarren von Nickelback.

SF beobachtet eine epochale Veränderung in der Nutzung der Medien. Die Strategie muss deshalb in kurzen Abständen immer wieder überdacht werden.

Trends:

TV wird zum Kinoerlebnis (HD suisse, besseres bild, besserer Ton). SF war hier europaweit Vorreiter. Bis 2012 werden alle SRG-Sender vollständig auf HD umgestellt.

TV wird durch Intternet individualisierter. Das Publikum wird Video on Demand nutzen. Jüngere wollen passiv geniessen, aber auch spielen, kreieren, chatten und daten. Sie suchen emotionale Erlebnisse. Sie schauen etwas weniger fern, verweilen aber länger im Internet.

Video on Demand nimmt zu. Die Flexibilität und Auswahl steigen, technisch wird vieles einfacher, attraktive Programme werden kostenlos angeboten.

TV wird mobil. Dank gemeinsamen, offenen Standards und sehr niedrigem Preis wird dieser Trend nachhaltig sein. Der Erfolg mobilen Fernsehens hängt noch von Faktoren ab, die SF als Sender nicht beeinflussen kann (z.B. Endgeräte).

SF: Wie geht es weiter?

Für ältere Zuschauer wird fernsehen immer komplizierter. Für die Entwicklung bis ins Jahr 2016 sieht Deltenre zwei Treiber: den technischen Wandel und die Mediennutzung. SF glaubt an eine digitale Konsolidierung. Bestehende Technologien werden ausgereift sein, HDTV und VoD erreichen den Massenmarkt, alle Haushalte haben einen Breitbandanschluss. Die Bereitschaft, für VoD zu bezahlen, ist nicht zu erwarten.

Prognosen: Der tägliche TV-Konsum wird konstant bleiben. Der wesentliche Übertragungsweg bleibt das Kabel. Der Anteil nichtlinearer Nutzung dürfte auf ungefähr 30% anwachsen.

Strategie: TV bleibt die wichtigste Plattform der SF-Programme. SF investiert prioriär in das Programm, erarbeitet aber eine Multiplattform-Strategie. Der Sender fördert die vrossmediale Produktion und Diversifizierung der Marken. Das Fernsehen ist die Lokomotive für die publizistischen Angebote auf den neujen Plattformen.

Das Internet nutzt SF gezielt, um jüngere Nutzer anzusprechen, schöpft die Möglichkeiten des Internet besser aus. SF entwickelt sich vom Broadcaster zum Kommunikator.

Multiplattform, Stichworte

Multiplizieren: DVD, Podcast, Archiv, Streaming, Catch up TV, Media Center, YouTube, iTunes, Zattoo/Karimbo

Diversifizieren: Tagesschau 100 Sekunden, Music Star, Kassensturz, Puls, etc., Labels im Internet weiterführen, ergänzen mit nutzbringenden Informationen und Services.

Kreieren: Ski Challenge, myStage, etc. Eigenständige Inhalte, die im Internet starten und zu Bestandteilen von Sendungen werden (können). Es reicht nicht mehr, alleine über Sendungen nachzudenken. Wir müssen überlegen, welche Marken diversifiziert werden und zusätzliche Inhalte bieten.

Die publizistische Ausrichtung zielt auf mehr Qualität und Tiefgang sowie höhere Relevanz.

News-Contents sind weiterhin die Flaggschiffe des ORF

22.10.2008 by

 

Elmar Oberhauser, Informationsdirektor ORF, Wien

„Ich bin 62.“ Anders als sein Vorredner steht Elmar Oberhauser zu seinem Alter. Aber das ist nur wenig wichtig. Wichtiger ist: Der ORF ist rechtlich eine Stiftung und hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Dieser Auftrag ist höchst politisch und viele reden mit. So viel nimmt der ORF-Informationschef vorweg. Schamlos und unanständig seien in den letzten Jahrzehnten die häufigen Versuche seitens der Politik gewesen, Einfluss beim ORF zu nehmen. „Ohne Erfolg“, sagt Elmar Oberholzer nicht ohne Stolz „darum liessen die Versuche mit der Zeit nach.“

Derzeit heisst die Devise beim ORF (TV & Radio) Sparen, denn die Einnahme-Seite macht Sorgen. Ein Spardruck mit qualitativen Folgen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass eine saubere, unabhängige Information das Kernstück eines öffentlich-rechtlichen Senders ist. Das ORF-Flaggschiff Zeit im Bild (ZIB) verfügt über einen beachtlichen Marktanteil von über 50%. Neue News-Formate sind ZIB 20 und ZIB 24 – in frecherem Stil und für junge Zuschauer.

Das unlösbare Problem beim ORF sei die Konkurrenz des deutschen TV-Markts, der inzwischen mit über 80% Reichweite in Österreich empfangbar ist. Ganze neun österreichische Werbefenster deutscher Kanäle machen der Einnahme-Seite des ORF zu schaffen.

„Wir beim ORF setzen auf normales Fernsehen, pflegen aber auch die neuen Technologien „ erklärt Elmar Oberhauser. Und derzeit sieht es sehr gut aus. Der ORF-Marktanteil steht bei 42,2%. „Aber der Wind, der uns um die Ohren bläst, ist rauer geworden.“

 

Der Weg der BBC weg vom Fernsehen

22.10.2008 by

Geoffrey Goodwin, Head of BBC Switch, London

«Celebrating British Teens». BBC switch verfolgt das Ziel, mehrere Plattformen für 12- bis 17jährige anzubieten. Junge Menschen wollen alles digital, alles mobil – das sind Mythen. Sie konsumieren immer noch ungefähr gleich viel Fernsehen, aber sie nutzen auch Internet. Interaktivität ist für sie wichtig.

Teenager benutzen ihre Handys meistens, um anzurufen und um SMS zu versenden. Fern sehen und Songs downloaden werden wenig intensiv genutzt. Das wird vielleicht noch stattfinden, ist aber heute noch nicht so bedeutend.

Jugendliche schauen nur YouTube – noch ein Mythos. Dass Jugendliche Videos hochladen stimmt zwar, aber es ist eine Minderheit. Die Nutzung ist vor allem passiv. Es ist schwierig, zu verstehen, was sie sich wünschen. BBC switch hat deshalb über 150 Jugendliche in ihrem täglichen Leben begleitet. Wie ist das überhaupt, ein Teenager zu sein?

Wer bin ich? Das ist die zentrale Frage, die taucht immer wieder auf. Zwischen Kindern und Erwachsenen gibt es gewaltige Unterschieder und Erwachsene vergessen gerne, wie diese Selbstsuche ablief. In den Medien finden sie sich falsch repräsentiert (kriminelle, schwierig, etc.). Sicher ist, dass sie sich nach oben orientieren. So interessieren sich 13-jährige für Formate, die sich an 15- bis 17-jährige richten. Content muss gut sein, aber auch cool aussehen. Und: er muss britisch sein. Englische Kids können sich mit amerikanischen Inhalten schlecht identifizieren. So umfasst unsere Palette aktive wie passive Möglicheiten.

Geoffrey Goodwin: «Übrigens, kennen Sie X-Box? Beschaffen Sie sich eine X-Box! Dort werden richtig gute Geschichten erzählt».

Ist das lineare TV passé?

22.10.2008 by

 

Catherine Mühlemann, bis Sommer 2008 Geschäftsführerin MTV Networks Germany, Teilhaberin Andmann Media Holding GmbH, VR Swisscom AG

Catherine Mühlemann

Catherine Mühlemann

Auch für Catherine Mühlemann ist klar: Das Internet wird zum Leitmedium, insbesondere für die jungen Medienkonsumenten. Ein weiterer Trend liegt für sie im Mobile. Bereits 50% der jungen Leute suchen Content auf dem Handy.

Lineares TV wird gegenüber Non-linearem verlieren. Video On demand-Angebote und das Bedüfnis nach hoher Flexibilität sind die Gründe.

Geschäftsmodelle, so die Medienfrau, werden sich markant verändern.Sie erwartet eine Konsolidierung bei den Anbietern. Und das Konsumentenverhalten? Dieses wird sich weiter wandeln und zwar immer schneller. Einen höheren Bedarf nach Navigation und Orientierung sowie nach Konvergenz (alles auf einen Bildschirm) sieht Catherine Mühlemann für die Zukunft.

Erlösmodelle werden sich künftig in Richtung höherer Diversifikation und konsequenter Kundennähe entwickeln. Was wollen Nutzer wann und wie machen? Diese Kernfrage führen, so Catherine Mühlemann zu neuen Marketinglösungen und neuen Berufsbildern – nämlich Multimediaexperten, die ihre Kunden wirklich kennen.

Content ist the key. Qualitativ gute Inhalte sind für Catherine Mühlemann künftig mehr denn je Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wer den Konsumenten nicht versteht, wird scheitern. Exklusivität wird ebenso wertvoll wie schwierig zu bekommen sein. Mehrfach verwertbare Contents sind essentiell.

Dass der Content Brand künftig wichtiger sein wird, als der Channel Brand wird Marketing-Verantwortliche aufhorchen lassen.

Fazit: Lineares TV ist nicht tot. Aber das Konsumentenverhalten (Bedürfnis nach totaler Flexibilität in der Mediennutzung) legt nahe, dass es unter Druck kommt.

Catherine Mühlemann gibt schliesslich zwei Empfehlungen. Erstens „Watch the Youth“, denn es ist eben die junge Generation, die Neues sofort adaptiert. Und letztlich: „Be Change.“

 

Bestandteile des Kundenerlebnisses Mobile TV

22.10.2008 by

Jean-Paul de Weck, CEO Swisscom Broadcast AG

 

Jean-Paul de Weck

Jean-Paul de Weck

Die Kunden wollen nichts verpassen und spontan unterhalten werden. Sie wollen das sehen, was sie wollen; dort, wo sie wollen. Die Qualität muss hervorragend sein, sowohl das Bild wie auch der Ton und bei bestem Empfang ohne Unterbruch. Sie wünschen sich einen persönlichen Fernseher ohne Wohnzimmer.

Content-Angebot: Lineares TV genügt nicht. Der Kunde will dabei sein, wenn etwas passiert, insbesondere beim Sport. Entsprechend wichtig sind diese Angebote. Das Angebot des linearen TV kann mittels Made for Mobile Channels ergänzt werden.

DVB-H bringt eine hervorragende Qualität. Sie ist in vier Regionen (Genf, Bern, Basel, Zürich) flächendeckend eingeführt. Um das Produkt geniessen zu können, braucht der Konsument das richtige Handy. Hier gibt es einen Engpass. Im Moment sind gerade mal drei Geräte verfügbar, welche die richtige Technologie unterstützen.

In der Schweiz betreibt Swisscom Broadcast die DVB-H-Plattform sowie die terrestrische Versorgung. Die Mobilnetzbetreiber entwickeln Produkte und Services für die Endkunden in einem Konkurrenzumfeld und stellen an Swisscom Broadcast die entsprechenden Anforderungen. 

Stand des Mobile TV-Geschäfts bei Swisscom

Handy TV wird seit Mai 2008angeboten. Die Euro 08 war der ideale Event, um Mobile TV bei den Kunden bekannter zu machen. Die Benutzerzahlen stiegen signifikant an, verflachten dann im Sommer. Dies auch deshalb, weil bis September nur ein einziges Endgerät zur Auswahl stand.

Die Nutzung von Mobile TV hängt stark von attraktiven Live-Events ab. So hat Fabian Cancellaras Einzelzeitfahren an den Olympischen Spielen hohe Quoten gebracht. Am häufigsten genutzt wurde SF2, auch deshalb, weil der Sender sportlastig ausgerichtet ist. In der Romandie gilt das gleiche für TSR2. 

Mobile TV-Dienste auf Bais DVB-H in Europa

Mobile TV wird auf Basis DVB-H in vier Ländern Europas kommerziell angeboten. In Italien seit zwei Jahren (heute 850000 Kunden), in der Schweiz und Österreich (Telekom Austria) seit der Euro 08, in Holland seit August (KPN hat bereits 10’000 Kunden). Beobachtung: Wo das Produkt gut in andere Angebote integriert wurde, wo es als Erweiterung der bestehenden Produiktepalette angeboten wird, ist der Erfolg am grössten. In Finnland, Deutschland, Frankreich und Spanien sind Versuche am laufen.

Ausblick: DVB-H bietet weitere Ergänzungen zum Mobile TV-Erlebnis

Mobiles TV kann kann und soll mehr bieten als lineare Übertragungen. So zum Beispiel Navigationssysteme, Datacast-Services. Damit kann Video- oder Bidlmaterial zusammengesetzt und an bestimmte Gruppen, wie einen privaten Fernsehkanal, verteilt werden. Ein Pilotversuch wurde wärhend der Euro08 mit der Kapo Bern durchgeführt. In diese Richtung bieten sich zahlreiche weitere Geschäftsmöglichkeiten wie etwa Pod-Cast-Services, z.B. als Informationssysteme in Unternehmen und Institutionen (Verkehrsinfo, Werbekanäle). Das Potential wird noch nicht genutzt. Swisscom versucht hier den Markt zu stimulieren.

Vor der TV-Internet-Revolution – Connected TV

22.10.2008 by

Marco Wanders, Senior Director, EMEA Solutions, Microsoft Mediaroom

Marco Wanders

Marco Wanders

Bisher bestimmte der Sender unser Programm. Das wird sich in den nächsten Jahren vollkommen ändern. Und in der Schweiz, so Marco Wanders, werde es erfahrungsgemäss besonders schnell gehen.

TV ist heute normalerweise analog. Anders Connected TV. Es ist zweiwegig, interaktiv und äusserst flexibel. Unbegrenzte Kanäle werden zur Verfügung stehen. Und nicht nur die. Es wird Zugang zu allen anderen Medien aus Radio,  TV oder Internet geben. Beschränkungen gibt es höchstens seitens der Online-Medien. Video on demand: Natürlich werden wir keine Videos im Shop mehr ausleihen. Alles aus Kino und TV ist bereits da. Folglich fällt auch das Programmieren weg. Breitband-IP macht diese flexible Interaktion möglich. Software ist der Träger, denn man will schliesslich alle Geräte vernetzen – Handy, TV, PC …

Und die Werbung? Klar, man kann sie ausschalten. Werbeträger können uns aber auch eine ganz besondere Werbeerfahrung bescheren. Ganz auf unser Medienverhalten zugeschnitten, werden wir beworben. Wer oft nach London telefoniert, erhält von der Airline den besten Flugtarif als persönliche Werbung (Mining). Marco Wanders: „Aber natürlich muss man auch die Privatspäre schützen, das ist klar …“.

Zurzeit hat Mediaroom drei Millionen Set-up-Boxen in Betrieb. Dies nach drei Jahren. Die herkömmlichen Sender werden, so Wanders, nicht verschwinden. Er versteht Connected TV als eine On demand-Ergänzung. Der Fernsehbildschirm wird das entscheidende Element bleiben und wir können bleiben wo wir sind. In unserer gemütlichsten Ecke zum Fernsehen oder zum Connected TV schauen.

 

„Wir reden länger und denken kürzer“

22.10.2008 by

 

Karlheinz Kögel, Inhaber TMC Thomson Media Control, Baden Baden

Karl-Heinz Kögel„Das ist perfekt – das ist höchstes Niveau“ – mit diesem Lob an die Bieler Veranstalter der Comdays beginnt der Medienforscher Karlheinz Kögel sein Referat.

„Was da läuft, ist Dreck“, sagte Marcel Reich-Ranicki jüngst im Fernsehen. Was ist da dran, fragt Kögel zu Beginn, denn es stelle sich schliesslich die Frage, wie Fernsehen heute eigentlich wirke. Offenbar kann er der Aussage Reich-Ranickis einiges abgewinnen, warum sonst zitiert er gleich darauf den Bieler Literat Robert Walser, der sagte: „Die Literatur ist die Mutter unseres Denkens“.

Generell erreiche die Werbung natürlich das Publikum. Nur welches sei eben die Frage. Kögels TMC beobachtet sämtliche deutsche Medien. Bindungsmuster seien von entscheidender Bedeutung. Wirkt TV der Markenerosion entgegen? Kögel meint nein. Aber: Man muss immer mehr investieren, um eine Reaktion des Publikums zu erwirken.

In Deutschland, so Karlheinz Kögel könne man es überspitzt so sagen: Die Alten lesen weiterhin die Zeitung – die Jungen informieren sich im Internet. Die Schweiz sei bei solchen Medienkonsumtrends in der Regel Vorreiter. Und: Europa wundert sich, dass die Schweiz so erfolgreich Gratiszeitungen lanciert, während 75% derselben in Europa rot schreiben.

In Deutschland nutzen 50 Millionen Menschen täglich das Internet. Bewegte Bilder, vor allem kleine abrufbare Clips aus Unterhaltung und News haben beträchtlichen Erfolg bei den Nutzern.

Werbung im Fernsehen wird künftig, davon ist Kögel überzeugt, auch von einem Wandel des Denkens bestimmt. Stichwort Neue Moral. Die Finanzkrise habe ebenfalls einen Wertewandel zur Folge. „Wir werden schon in den nächsten Monaten sehen, was da geschieht“, und das habe Einfluss auf die Contents der Medien. Einen wichtigen Trend sieht er in der zunehmenden Unverbindlichkeit. Man lasse gern Vieles offen, rede länger und denke kürzer.

Apropos Finanzkrise: Diese habe immer eine Hebelwirkung auf den Werbemarkt, ganz besonders bei den Zeitungen. Die Verlage trifft die Finanzkrise also am härtesten. Kögel erwartet schon in den nächsten Wochen eine Konsolidierung.

Voting Nr. 4

22.10.2008 by

Voting 4 nimmt Bezug auf die ersten Referate des Vormittags, Mittwoch, 22. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 4:
Sehen Sie in den nächsten 1–2 Jahren einen Markt in der Schweiz für individuelle Werbung im linearen Fernsehen?

Muss man im Fernsehen noch werben?

22.10.2008 by

Fredy Collioud, Chairman, Publicis Gruppe Schweiz

Fredy Collioud

Fredy Collioud

Plädoyer für starke, gute Werbung am Fernsehen: Bewegte Bilder für Marken, die (sich) bewegen. Der TV-Spot ist die einzige Werbeform, welche die wichtigsten Mittel der Kommunikation, Ton und Bild kombiniert.

Es geht nicht mehr um Kontakte/Berührungspunkte, sondern darum, die Aufmerksamkeit für die Marke zu gewinnen. Aufmerksamkeit ist die Grundlage für die Vermittlung der Botschaften. Kreativität und Attraktivität sind die Herausforderung an die Kommunikation.

Beachtet werden, die Sympathien gewinnen: Starke Werbung ist wichtiger denn je. Ihr Stellenwert ist es auch. Starke Werbung löst Gefühle aus.

Der Film ist das intensivste und spannendste Werbemittel. Der Konsument taucht in eine Welt ein, am besten mit dem bewegten Bild. Nur der Film versteht es, auch auf emotionaler Ebene Einstellung und Verhalten von Menschen zu verändern. Seit wir uns (dank Google) sofort Meinungen bilden können/Produkte vergleichen können, müssen wir noch überzeugendere Bilder schaffen, noch packendere Geschichten vermitteln.

Neue Anforderungen an TV-Spots:

Form und Inhalt: vom grössten bis zum kleinsten Bildschirm (Kino bis Handy)

Rolle in der Kampagnenarchitektur: vom Haupt- zum Einstiegsmedium (Aufmerksamkeit erlangen, Interesse wecken, vorbereiten auf die umfassende Kampagne)

Interaktivität und Response: vom passiv konsumieren zum aktiv informieren

Wie nutzt der Mensch Radio und Fernsehen?

22.10.2008 by

Isabel Wenger, Leiterin Forschung, Mediapulse AG, Bern

Isabel Wenger

Isabel Wenger

Internet-Nutzung geht zu Lasten des Fernsehkonsums. Wer häufig im Internet unterwegs ist, schaut weniger fern. Internet-Surfen und Radiohören hingegen ergänzen sich. Web-User und Non-User konsumieren fast genau gleich viel Radio – zu den selben Zeiten

Wo, wann und wie konsumieren wir welche Medien? Isabel Wenger fasst Erkenntnisse aus der «Time Use Study» zusammen. Die Zahlen sind brandneu und werden an den Comdays erstmals vorgestellt. Die Studie misst jede Kombination von Gerät und Nutzung.

Knapp die hälfte unserer wachen Zeit werden wir von Medien begleitet. Zeit, die wir mit Medien verbringen:

44% visuelle Medien
43% Audio Medien
7% Interaktiv
6% Lesen

Die Nutzung ist für alle Altersgruppen etwa gleich hoch. Dennoch unterscheidet sich die Mediennutzung unter den Altersgruppen. So etwa hören jüngere Menschen weniger Radio, dafür mehr Audio-Konserven.

Die gesamten Ergebnisse aus der Studie erscheinen in Berichtsbänden zu ausgewählten Themen (mit CD und elektr. Tabellen). Ab Januar 2009 schaltet Mediapulse AG zudem ein Online-Abfragetool auf.

Guten Morgen und willkommen zu Tag 2 der Bieler Comdays

22.10.2008 by

 

Ein weiterer Kommunikations-Tag in Biel. Die comdays-Moderatorin Christine Maier (SF) begrüsst gerade die TeilnehmerInnen. Was Sie heute erwartet? Es geht um die Frage „Gibt es in Zukunft noch `normales`, lineares TV?“ und im Panel diskutieren Experten über die neue Radio- und Fernseh-Ordnung nach der Neukonzessionierung.

Schweizer Meisterschaften Informatik-Berufe

21.10.2008 by

Oliver Schalch und Alfred Breu (Swiss ICT) zeichnen Lehrlinge in drei Kategorien aus. Die Medaillen überreicht Sascha Grossenbacher. Er gehörte letztes Jahr zu den Gewinnern. Der Teilnehmer an den Weltmeisterschaften klassierte sich in der Kategorie Web-Design als bester Europäer.

Kategorien:

– IT/Software-Applikationen

– Web-Design

– Netzwerktechnik

 

Die Formel des Erfinders

21.10.2008 by

 

Anton Gunziger, Professor ETH Zürich und Erfinder

 

Anton Gunzinger

Anton Gunzinger

Was bedeutet eigentlich Erfinden? Eine interessante Frage, nicht wahr? Für Anton Gunziger ist es eine Technik, die neuen Mehrwert für Menschen durch Innovation kreiert.  Erfinden heisst für ihn: Das Verlassen der Komfort-Zone. Oder das Kultivieren kindlichen Erfindungsgeists oder auch die Not. Denn Not macht nun mal erfinderisch. Was auch dazu gehört: Lust – denn wir müssen eben immer Neues erfinden, haben den Reflex, alles immer wieder zu verbessern. Und letztlich auch: die Liebe – zu was auch immer.

Brauchen Sie eine Formel für Erfolg? Hier ist die von Anton Gunziger:
Erfolg gleich Können mal Erfolgswillen hoch 2 plus Disziplin. Wen das überzeugt, der möge es sich übers Bett hängen. Der Erfolg gibt Professor Gunziger auf jeden Fall Recht.

Was es überhaupt noch zu erfinden gibt? Ein Beispiel zu Gunsten des Schweizer Fernsehens. SF produziert viele Beiträge. Frage: Wie kann man diese sinnvoll archivieren, damit sie für künftige Beiträge nutzbar werden?  Antwort: Mit Metadaten. Merke: Wir reden hier von 2500 Terrabites. Klingt viel, ist viel. Kann man so viele Daten organisieren? Man kann. Das Material wird übrigens von 30 Archivaren und rund 700 Journalisten genutzt/bereitgestellt. Anton Gunziger und sein Team an der ETH macht’s möglich.

Mit IT-Erfindungen hat sich Gunziger wahrlich ausführlich beschäftigt. Ein guter IT-Mitarbeiter ist für ihn jemand mit guten Fachkenntnissen und hoher Integrität. Ausserdem: er/sie muss gerne mit Menschen zu tun haben. Wer das erfüllt, so Anton Gunziger, sollte wissen: IT is your place to be!

 

Ein langer erster Tag hier in Biel geht langsam zu Ende. Viele Referenten haben gesprochen. Und was auffällt: Anton Gunziger hat auch jetzt, nach 18 Uhr, noch grosse Augen.

 

 

 

 

Alternatives Facebook: Der Erfinder

21.10.2008 by

Orkut Buyukkokten, Google, California, Erfinder des Social Networks Orkut

 

Orkut Buyukkokten

Orkut Buyukkokten

Erfahrungen mit Social Networking: Orkut Buyukkokten schrieb vor allem in Brasilien mit seinem sozialen Netzwerk Aufsehen erregende Geschichten. Zeitweise lief ein Drittel des Internet-Traffics in Brasilien über Orkut. Das Einladen von Freunden auf die Plattform wurde zum nationalen Sport. Auch im Iran zeigten die Nutzerkurven steil nach oben – bis die Regierung die Plattform verbot.

Vor Orkut glaubte Buyukkokten an den Erfolg von Club Nexus. Dessen Publikum waren Studenten, deren Daten gezielt gesammelt wurden – Selbsteinschätzungen, Vorlieben, Geschmack (Bücher, Filme, Musik), soziale Verbindungen etc.

Daraus wurden Korrelationen gesucht. Ein Beispiel: Menschen, die von sich sagen, dass sie erfolgreich sind, engagieren sich auch sozial. Zu beachten ist, dass Schlüsse nicht vorschnell gezogen werden dürfen. So haben nicht alle Sportler die gleichen Vorlieben, Dafür gibt es einfach zu viele verschiedene Sportarten.

Was den Erfolg einer erfolgreichen Social-Networking-Plattform letztlich ausmacht, kann nicht einmal Orkut Buyukkokten exakt beantworten. Tatsache ist, dass sich ihre Nutzer dort bewegen, wo sich auch ihre Freunde aus dem «normalen Leben» bewegen.

In Telco-Produkte investieren?

21.10.2008 by

 

Klaus-Dieter Scheurle, Professor und Managing Director der Credit Suisse, Frankfurt

Klaus-Dieter Scheurle

Klaus-Dieter Scheurle

Klaus-Dieter Scheurle hat schon Vieles erlebt. Einerseits war er hautnah dabei, als die Deutsche Bundespost privatisiert wurde, andererseits kennt er die Grenzen der Telco-Machbarkeiten aus seiner Zeit bei der Telekommunikations-Regulierungsbehörde.

Heute betrachtet er den Telco-Markt aus Sicht eines CS-Investment-Bankers.

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise haben sich die Telekommunikations-Anbieter recht gut geschlagen. Deren Performance hat zwar seit Januar an Schwung verloren. Telco-Produkte stehen aber vergleichbar gut im Markt. So fielen Telco-Aktien in der Phase der Finanzkrise um rund 16%, niedriger als der Durchschnitt (-22%).

Allerdings, so Scheurle, stecken wir in einer wirtschaftlichen Abschwächung, von der  v. a. der Mobilfunk-Markt betroffen ist. „Wir werden hier im kommenden Jahr weniger Erträge sehen.“ 

Festnetz: Auch hier sind die Umsätze geringer, aber dieser Bereich verzeichnet eine höhere Profitabilität durch verbesserte Margen. Die Breitbanddienste hingegen generieren – nicht verwunderlich – Zuwächse. Wer hier die notwendigen Investitionen tätigt, ist dabei.

Ausblick: Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt bekanntlich derzeit kein gutes Bild. Insbesondere im Mobilfunk wird dieses sichtbar sein. Mobilfunk sei, so Scheurle, weit abhängiger von der wirtschaftlichen Entwicklung als das Festnetz-Geschäft. Den kleineren Anbietern prognostiziert er weniger Wachstum.

Und letztlich zum Thema Mergers & Acqusitions im Bereich Telekommunikation: More sellers than buyers. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Voting Nr. 3

21.10.2008 by

Voting 3 nimmt Bezug auf Referate des Nachmittags, Dienstag, 21. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 3:
Wie wird die Finanzkrise die Telecombranche beeinflussen?

Welche Netze soll man wie nutzen?

21.10.2008 by

Matthias Finger, Professor Networkmanagement, EPFL, Lausanne

 

Matthias Finger

Prof. Matthias Finger

Professor Finger zeichnet Gedankenvorgänge auf, wie sich der Grad an Regulierungen vernünftig festlegen lässt. In diese spielen verschiedene Interessen: Institutionen und Staat stehen im Wesentlichen den Anbietern neuer Technologien entgegen. Dies muss aber nicht zwangsläufig so sein. Eine gewisse Kohärenz ist durchaus denk- und wünschbar.

Theoretische Modelle, Regulierungen festzulegen, sind rar. Sie bewirken verschiedene Tendenzen. So kann mit System vorgegangen werden (Entscheidungsbaum): Gibt es ein Monopol? Wenn nein, dann haben wir keinen Engpass. Haben wir verborgene Kosten? Wenn wir ein Monopol haben, muss man das hinterfragen. Braucht es überhaupt ein Monopol? Die Antwort kann ja sein, wenn die Infrastruktur zentral aufgebaut werden muss. Wenn das Monopol stabil ist, kann man den Schluss ziehen, dass eine Staatsintervention angebracht ist. Wenn die Kostenregulierungen höher sind als der Nutzen für den Markt, sind sie in Frage zu stellen.

Auch die weiter vorgestellten Modelle stellen Technologie und Institutionen in Konkurrenz. Unternehmen und Staat sind Bestandteil des Marktes, die Politik nimmt weiterhin Einfluss. Staatliche Effizienz, Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Versorgungssicherheit und weitere Themen müssen nach Prioritäten gewichtet werden. Entsprechend fällt die gewünschte Konfiguration aus.

Stromnetze sind anders als Telekom-Netze

21.10.2008 by

 

Hans-Peter Aebi, CEO Swissgrid

Hans-Peter Aebi

Hans-Peter Aebi

Wir brauchen den Wettbewerb im Strom. Das macht Hans-Peter Aebi gleich zu Anfang klar.

Die Unterschiede zu den Netzen der Telekommunikation sind grösser als mancher Laie gedacht haben mag, denn, so Aebi, Strom könne man nicht speichern, er gehe den Weg des geringsten Widerstands. Je grösser die Distanz, desto grösser der Widerstand – und: die Produktion muss stets im Gleichgewicht sein.

Ohne Strom geht nichts. So viel ist sicher. Versorgungssicherheit, so Hans-Peter Aebi, steht bei Swissgrid daher strategisch sogar noch über wirtschaftlichen Erwägungen. Das ist nachvollziehbar, denn Stromausfälle können bekanntlich katastrophale Folgen auf allen Ebenen nach sich ziehen.

In fünf Jahren erfolgt die Eigentumsübertragung des Schweizerischen Stromnetzes. Eigentum bedeute Macht, so der Swissgrid-Chef und nach seiner Erfahrung werde diese in der Regel eben auch ausgenutzt. Eine Übertragungsnetzwerkgesellschaft – eine Art Letzte-Meile-Gesellschaft – sei dann für gewissenhaft geführte Stromnetzwerke ohne Diskriminierung eine für alle sinnvolle Lösung.  

Voting Nr. 2

21.10.2008 by

Voting 2 nimmt Bezug auf die ersten Referate des Nachmittags, Dienstag, 21. Oktober 2008)

Teilnahmemöglichkeit über den mobilen Blog (http://comdays.mobi)

Frage 2:
Kostensparen durch Netsharing – Ist das ein Weg für Mobilanbieter um Ihre Kosten zu senken?

Konvergenz Broadcasting-Netze/TC-Netze

21.10.2008 by

Michael T. Fries

Mike Fries

Mike Fries

President and CEO Liberty Global, Inc.

Digital TV ist eine echte Revolution in der Fernsehgeschichte. Es wird unsere Sehgewohnheiten verändern. Wir wollen die Zuseher wegführen vom Zapping, hin zu gezieltem Hinsehen. So wie wir im Netz gezielt surfen, so sollen wir uns auch unsere Fernsehinhalte nach unseren eigenen Wünschen auswählen. Es wird möglich sein, einen Film mit einem Klick auszuwählen und ihn sich anzuschauen. Werbung kann herausgefiltert werden.

Der Nutzer will das Allerneueste sofort. Dies in besserer Qualität und in hoher Geschwindigkeit. Cablecom will diese Wünsche erfüllen und sieht hier glänzende Perspektiven. Für die Nutzung von Video on Demand zeigt die Kurve daher in den USA steil nach oben.

Wenn man sich Herausforderungen stelle, könnten Fehler passieren. Zu diesen müsse man dann stehen. Cablecom (Schweizer Tochtergesellschaft von Liberty Global) habe die Herausforderungen zu Innovationen immer aktiv gesucht. Dies gelte auch für den Kundendienst. In Holland habe das Unternehmen Preise dafür erhalten. Das müsse auch für die Kundenbetreuung in der Schweiz der Massstab sein.

Aus zwei guten Netzen ein sehr gutes gemacht

21.10.2008 by

 

Emin Gurdenli, Technology Director, T-Mobile UK

Emin Gurdenli

Emin Gurdenli

Emin Gurdenli ist seit 20 Jahren im Mobilfunk-Business und muss es wissen. Das Joint Venture zwischen T-Mobile UK und 3G ist über die Bühne gegangen und es ist laut Gurdenli auf bestem Weg. Networksharing, die gemeinsame Netzwerk-Nutzung der beiden Anbieter ist für ihn der entscheidende Erfolgsfaktor für die 50:50-Joint Venture-Kooperation von T-mobile und 3G.

Es gehe dabei aber nicht nur um Kostenersparnisse, sondern in erster Linie um Kundenzufriedenheit. Will heissen: Eine bessere Abdeckung,  die nota bene 2 Milliarden Pfund kostet.

Man habe mit den Netzen von T-mobile und 3G aus zwei guten ein sehr gutes Netz gemacht und verfüge nun über eine Abdeckung von 98% und, so Gurdenli, „the price for users is fantastic“.  Gross seien unter diesen Bedingungen die Chancen für Innovationen.  Ja, die kommerziellen und rechtlichen Hürden seien beträchtlich gewesen. Dennoch versteht sich Gurdenli als überzeugter Vertreter des Netsharings: „Je mehr man teilt, desto mehr holt man raus und desto grösser werden die Chancen“.  Durch die Überlappung von gemeinsamer Infrastruktur konnten 5000 Antennen ausser Betrieb genommen werden.

Jetzt steht die Maximierung der Infrastruktur auf dem gemeinsamen Plan. Ansonsten treten die beiden Anbieter weiterhin als Wettbewerber im Markt gegeneinander an.

 

„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“

21.10.2008 by

 

Bundesrat Moritz Leuenberger
Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, UVEK

 

Eine kleine Netz-Geschichte hilft dem Bundesrat, seine Botschaften bildhaft darzustellen:

Da war die Pfahlbauerfamilie Pfahli am Bielersee und die hatte ein Problem. Fing Pfahli doch plötzlich keine Fische mehr, weil die Konkurrenzfischer aus dem Murtensee alles aus dem See abzockten, was den Pfahlbauer und seine Familie am Leben hielt. Doch die Götter halfen. Und zwar in Gestalt einer aufgehenden Sonne (Sunrise erwachte) und zwar in göttlichem Orange. Dahinter erhob sich ein grosser grauer Swisscom-Gott. Die drei verhalfen ihm zu einem Netz, mit dem der gute Pfahli zehn prächtige Fische angelte. Die Familie wurde wieder satt. Vorerst. Und sie besuchten eine Versammlung des Pfahlbauerrates, wo man sich fragte: Wie viele Netze braucht der Mensch?

Menschen, so der Bundesrat weiter, seien soziale Wesen, die sich in sozialen Netzen organisieren, sich dort bewegen, sogar ernähren. Denn: In der Einsamkeit können sie sich nicht entwickeln. Der Drang nach Vernetzung – ebenso wie jener nach Mobilität – sei oft ungestüm. Der Mensch dränge dabei stets auf Gleichbehandlung. Aber leider: unendlich viele Netze sind zu viel, sind nicht realistisch. Was also gibt es für den Staat hier zu tun?

Zunächst müsse dieser dafür sorgen, dass Netze überhaupt vorhanden sind und funktionieren. Monopole seien zu vermeiden. Indes: Ab einer bestimmten wirtschaftlichen Investitionsgrösse kommt eben nur der Staat für die Finanzierung und Verwaltung in Frage. Beispiel NEAT.

Wie geht es nun in der Glasfasertechnologie weiter? Die Gesellschaften, so Leuenberger, müssten sich einigen. Vielleicht durch den vorliegenden Vorschlag, dass einer bohrt und ein anderer ihm für die Nutzung ein Entgelt zahlt.  Wichtig sei dabei erstens die Versorgungssicherheit (alle Gegenden sollen denselben Zugang zu den Netzen erhalten; Bsp.: Breitband in Alpentälern), zweitens die Versorgungsgerechtigkeit, z.B. auch für Behinderte, sowie drittens die Netzsicherheit (diese muss nicht nur funktionieren sondern darf niemanden gefährden und der Cyber-Kriminalität entgegentreten).

„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“. Müssen die Menschen also vor sich selber geschützt werden? Verändern die neuen Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen? Vieles habe sich geändert, sei globaler geworden und doch: Voyeurismus, Exhibitionsmus und Lynchjustiz gab es schon immer.

Es gehe nicht darum, die Nutzung zu reglementieren, vielmehr darum, einen qualifizierten Umgang mit den neuen Medien zu erreichen.

Nicht nur Pfahli hatte von Sunrise, Orange und Swisscom sein erstes Netz erhalten. Der Bieler See war in der Folge darum bald überfischt. Pfahli klagte den Göttern: „Ich will jetzt ein grösseres Netz haben, so gross wie der See!“ Da sackte ein riesiges Netz auf ihn herab. In diesem verstrickte er sich. Und die drei Götter? Die waren schon privatisiert und meinten dazu: „Da musst du den Staat fragen.“ Ob Pfahli noch lebt, wissen wir nicht. Anders sei es mit den drei Göttern, schliesst der Bundesrat: Diesen wird immer geholfen.

PS:  Heute Nachmittag hat Moritz Leuenberger ein Meeting mit Michael T. Fries, Chef von Liberty Global (Eigentümer von Cablecom). Davon heute leider kein Blog-Beitrag, da das Meeting nicht hier in Biel auf dem Parkett stattfindet. Schade eigentlich.

Networksharing – outsourcing – leasing

21.10.2008 by

Fredrik Jejdling

Vice President, Head of Finance Business Unit Global, Erissson AB Sweden

 

Fredrik Jejdling

Fredrik Jejdling

Wo macht es Sinn, eigene Infrastrukturen aufzubauen und wo macht es Sinn, Partnerschaften einzugehen? Fredrik Jejding zeigt Faktoren auf, die diesen Überlegungen zu Grunde liegen.

 

Gemeinsam genutzte Infrastrukturen machen vor allem in ländlichen Gebieten sinn. Dort ist das Potential für Einsparunge besonders hoch. Wichtig ist bei solchen Zusammenarbeiten, dass sich die Ziele, die Interessen der beteiligten der Partner vereinbaren lassen. Die Partnerschaften zu regeln ist komplex. Wichtig ist es auch, künftige Ziele im Auge zu behalten. Die Partner müssen bereits wissen, wo sie dereinst stehen wollen. Wie sie sich als Anbieter positionieren wollen.

Jejdlling zeigt Beispiele von gelungenen Kooperationsmodellen. Sie können nicht beliebig kopiert werden. Jejdling gibt zu bedenken: «Es sind viele Absprachen notwendig, wenn gemeinsam investiert wird, wenn Netze zusammengelegt werden. Diese Verhandlungen sind sehr komplex. Wenn man zu sehr ins Detail gehen muss, verliert man sich darin.

Quotes aus der Panel-Diskussion

21.10.2008 by

Klaus von den Hoff, Director Global Time Practice, Arthur D. Little:  Ich halte wenig von funktionaler Trennung. Wozu diese Trennung, wenn der Markt spielt? Technologische Vielfalt gewichte ich hoch. Anbieter aber müssen investieren.

Forsyth: Man darf sich nicht ausschliesslich am Privatkunden orientieren. Die Bedürfnisse von Unternehmen dürfen nicht ausser Acht gelassen werden und führen zu anderen Lösungsansätzen.

Schloter: Auch in Italien sind wir klar gegen eine funktionale Trennung – entgegen Medienberichten. Innovation und Fortschritt sind wichtige Faktoren, die es für die Anbieter zu gewährleisten gilt.

Brand:  In Bezug auf Wettbewerb sind wir in der Schweiz Jahre hinter dem übrigen Europa zurück. Es macht keinen Sinn, vier Leitungen in jede Wohnung zu legen. Das sind führt zu einem überhöhten Investitionsniveau.

Lalande: Das Problem des alternativen Anbieters ist der gleichberechtigte Zugang zu Netzen (Equivalence of Input – EOI).

Schloter: Eine funktionale Trennung bedeutet einen schwerwiegenden Eingriff in den Markt. EOI ist auch für uns ein wichtiger Faktor. Wir setzen die Entbündelung sehr gut um und betrachten uns hier als Musterbeispiel in Europa.

Brand: Glasfaser wird Kupfer ablösen!

Messmer:  Ich sehe keinen Grund, warum nicht auch Swisscom – wie Sunrise oder Orange – unsere Glasfaser-Dienste in Anspruch nehmen sollte.

Schloter: Wir werden keine Haushalte doppelt anschliessen, an Duplizierungen sind wir nicht interessiert. Die Frage ist nur, welche Ebene für uns verwertbar ist und welche nicht.