Autor-Archiv

Und wo geht’s nun lang?

21.10.2009
Nils Müller

Nils Müller

Nils Müller, MBA Founder & CEO TrendONE, Hamburg

Nils Müller interessiert sich für die Zukunft. An den Comdays peilt er das Jahr 2021 an. Seine Präsentation ist lebendig und fesselnd. So wie die Zukunft eben.

Computer? Vergessen Sie’s! 2021 sind Realität und Virtualität längst verschmolzen. Dasselbe gilt übrigens auch für Video und Print. An Bildschirm und Handy dürfen Sie sich vielleicht sogar Ihre eigene Realität machen.

Warum einen Laden aufsuchen, wenn Sie die Ray Ban-Sonnenbrille, die Sie ins coolste Licht setzt, am Bildschirm anprobieren … Verzeihung tracken, können. Kaufen auch. Alles wird übrigens transparenter. Auch Sie. Man erkennt Sie nämlich per Handschlag. Ihr Gegenüber liest Ihren Namen und Ihre Vorlieben von Ihrem T-Shirt ab. Per Gesichtserkennungsfunktion. Natürlich stehen Sie auch nie mehr bei Starbucks in der Schlange. Weil Sie Ihren Lieblingskaffee schon längst per Handy bestellt und bezahlt haben und nur noch abholen müssen.

Bücher? Klar! Mit Texterkennung lassen wir diese allerdings künftig vorlesen. Und erfahren auch gleich, was andere Leser darüber denken. Werben können Sie auch. Virtuell und wirksamer denn je. Auch im Print. Fragen Sie Nils Müller. Sie werden es allerdings kaum glauben, was der Ihnen alles erzählt. Und was alles möglich ist. In der Zukunft von 2021. Nur so viel: Es ist für jeden was dabei.

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„Journalistische Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen“

21.10.2009
Philipp Cueni

Philipp Cueni

Philipp Cueni, SSM und Präsident Verein Qualität im Journalismus, Basel, Verantwortlicher Redaktor für das Medienmagazin EDITO

Für Philipp Cueni hat Journalismus eine eigene Kraft. Solange er qualitativ ausgerichtet ist. Nicht anders als bei den meisten anderen Referenten am heutigen Comdays-Tag, steht die Forderung nach Qualitätsjournalismus im Zentrum der Ausführungen. Hier aus Sicht der Medienschaffenden.

Das Berufsbild des Journalisten sei von unregelmässigem Arbeiten geprägt, was nachweislich belastend sei. Extra-Leistungen und –Recherchen würden in der Regel nicht honoriert, der Lohn sei in der Regel eher gut, das Sozialprestige hingegen gering.

In den Schweizer Redaktionen herrsche derzeit grosse Verunsicherung. Aber es gehe hier nicht ums Klagen, so Cueni und kommt auf das Eigentliche, der allseitigen Forderung nach qualitativ hoch stehendem Journalismus, zurück. Dieser führe eben auch über gute Arbeitsbedingungen. „Qualitätsjournalismus braucht gute Leute, sehr gute.“ Sehr gute Aus- und Weiterbildung seien damit unabdingbar. Ebenso wie Zeit – ein entscheidender Faktor für guten Journalismus.

600 entlassene Journalisten seien in einer kleinen Branche dramatisch, die sozialpolitischen und demokratiepolitischen Folgen schwerwiegend. Mit jedem entlassenen Journalisten ginge auch publizistisches Wissen verloren. Wie viele Journalisten es brauche, um die Demokratie sicherzustellen, sei schwer bezifferbar. „Vergleiche mit anderen Branchen hinken. Das ist keine Schraubenfabrik, wo sich die Zahl der Mitarbeiter am Schraubenbedarf orientiert.“ Sicher sei aber: Sinkt die Zahl der Journalisten unter eine bestimmte Grösse, habe dies einen Verlust von „Brain“ (Wissen, vor allem auch vertieftes und spezialisiertes Wissen) und Beobachtungsvielfalt zur Folge.

Journalismus überlebt, wenn er die Fragen der Gesellschaft qualifiziert beantwortet. Dafür brauche es Zeit und auch die Gewerkschaften seien sich darüber bewusst, dass dies Geld koste. Auch seien sie sich darüber im Klaren, dass die Einnahmeseite unter Druck sei. Als Forderung der Gewerkschaftsseite nennt Philipp Cueni ein Bewusstsein dafür, dass Qualitätsjournalismus als Kerngeschäft wahrgenommen werden muss. Der Staat sollte sich ebenfalls engagieren (sei dies durch steuerliche Entlastungen, verschiedenartige Förderungen o.a.). Zu Gunsten von gutem Journalismus appelliert er dafür, Abstand von der Idee zu nehmen, dass Renditen um 15% realisiert werden müssen. „Den Wert der journalistischen Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen.“ Und an die eigene Zunft richtet er die Botschaft: Auch wenn es anstrengend und aufwändig ist. Es gilt, das Ziel des Qualitätsjournalismus zu realisieren. Diesen zu liefern und einzufordern.

„Der Qualitätsjournalismus in den USA ist akut gefährdet“

21.10.2009
Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl

Prof. Dr. Stephan Russ-Mohl, Universität Lugano

„Ich fürchte, ich habe einige Hiobsbotschaften für Sie“, so die vielsagende Einleitung von Russ-Mohl, mit Blick auf sein bevorstehendes Portrait der amerikanischen Medienszene.

In den USA habe sich die Problematik, wie sie von vielen Referenten der Comdays geschildert worden sei, noch zugespitzt. Professor Russ-Mohl umreisst die Trends im amerikanischen Journalismus mit dem „Bermuda-Dreieck von Publika, Werbung und PR.“ Stärker noch als in Europa wanderten journalistische Produkte ins Internet ab. Und die Werbung folgt ihnen natürlich. Das wichtige Kleinanzeigengeschäft (generierte einst 40% der Werbeinnahmen bei Tageszeitungen) sei fast verschwunden. Dahin, wo längst auch 40 Millionen Amerikaner sind. Bei Craiglist im Internet.

Der Qualitätsjournalismus in den USA sei akut gefährdet, Zeitungen befänden sich in der Todesspirale. Namhafte Titel seien verschwunden. Ob in Boston und San Francisco künftig überhaupt noch eine Tageszeitung gedruckt wird, stehe in den Sternen. Die Auflagenrückgänge gingen mit einem markanten Verlust an Glaubwürdigkeit einher. Skepsis gegenüber der Arroganz und der Macht der Mainstream-Medien sei in den USA weit verbreitet. Und die Reaktion der Verlage? Es wird rigide gespart, Redaktionen schrumpfen auf Minimal-Niveau oder kleiner. Wie sein Kollege von der Universität Zürich heute Morgen erkennt Russ-Mohl grosse verlegerische Fehlentscheidungen und Innovationsschwäche sowie qualitative publizistische Einbussen und Selbst-Kannibalisierung mit Gratis-Publika.

Die in den USA derzeit hoch gehandelten Lösungen in Form staatlicher Subventionierungen oder Stiftungen sind für Russ-Mohl aber nicht die Lösung. Viel mehr brauche es Lösungen zu Gunsten bezahltem Qualitätsjournalismus, etwa in Form von Online-Abonnements, Flatrates oder Micropayments.

Mittagspause im Kongresshaus

21.10.2009

Mittagspause hier in Biel. Wir sind aber bald zurück – mit dem Thema

Wer rettet Auftrag und Qualität des Journalismus?

„Unser Businessplan ist die gute Story“

21.10.2009
Peter Knechtli

Peter Knechtli

Peter Knechtli, Gründer und Chefredaktor von OnlineReports.ch

Peter Knechtli, ehemaliger Print-Journalist, startete das Projekt OnlineReports.ch vor elf Jahren. Ohne Fremdkapital, dafür mit dem Luxus weit reichenden Neulands im Web, auf dem, so sagt Knechtli heute, man alles falsch gemacht habe. Einen Businessplan gab es nicht. Ausser der Mission: Wir liefern die gute Story. Aber man habe sich entwickelt und so könne er, einziger Festangestellter, sich heute einen branchenüblichen Lohn zahlen und sogar Steuergeld an den Kanton Basel-Stadt abführen.

Knechtli und sein Team von zehn freien Online-Journalisten wollten nie Werbevermarkter sein, sondern das bleiben, als sie sind: Journalisten. Man wolle sich bei OnlineReports nicht an Klicks messen lassen. Herzblut und gutes Handwerk führten zu redaktionellen Leistungen, die das Publikum wahrnehme und letztlich auch zu existenzsichernden Werbeeinnnahmen führe. Die mögliche Einflussnahme durch die Existenzsicherer wird, so Knechtli, selbstredend konsequent verweigert.

Leichtfüssig, flexibel und unmittelbar sei er, der Online-Journalismus. Knechtli ist froh, dass das Thema Redaktionsschluss oder Deadline für ihn nicht mehr relevant ist. „Einen guten Einfall können wir sofort umsetzen.“ Offenbar hatte das Online-Publisher-Team davon eine Menge. Die Visits auf dem Basler Portal starteten bei 600 und erreichen heute 50‘000. Man backe aber immer noch kleine Brötchen, fügt Peter Knechtli sofort hinzu.

Fairness, Wahrhaftigkeit und Quellenschutz betrachte man bei OnlineReports als essentiell. Zwischen Politanalyse und Dorfstory packe man auch internationale Themen wie Menschenrechte, Islam oder Integration an. Unterlassungen seien aber auch nötig, wenn man nicht im Wust des kritiklosen „Vermutungs- und Konjunktiv-Journalismus“ untergehen wolle. OnlineReports setze daher konsequent auf redaktionelle Eigenleistungen und verzichtet, beachtlich, sogar auf die Zusammenarbeit mit Nachrichtenagenturen.

„Geld mit Inhalten ist im Internet kaum zu verdienen“

21.10.2009
Walder-Marc

Marc Walder

Marc Walder, Geschäftsführer Ringier Schweiz

Die radikalen Veränderungen im Medienmarkt kamen nicht schleichend, sie erreichten die Verlagshäuser rasch. Sehr rasch. Hinzu kam die konjunkturelle Krise. Beides zusammen mischte sich zu einem gefährlichen Cocktail. Für viele Printprodukte sogar zu einem tödlichen. Die Liste der beerdigten Titel sei lang, so Marc Walder. Gut möglich, dass das Jahr 2009 als schwärzestes in die Geschichte eingehe. Natürlich habe diese Entwicklung Spuren hinterlassen. In der Schweiz verloren seit 2008 rund 600 Journalisten ihren Job, Verlage schlossen sich zusammen. Zeitungen und Zeitschriften blieben zwar wichtig für Schweizer und Schweizerinnen. Aber: Die Auflagen befänden sich im Sinkflug. Die Zeit, die Mediennutzer heute im Internet verbrächten, fehle auch dem Hause Ringier. Und: Kaum ein Verlag könne heute im Internet mit Werbung profitabel sein, sei doch der Werbemarktanteil noch immer verschwindend klein. Den Löwenanteil sichere sich bekanntlich der Gigant Google. Walder erkennt eine grosse Herausforderung darin, Online-Inhalte profitabel zu vermarkten.

Die jüngst vereinbarte so genannte Hamburger Erklärung sei bedeutend. Es geht um den essentiell wichtigen Schutz geistigen Eigentums.

Mögliche Strategien der Zukunft? „Entweder Sie heissen TA Media und kaufen erst Bern und dann die Romandie oder Sie diversifizieren.“ Das Wort Diversifizierung bringt den Ringier-Chef am Schluss seines Referats sichtbar in Visionslaune. Er führt den Daily Telegraph, Premiumtitel in England, an. Dieser verkaufe inzwischen neben Qualitätsjournalismus Reisen, Tulpen, handgefertigte Schuhe und mehr. Ein Drittel des Gewinns mache dies beim Telegraph inzwischen aus. Folge: Keine Abstriche in der publizistischen Infrastruktur waren notwendig. Auch Ringier werde die Strategie der Diversifikation gehen, macht Walder klar.

„Die Tagespresse verweigert sich dem dringend notwendigen Qualitäts-Kurs“

21.10.2009
Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren, Prorektor Universität Zürich

Der Ordinarius für Publizistikwissenschaft sieht weder eine Medienkrise noch eine Demokratiekrise. Wohl aber eine markante Krise der Tageszeitungen und vor allem dessen Verlagsmanagement. Die Krise sei also konjunkturell aber eben auch institutionell. Hausgemacht also. Jarren findet klare und höchst kritische Worte an die Adresse der Tageszeitungs-Verlagschefs. Die Tagespresse gehe zu wenig auf die Bedürfnisse unserer hochdifferenzierten Wissensgesellschaft ein. Mit Unverständnis stellt Jarren fest, dass die Branche sich einem dringend notwenigen Qualitätskurs verweigere.

Auch findet er keine wirksame oder erkennbare Arbeit an der Markenbildung zu Gunsten der Tagespresse. Alleinstellungsmerkmale? Fehlanzeige. Der Branche sei es offenbar zu lange zu gut gegangen, sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf Regulierungsprivilegien. Eine markante Innovationsschwäche sei jetzt die Folge. Jetzt wolle man den Weg einer Multimedia-Strategie gehen. Das aber überfordere die Verlage. Aufkaufen, Verdrängen oder die forcierte Lancierung von Gratis-Presseprodukten seien weitere – falsche – Wege aus dem Dilemma. Jarren empfiehlt den Tageszeitungs-Machern dringend, die Kräfte in qualitativ hochwertige Publizistik zu investieren. Man müsse zu einem „Qualitäts-Pakt“ mit dem Publikum kommen. Heisst: Publizistischen Wert schaffen, für den das Publikum bereit ist, angemessen zu zahlen. Die konjunkturelle Krise biete letztlich den Verlagen die Chance, ihre Strukturen anzupassen. So gesehen, könnte die aktuelle Wirtschaftskrise heilende Wirkung haben.

Willkommen in Biel …

21.10.2009

zu Tag 2 der Comdays ’09.

Krise oder neue Realität in den Medien? Dieser Frage widmen sich heute Morgen drei Referenten. Wir starten in Kürze mit dem Referat von Prof. Dr. Orfried Jarren, Prorektor der Uni Zürich.

Danke für Ihr Interesse und bis nachher.

Stefan Scherrer & Sabine Ingwersen

Sabine Ingwersen

Sabine Ingwersen

Das war eine wahrlich lebhafte Panel-Diskussion …

20.10.2009

… in wenigen Minuten geht es weiter mit dem Schlussreferat von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey.

Kaffeepause …

20.10.2009

Kurz währende Lounge-Atmosphäre im Kongresshaus. Die comdays-Gäste geniessen die Kaffeepause. In wenigen Minuten folgt ein Panel mit viel Telco-Prominenz. Bis gleich …

The future is mobile. Der Festnetzanbieter meint: Kunden wollen wählen

20.10.2009

Eric Tveter

Eric Tveter

Eric Tveter, Managing Director Cablecom

Medienkonsum im Wandel, ja. Aber nur noch Mobile? „Dann hätten wir“, so der neue „Mister Cablecom“, „ein Problem“. Er verweist darauf, dass Kunden je länger je mehr die Wählbarkeit forderten, Ort und Zeit des Kommunizierens selbst bestimmen wollten. „Wir müssen beide Nutzer bedienen. Jenen Nutzer, der ein Fussballspiel auf dem Handy und jenen, der es auf dem HDTV-Bildschirm anschauen möchte.“ Kunden werden mobiler. Angebote müssten es auch werden. Das heisst: Sie müssen verschiedene Technologien, nahtlos verfügbar an verschiedenen Orten bereitstellen. Verkabelt wie drahtlos. Information, Unterhaltung, Kommunikation. Jederzeit und überall. Der Kunde wolle Flexibilität, Zugänglichkeit, Wahlfreiheit und Dienstleistung/Service. Letzteres sei bei Cablecom ein Bereich, „um den wir uns noch kümmern müssen. Wir tun dies bereits und wollen der beste Dienstleistungsanbieter der Schweiz werden.“ Eine Botschaft, die Cablecom-Kunden aufmerksam entgegennehmen werden.

„Die beste Garantie für die freie Wahl war schon immer der Wettbewerb“, ist Tveter überzeugt. Gemeint ist: Der Wettbewerb zwischen Mobile und Festnetz und jene der Technologien. Über eine Milliarde Franken habe Cablecom in den vergangenen Jahren in Infrastruktur investiert und damit bahnbrechende Technologien, wie die Glasfaser-Technologie, eingeführt.

Weiter nach dem Lunch

20.10.2009

Die Besucherinnen und Besucher im gut gefüllten Kongresshaus sind wieder versammelt. Weiter geht’s zum Thema „Die Zukunft ist mobil – ist sie das wirklich?“

Handy-Markt Schweiz – Undurchsichtig und viel zu teuer

20.10.2009
Monika Dusong

Monika Dusong

Monika Dusong, Présidente de la Fédération romande des consommateurs, FRC

Die Präsidentin der welschen Konsumentenorganisation weiss: Für Kundenbindung müssen Telco-Anbieter in der Schweiz wahrlich kein Vermögen budgetieren. Schweizer Nutzer sind treu, vergleichen wenig, schauen kaum ihre Handy-Rechnung an und legen sich selten für ihre Tarifoptimierungen ins Zeug. Ökologische Handy-Nutzung sei kaum ein Thema. Immer das neueste Handy müsse es sein. I-Phones verzeichnen doppelt so hohe Absätze wie in vergleichbaren Märkten. Warum aber sind Schweizer Handy-Nutzer so „pflegeleicht“? Mag sein, dass es den Schweizern immer noch zu gut gehe, aber: es fehle eben auch am politischen Willen, endlich zu Gunsten der Konsumenten durchzugreifen. Die Lobby der Industrie, so Dusong, sei eben noch immer markant wirksamer als jene der Handy-Kunden. Daran will ihre Organisation etwas ändern. Die Probleme: Der Wettbewerb spiele nicht frei, Handy-Tarife seien ein einziger komplexer, undurchdringlicher Dschungel. Ein Dorn im Auge der Konsumentenschützerin sind vor allem die Verträge. Ein- oder zwei-jährige Laufzeiten mit automatischer Verlängerung lägen jenseits des internationalen Marktes, der längst wochen- oder tage-weise Kündigungsfristen kennt. Hinter der mangelnden Transparenz stecke System. So bliebe die Forderung nach klaren Angaben der Kündigungsfristen auf den Handy-Rechnungen seit Jahren bei den drei Markt-Playern ungehört. Irrwitzige Probleme mit der Informatik würden als Gründe geltend gemacht. „Nutzer müssen Buch über Ihre Verträge führen – das kann nicht sein und ist missbräuchlich“. Kein Wunder, blieben so die Marktanteile stabil. Die teure Insel Schweiz. Das heisst: Hierzulande zahlt der Handy-Nutzer beachtliche 57% mehr als im europäischen Durchschnitt. Ein Runder Tisch mit den drei Anbietern Swisscom, Orange und Sunrise endete laut Monika Dusong jeweils in einer Farce: „Die mögen sich nicht und sprechen nicht miteinander.“ Bleibt also politischer Druck und an diesem soll auch künftig gearbeitet werden. Die Faust im Sack der Konsumenten – das wolle man nicht weiter hinnehmen.

Die Schweiz – ein schwieriger Markt für private Investoren

20.10.2009
Vagn Soerensen

Vagn Soerensen

Vagn Sørensen, Chairman of the Board of Directors of TDC A/S

„Wir machen uns Sorgen in Bezug auf die Einführung neuer Technologien in der Schweiz – ein Markt der zunehmend weniger attraktiv wird, für uns als privaten Investor.“ TDC ist mit der Marke Sunrise in der Schweiz tätig – ein Markt, der dem Chairman wenig Freude bereitet. Die anhaltende Dominanz der Ex-Monopolistin Swisscom (ca. 60% Marktanteil gegenüber je ca. 20% von Orange und Sunrise) sei dabei wesentlich. Eine vergleichbare Asymmetrie des Marktes – der Vorsprung der Swisscom sei uneinholbar – gebe es sonst nur in Tschechien. Sorensen fordert gleich lange Spiesse. Sunrise und Orange müssten weiterhin massiv höhere Kosten, vor allem im Bereich der Initialkosten, tragen. Kosten, die so nicht zu rechtfertigen seien. Hier führt der TDC-Chairman die sinnlose Duplizität der Basisinfrastruktur – vor allem im Festnetz – an. Gerne würde man in den Technologie- und Dienste-Wettbewerb investieren, statt in noch mehr Kabel und Schächte. Immerhin: Hoffnung auf gleiche Chancen bestehe bei der Glasfaser-Technologie. Für Sorensen ist klar: Es braucht mehr Investitionen in Elektronik statt in Beton, Basisinfrastruktur muss künftig mehrfach genutzt werden. Nur so erreichen die exorbitant hohen Telekommunikations-Preise in der Schweiz zu Gunsten der Nutzer ein attraktives Level. Das belebe den Markt und fördere auch künftig private Investitionen. Investitionen wie jene der TDC.

Das Mobile als goldene Brücke über den digitalen Graben

20.10.2009
Guruduth Banavar

Guruduth Banavar

Guruduth Banavar, IBM Indien – Director IBM India Research Laboratory and Chief Technologist IBM India / South Asia

Telekommunikation in Indien ist anders. Sehr anders. Guruduth Banavar portraitiert zunächst das Marktumfeld, das jeden westlichen Anbieter neidisch machen muss. Indien ist nicht nur der grösste Mobile-Markt weltweit. Eine neue Mittelklasse treibt die Wirtschaft an und beschert indischen Anbietern derzeit einen Gesamtzuwachs von sage und schreibe 68%. Zu den derzeit 450 Mio. Handybesitzern kommen monatlich stolze 10 Mio. hinzu. Es laufe also – Wirtschaftskrise hin oder her – immer noch sehr gut. Einer der bedeutenden Player im gut funktionierenden Zusammenspiel internationaler Anbieter ist hierbei sei Vodaphone. Was sind die Besonderheiten des indischen Telco-Marktes? Während die städtischen Regionen ähnlich entwickelt sind, wie in westlichen Ländern, befindet sich der eigentliche Wachstumsmarkt in den ländlichen Regionen. Regionen die kulturell so verschieden seien wie Europa, natürlich auch sprachlich. Hier ist das Internet kein Thema. Soziale Verhältnisse und mangelnde Bildung – auch Analphabetismus – sind die Gründe. Hier setzt ein wichtiges Projekt in den IBM-Forschungslabors, die sich mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen des indischen Marktes auseinandersetzt, an. Das so genannte Spoken Web ist dabei, die digitale Kluft zu überwinden und den Zugang zu Wissen für immer mehr Menschen zu ermöglichen. Kein PC, kein Blackberry oder Smartphone ist gefragt. Viel mehr ein einfaches Handy, meist mit Prepaid Card. So sieht er – vor allem in ländlichen Gebieten – aus, der indische Markt. Sprechen und hören anstelle von schreiben: Voicesides machen dies möglich. Sie überwinden Bildungsdefizite oder Kommunikations-Hindernisse aufgrund sozialer Hintergründe. Voicesides, das heisst: kaufen, sich informieren, werben, suchen, finden, kurz: Soziales, wirtschaftliches und auch politisches Kommunizieren per Handy. Und: Gehörter Zugang zu Wissen. Auch fernab von Delhi ist per Spoken Web via Mobile alles das möglich, was im WWW möglich ist.

„Da sitzen wir also und schauen auf die Krise“

20.10.2009
Joschka Fischer

Joschka Fischer

Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister, heute Unternehmensberater, u.a. bei BMW als Berater für nachhaltige Produktentwicklung.

Fischer macht die Rahmenbedingungen des Kongresses gleich zu Anfang klar. Die Mobilfunkindustrie ist jung und zählt zu den wichtigsten weltweit mit unvergleichlichen Umsatzzuwächsen. Allein die Europäische Union zählt mehr mobile Anschlüsse als Einwohner (Fischer selbst bezeichnet sich auf Anfrage der Moderatorin als „Apple-Typ“). Im Zentrum des Referats aber steht die Dynamik der globalen Entwicklung. So wirft Fischer einen Blick auf die künftige Population. Was treibt in Zukunft diese neun Milliarden Menschen an? Für Fischer ist ebenso klar wie moralisch berechtigt: Alle wollen künftig den westlichen Lebensstandard. Wie aber soll das gehen? Natürlich braucht es eine reduzierte Lebensweise aller – völlig klar. Notwendig sei vor allem ein neues Mobilitätsverhalten, neue Lösungen für die Deckung einer gigantischen Energie-Nachfrage, insbesondere in den Schwellenländern – allen voran China und Indien. Deren Heimatmarkt wird bekanntlich zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Grösse. Wenig Freude hat Fischer an der derzeitigen Haltung Europas. Trotz hervorragender Ausgangsposition betrachte man die Dynamik der Schwellenländer aus der europäischen Defensivperspektive. „Unser Problem ist unsere Geisteshaltung, nach dem Motto: Da sitzen wir also und schauen auf die Krise.“ Welche Weichen sind zu stellen? Die Bereitstellung preiswerter Energie sei wesentlich. Falsch hingegen seien Preissignale, die Energie zu Schleuderpreisen bereitstellten, wie in der Reagan-Ära in den USA geschehen. „Wir sind gewöhnt, Energie – vor allem wenn billig – zu verschwenden. Das wird künftig nicht mehr funktionieren“.

Mit Blick auf Deutschland verweist der ehemalige Grüne Aussenminister auf beachtliche Erfolge im Bereich der erneuerbaren Energien. “ Selbst in meinen grünsten Träumen, hätte ich nicht erwartet, dass wir so schnell so grosse Erfolge haben würden.“ Diese Wettbewerbsvorteile dürfe man nun in der neuen Regierungskoalition nicht aufgeben. Aber eben: Alle internationalen Entwicklungen fänden nicht im machtfreien Raum statt. Ganz im Gegenteil. Das wisse man auch in China und anderen aufstrebenden Schwellenländern. Hier spiele die Nachfragemacht  eine bedeutende Rolle. „Im 21. Jahrhundert wird der Wettbewerb für uns sehr viel härter.“ Nicht nur die Schweiz werde für diesen Wettbewerb künftig zu klein. Auch Deutschland oder Frankreich. Darum ist für Fischer klar: „Da, wo es um einen gemeinsamen Markt geht, müssen wir zusammen handeln.“  

Und eine andere interessante Frage wirft Fischer auf. Sollte man es privaten Unternehmen überlassen, die globale Kommunikationsindustrie zu steuern? Könnte globales Wissen vielleicht durch eine „globale Agentur“ besser definiert und gesteuert werden? Hierüber erwartet Fischer eine baldige, rege Diskussion. Ausgelöst durch – wen sonst – Google.  

„Ängste sollten wir hinter uns lassen, den Blick auf die Chancen richten.“ Nie, so Fischer sei die Freiheit zum Handeln so gross gewesen. Inder, Chinesen seien im Kommen. So weit so legitim. Aber die europäischen Ländern besässen einen beträchtlichen Vorsprung. Eine Spitzenposition, die es selbstbewusst und angstfrei zu verteidigen gelte. Vorne bleiben heisse: Besser Up-to-Tomorrow als Up-to-Date.

Guten Morgen und Bonjour …

20.10.2009

aus Biel. Das Kongresshaus füllt sich langsam. Die Besucherinnen und Besucher geniessen vor der Eröffnung noch einen Kaffee, bis Hans Stöckli, der Präsident der Stiftung Bieler Kommunikationstage die Comdays ‘09 eröffnen wird. Anschliessend folgt der erste Referent: Joschka Fischer, ehemaliger deutscher Aussenminister. Hier im Blog informieren wir Sie unmittelbar nach den Referaten live aus Biel. Werfen Sie einen Blick auf das interessante Programm. Wir freuen uns über Ihr Interesse. Bis später.

Das waren die Comdays 2008

22.10.2008

Liebe Blog-Lesende

Die Comdays 2008 sind soeben zu Ende gegangen. Über 700 Besucherinnen und Besucher haben sich zwei Tage lang hier in Biel über Trends in der Kommunikation informiert. Wie haben Sie die Comdays erlebt? Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu den Referaten? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.

Im Namen der Comdays verabschieden wir uns hiermit von Ihnen. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und bis nächstes Jahr!

Ihre Blog-Autoren

Sabine Ingwersen
Stefan Scherrer

News-Contents sind weiterhin die Flaggschiffe des ORF

22.10.2008

 

Elmar Oberhauser, Informationsdirektor ORF, Wien

„Ich bin 62.“ Anders als sein Vorredner steht Elmar Oberhauser zu seinem Alter. Aber das ist nur wenig wichtig. Wichtiger ist: Der ORF ist rechtlich eine Stiftung und hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Dieser Auftrag ist höchst politisch und viele reden mit. So viel nimmt der ORF-Informationschef vorweg. Schamlos und unanständig seien in den letzten Jahrzehnten die häufigen Versuche seitens der Politik gewesen, Einfluss beim ORF zu nehmen. „Ohne Erfolg“, sagt Elmar Oberholzer nicht ohne Stolz „darum liessen die Versuche mit der Zeit nach.“

Derzeit heisst die Devise beim ORF (TV & Radio) Sparen, denn die Einnahme-Seite macht Sorgen. Ein Spardruck mit qualitativen Folgen.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass eine saubere, unabhängige Information das Kernstück eines öffentlich-rechtlichen Senders ist. Das ORF-Flaggschiff Zeit im Bild (ZIB) verfügt über einen beachtlichen Marktanteil von über 50%. Neue News-Formate sind ZIB 20 und ZIB 24 – in frecherem Stil und für junge Zuschauer.

Das unlösbare Problem beim ORF sei die Konkurrenz des deutschen TV-Markts, der inzwischen mit über 80% Reichweite in Österreich empfangbar ist. Ganze neun österreichische Werbefenster deutscher Kanäle machen der Einnahme-Seite des ORF zu schaffen.

„Wir beim ORF setzen auf normales Fernsehen, pflegen aber auch die neuen Technologien „ erklärt Elmar Oberhauser. Und derzeit sieht es sehr gut aus. Der ORF-Marktanteil steht bei 42,2%. „Aber der Wind, der uns um die Ohren bläst, ist rauer geworden.“

 

Ist das lineare TV passé?

22.10.2008

 

Catherine Mühlemann, bis Sommer 2008 Geschäftsführerin MTV Networks Germany, Teilhaberin Andmann Media Holding GmbH, VR Swisscom AG

Catherine Mühlemann

Catherine Mühlemann

Auch für Catherine Mühlemann ist klar: Das Internet wird zum Leitmedium, insbesondere für die jungen Medienkonsumenten. Ein weiterer Trend liegt für sie im Mobile. Bereits 50% der jungen Leute suchen Content auf dem Handy.

Lineares TV wird gegenüber Non-linearem verlieren. Video On demand-Angebote und das Bedüfnis nach hoher Flexibilität sind die Gründe.

Geschäftsmodelle, so die Medienfrau, werden sich markant verändern.Sie erwartet eine Konsolidierung bei den Anbietern. Und das Konsumentenverhalten? Dieses wird sich weiter wandeln und zwar immer schneller. Einen höheren Bedarf nach Navigation und Orientierung sowie nach Konvergenz (alles auf einen Bildschirm) sieht Catherine Mühlemann für die Zukunft.

Erlösmodelle werden sich künftig in Richtung höherer Diversifikation und konsequenter Kundennähe entwickeln. Was wollen Nutzer wann und wie machen? Diese Kernfrage führen, so Catherine Mühlemann zu neuen Marketinglösungen und neuen Berufsbildern – nämlich Multimediaexperten, die ihre Kunden wirklich kennen.

Content ist the key. Qualitativ gute Inhalte sind für Catherine Mühlemann künftig mehr denn je Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wer den Konsumenten nicht versteht, wird scheitern. Exklusivität wird ebenso wertvoll wie schwierig zu bekommen sein. Mehrfach verwertbare Contents sind essentiell.

Dass der Content Brand künftig wichtiger sein wird, als der Channel Brand wird Marketing-Verantwortliche aufhorchen lassen.

Fazit: Lineares TV ist nicht tot. Aber das Konsumentenverhalten (Bedürfnis nach totaler Flexibilität in der Mediennutzung) legt nahe, dass es unter Druck kommt.

Catherine Mühlemann gibt schliesslich zwei Empfehlungen. Erstens „Watch the Youth“, denn es ist eben die junge Generation, die Neues sofort adaptiert. Und letztlich: „Be Change.“

 

Vor der TV-Internet-Revolution – Connected TV

22.10.2008

Marco Wanders, Senior Director, EMEA Solutions, Microsoft Mediaroom

Marco Wanders

Marco Wanders

Bisher bestimmte der Sender unser Programm. Das wird sich in den nächsten Jahren vollkommen ändern. Und in der Schweiz, so Marco Wanders, werde es erfahrungsgemäss besonders schnell gehen.

TV ist heute normalerweise analog. Anders Connected TV. Es ist zweiwegig, interaktiv und äusserst flexibel. Unbegrenzte Kanäle werden zur Verfügung stehen. Und nicht nur die. Es wird Zugang zu allen anderen Medien aus Radio,  TV oder Internet geben. Beschränkungen gibt es höchstens seitens der Online-Medien. Video on demand: Natürlich werden wir keine Videos im Shop mehr ausleihen. Alles aus Kino und TV ist bereits da. Folglich fällt auch das Programmieren weg. Breitband-IP macht diese flexible Interaktion möglich. Software ist der Träger, denn man will schliesslich alle Geräte vernetzen – Handy, TV, PC …

Und die Werbung? Klar, man kann sie ausschalten. Werbeträger können uns aber auch eine ganz besondere Werbeerfahrung bescheren. Ganz auf unser Medienverhalten zugeschnitten, werden wir beworben. Wer oft nach London telefoniert, erhält von der Airline den besten Flugtarif als persönliche Werbung (Mining). Marco Wanders: „Aber natürlich muss man auch die Privatspäre schützen, das ist klar …“.

Zurzeit hat Mediaroom drei Millionen Set-up-Boxen in Betrieb. Dies nach drei Jahren. Die herkömmlichen Sender werden, so Wanders, nicht verschwinden. Er versteht Connected TV als eine On demand-Ergänzung. Der Fernsehbildschirm wird das entscheidende Element bleiben und wir können bleiben wo wir sind. In unserer gemütlichsten Ecke zum Fernsehen oder zum Connected TV schauen.

 

„Wir reden länger und denken kürzer“

22.10.2008

 

Karlheinz Kögel, Inhaber TMC Thomson Media Control, Baden Baden

Karl-Heinz Kögel„Das ist perfekt – das ist höchstes Niveau“ – mit diesem Lob an die Bieler Veranstalter der Comdays beginnt der Medienforscher Karlheinz Kögel sein Referat.

„Was da läuft, ist Dreck“, sagte Marcel Reich-Ranicki jüngst im Fernsehen. Was ist da dran, fragt Kögel zu Beginn, denn es stelle sich schliesslich die Frage, wie Fernsehen heute eigentlich wirke. Offenbar kann er der Aussage Reich-Ranickis einiges abgewinnen, warum sonst zitiert er gleich darauf den Bieler Literat Robert Walser, der sagte: „Die Literatur ist die Mutter unseres Denkens“.

Generell erreiche die Werbung natürlich das Publikum. Nur welches sei eben die Frage. Kögels TMC beobachtet sämtliche deutsche Medien. Bindungsmuster seien von entscheidender Bedeutung. Wirkt TV der Markenerosion entgegen? Kögel meint nein. Aber: Man muss immer mehr investieren, um eine Reaktion des Publikums zu erwirken.

In Deutschland, so Karlheinz Kögel könne man es überspitzt so sagen: Die Alten lesen weiterhin die Zeitung – die Jungen informieren sich im Internet. Die Schweiz sei bei solchen Medienkonsumtrends in der Regel Vorreiter. Und: Europa wundert sich, dass die Schweiz so erfolgreich Gratiszeitungen lanciert, während 75% derselben in Europa rot schreiben.

In Deutschland nutzen 50 Millionen Menschen täglich das Internet. Bewegte Bilder, vor allem kleine abrufbare Clips aus Unterhaltung und News haben beträchtlichen Erfolg bei den Nutzern.

Werbung im Fernsehen wird künftig, davon ist Kögel überzeugt, auch von einem Wandel des Denkens bestimmt. Stichwort Neue Moral. Die Finanzkrise habe ebenfalls einen Wertewandel zur Folge. „Wir werden schon in den nächsten Monaten sehen, was da geschieht“, und das habe Einfluss auf die Contents der Medien. Einen wichtigen Trend sieht er in der zunehmenden Unverbindlichkeit. Man lasse gern Vieles offen, rede länger und denke kürzer.

Apropos Finanzkrise: Diese habe immer eine Hebelwirkung auf den Werbemarkt, ganz besonders bei den Zeitungen. Die Verlage trifft die Finanzkrise also am härtesten. Kögel erwartet schon in den nächsten Wochen eine Konsolidierung.

Guten Morgen und willkommen zu Tag 2 der Bieler Comdays

22.10.2008

 

Ein weiterer Kommunikations-Tag in Biel. Die comdays-Moderatorin Christine Maier (SF) begrüsst gerade die TeilnehmerInnen. Was Sie heute erwartet? Es geht um die Frage „Gibt es in Zukunft noch `normales`, lineares TV?“ und im Panel diskutieren Experten über die neue Radio- und Fernseh-Ordnung nach der Neukonzessionierung.

Die Formel des Erfinders

21.10.2008

 

Anton Gunziger, Professor ETH Zürich und Erfinder

 

Anton Gunzinger

Anton Gunzinger

Was bedeutet eigentlich Erfinden? Eine interessante Frage, nicht wahr? Für Anton Gunziger ist es eine Technik, die neuen Mehrwert für Menschen durch Innovation kreiert.  Erfinden heisst für ihn: Das Verlassen der Komfort-Zone. Oder das Kultivieren kindlichen Erfindungsgeists oder auch die Not. Denn Not macht nun mal erfinderisch. Was auch dazu gehört: Lust – denn wir müssen eben immer Neues erfinden, haben den Reflex, alles immer wieder zu verbessern. Und letztlich auch: die Liebe – zu was auch immer.

Brauchen Sie eine Formel für Erfolg? Hier ist die von Anton Gunziger:
Erfolg gleich Können mal Erfolgswillen hoch 2 plus Disziplin. Wen das überzeugt, der möge es sich übers Bett hängen. Der Erfolg gibt Professor Gunziger auf jeden Fall Recht.

Was es überhaupt noch zu erfinden gibt? Ein Beispiel zu Gunsten des Schweizer Fernsehens. SF produziert viele Beiträge. Frage: Wie kann man diese sinnvoll archivieren, damit sie für künftige Beiträge nutzbar werden?  Antwort: Mit Metadaten. Merke: Wir reden hier von 2500 Terrabites. Klingt viel, ist viel. Kann man so viele Daten organisieren? Man kann. Das Material wird übrigens von 30 Archivaren und rund 700 Journalisten genutzt/bereitgestellt. Anton Gunziger und sein Team an der ETH macht’s möglich.

Mit IT-Erfindungen hat sich Gunziger wahrlich ausführlich beschäftigt. Ein guter IT-Mitarbeiter ist für ihn jemand mit guten Fachkenntnissen und hoher Integrität. Ausserdem: er/sie muss gerne mit Menschen zu tun haben. Wer das erfüllt, so Anton Gunziger, sollte wissen: IT is your place to be!

 

Ein langer erster Tag hier in Biel geht langsam zu Ende. Viele Referenten haben gesprochen. Und was auffällt: Anton Gunziger hat auch jetzt, nach 18 Uhr, noch grosse Augen.

 

 

 

 

In Telco-Produkte investieren?

21.10.2008

 

Klaus-Dieter Scheurle, Professor und Managing Director der Credit Suisse, Frankfurt

Klaus-Dieter Scheurle

Klaus-Dieter Scheurle

Klaus-Dieter Scheurle hat schon Vieles erlebt. Einerseits war er hautnah dabei, als die Deutsche Bundespost privatisiert wurde, andererseits kennt er die Grenzen der Telco-Machbarkeiten aus seiner Zeit bei der Telekommunikations-Regulierungsbehörde.

Heute betrachtet er den Telco-Markt aus Sicht eines CS-Investment-Bankers.

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise haben sich die Telekommunikations-Anbieter recht gut geschlagen. Deren Performance hat zwar seit Januar an Schwung verloren. Telco-Produkte stehen aber vergleichbar gut im Markt. So fielen Telco-Aktien in der Phase der Finanzkrise um rund 16%, niedriger als der Durchschnitt (-22%).

Allerdings, so Scheurle, stecken wir in einer wirtschaftlichen Abschwächung, von der  v. a. der Mobilfunk-Markt betroffen ist. „Wir werden hier im kommenden Jahr weniger Erträge sehen.“ 

Festnetz: Auch hier sind die Umsätze geringer, aber dieser Bereich verzeichnet eine höhere Profitabilität durch verbesserte Margen. Die Breitbanddienste hingegen generieren – nicht verwunderlich – Zuwächse. Wer hier die notwendigen Investitionen tätigt, ist dabei.

Ausblick: Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt bekanntlich derzeit kein gutes Bild. Insbesondere im Mobilfunk wird dieses sichtbar sein. Mobilfunk sei, so Scheurle, weit abhängiger von der wirtschaftlichen Entwicklung als das Festnetz-Geschäft. Den kleineren Anbietern prognostiziert er weniger Wachstum.

Und letztlich zum Thema Mergers & Acqusitions im Bereich Telekommunikation: More sellers than buyers. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

Stromnetze sind anders als Telekom-Netze

21.10.2008

 

Hans-Peter Aebi, CEO Swissgrid

Hans-Peter Aebi

Hans-Peter Aebi

Wir brauchen den Wettbewerb im Strom. Das macht Hans-Peter Aebi gleich zu Anfang klar.

Die Unterschiede zu den Netzen der Telekommunikation sind grösser als mancher Laie gedacht haben mag, denn, so Aebi, Strom könne man nicht speichern, er gehe den Weg des geringsten Widerstands. Je grösser die Distanz, desto grösser der Widerstand – und: die Produktion muss stets im Gleichgewicht sein.

Ohne Strom geht nichts. So viel ist sicher. Versorgungssicherheit, so Hans-Peter Aebi, steht bei Swissgrid daher strategisch sogar noch über wirtschaftlichen Erwägungen. Das ist nachvollziehbar, denn Stromausfälle können bekanntlich katastrophale Folgen auf allen Ebenen nach sich ziehen.

In fünf Jahren erfolgt die Eigentumsübertragung des Schweizerischen Stromnetzes. Eigentum bedeute Macht, so der Swissgrid-Chef und nach seiner Erfahrung werde diese in der Regel eben auch ausgenutzt. Eine Übertragungsnetzwerkgesellschaft – eine Art Letzte-Meile-Gesellschaft – sei dann für gewissenhaft geführte Stromnetzwerke ohne Diskriminierung eine für alle sinnvolle Lösung.  

Aus zwei guten Netzen ein sehr gutes gemacht

21.10.2008

 

Emin Gurdenli, Technology Director, T-Mobile UK

Emin Gurdenli

Emin Gurdenli

Emin Gurdenli ist seit 20 Jahren im Mobilfunk-Business und muss es wissen. Das Joint Venture zwischen T-Mobile UK und 3G ist über die Bühne gegangen und es ist laut Gurdenli auf bestem Weg. Networksharing, die gemeinsame Netzwerk-Nutzung der beiden Anbieter ist für ihn der entscheidende Erfolgsfaktor für die 50:50-Joint Venture-Kooperation von T-mobile und 3G.

Es gehe dabei aber nicht nur um Kostenersparnisse, sondern in erster Linie um Kundenzufriedenheit. Will heissen: Eine bessere Abdeckung,  die nota bene 2 Milliarden Pfund kostet.

Man habe mit den Netzen von T-mobile und 3G aus zwei guten ein sehr gutes Netz gemacht und verfüge nun über eine Abdeckung von 98% und, so Gurdenli, „the price for users is fantastic“.  Gross seien unter diesen Bedingungen die Chancen für Innovationen.  Ja, die kommerziellen und rechtlichen Hürden seien beträchtlich gewesen. Dennoch versteht sich Gurdenli als überzeugter Vertreter des Netsharings: „Je mehr man teilt, desto mehr holt man raus und desto grösser werden die Chancen“.  Durch die Überlappung von gemeinsamer Infrastruktur konnten 5000 Antennen ausser Betrieb genommen werden.

Jetzt steht die Maximierung der Infrastruktur auf dem gemeinsamen Plan. Ansonsten treten die beiden Anbieter weiterhin als Wettbewerber im Markt gegeneinander an.

 

„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“

21.10.2008

 

Bundesrat Moritz Leuenberger
Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, UVEK

 

Eine kleine Netz-Geschichte hilft dem Bundesrat, seine Botschaften bildhaft darzustellen:

Da war die Pfahlbauerfamilie Pfahli am Bielersee und die hatte ein Problem. Fing Pfahli doch plötzlich keine Fische mehr, weil die Konkurrenzfischer aus dem Murtensee alles aus dem See abzockten, was den Pfahlbauer und seine Familie am Leben hielt. Doch die Götter halfen. Und zwar in Gestalt einer aufgehenden Sonne (Sunrise erwachte) und zwar in göttlichem Orange. Dahinter erhob sich ein grosser grauer Swisscom-Gott. Die drei verhalfen ihm zu einem Netz, mit dem der gute Pfahli zehn prächtige Fische angelte. Die Familie wurde wieder satt. Vorerst. Und sie besuchten eine Versammlung des Pfahlbauerrates, wo man sich fragte: Wie viele Netze braucht der Mensch?

Menschen, so der Bundesrat weiter, seien soziale Wesen, die sich in sozialen Netzen organisieren, sich dort bewegen, sogar ernähren. Denn: In der Einsamkeit können sie sich nicht entwickeln. Der Drang nach Vernetzung – ebenso wie jener nach Mobilität – sei oft ungestüm. Der Mensch dränge dabei stets auf Gleichbehandlung. Aber leider: unendlich viele Netze sind zu viel, sind nicht realistisch. Was also gibt es für den Staat hier zu tun?

Zunächst müsse dieser dafür sorgen, dass Netze überhaupt vorhanden sind und funktionieren. Monopole seien zu vermeiden. Indes: Ab einer bestimmten wirtschaftlichen Investitionsgrösse kommt eben nur der Staat für die Finanzierung und Verwaltung in Frage. Beispiel NEAT.

Wie geht es nun in der Glasfasertechnologie weiter? Die Gesellschaften, so Leuenberger, müssten sich einigen. Vielleicht durch den vorliegenden Vorschlag, dass einer bohrt und ein anderer ihm für die Nutzung ein Entgelt zahlt.  Wichtig sei dabei erstens die Versorgungssicherheit (alle Gegenden sollen denselben Zugang zu den Netzen erhalten; Bsp.: Breitband in Alpentälern), zweitens die Versorgungsgerechtigkeit, z.B. auch für Behinderte, sowie drittens die Netzsicherheit (diese muss nicht nur funktionieren sondern darf niemanden gefährden und der Cyber-Kriminalität entgegentreten).

„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“. Müssen die Menschen also vor sich selber geschützt werden? Verändern die neuen Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen? Vieles habe sich geändert, sei globaler geworden und doch: Voyeurismus, Exhibitionsmus und Lynchjustiz gab es schon immer.

Es gehe nicht darum, die Nutzung zu reglementieren, vielmehr darum, einen qualifizierten Umgang mit den neuen Medien zu erreichen.

Nicht nur Pfahli hatte von Sunrise, Orange und Swisscom sein erstes Netz erhalten. Der Bieler See war in der Folge darum bald überfischt. Pfahli klagte den Göttern: „Ich will jetzt ein grösseres Netz haben, so gross wie der See!“ Da sackte ein riesiges Netz auf ihn herab. In diesem verstrickte er sich. Und die drei Götter? Die waren schon privatisiert und meinten dazu: „Da musst du den Staat fragen.“ Ob Pfahli noch lebt, wissen wir nicht. Anders sei es mit den drei Göttern, schliesst der Bundesrat: Diesen wird immer geholfen.

PS:  Heute Nachmittag hat Moritz Leuenberger ein Meeting mit Michael T. Fries, Chef von Liberty Global (Eigentümer von Cablecom). Davon heute leider kein Blog-Beitrag, da das Meeting nicht hier in Biel auf dem Parkett stattfindet. Schade eigentlich.

Quotes aus der Panel-Diskussion

21.10.2008

Klaus von den Hoff, Director Global Time Practice, Arthur D. Little:  Ich halte wenig von funktionaler Trennung. Wozu diese Trennung, wenn der Markt spielt? Technologische Vielfalt gewichte ich hoch. Anbieter aber müssen investieren.

Forsyth: Man darf sich nicht ausschliesslich am Privatkunden orientieren. Die Bedürfnisse von Unternehmen dürfen nicht ausser Acht gelassen werden und führen zu anderen Lösungsansätzen.

Schloter: Auch in Italien sind wir klar gegen eine funktionale Trennung – entgegen Medienberichten. Innovation und Fortschritt sind wichtige Faktoren, die es für die Anbieter zu gewährleisten gilt.

Brand:  In Bezug auf Wettbewerb sind wir in der Schweiz Jahre hinter dem übrigen Europa zurück. Es macht keinen Sinn, vier Leitungen in jede Wohnung zu legen. Das sind führt zu einem überhöhten Investitionsniveau.

Lalande: Das Problem des alternativen Anbieters ist der gleichberechtigte Zugang zu Netzen (Equivalence of Input – EOI).

Schloter: Eine funktionale Trennung bedeutet einen schwerwiegenden Eingriff in den Markt. EOI ist auch für uns ein wichtiger Faktor. Wir setzen die Entbündelung sehr gut um und betrachten uns hier als Musterbeispiel in Europa.

Brand: Glasfaser wird Kupfer ablösen!

Messmer:  Ich sehe keinen Grund, warum nicht auch Swisscom – wie Sunrise oder Orange – unsere Glasfaser-Dienste in Anspruch nehmen sollte.

Schloter: Wir werden keine Haushalte doppelt anschliessen, an Duplizierungen sind wir nicht interessiert. Die Frage ist nur, welche Ebene für uns verwertbar ist und welche nicht.

Votum für den Infrastrukturwettbewerb

21.10.2008

 

Carsten Schloter, CEO Swisscom

Carsten Schloter

Carsten Schloter

Die Erneuerung der Infrastruktur in der Telekommunikation wird teuer. Die Nachfrage für beträchtliche Bandbreiten steigt.  Vor allem vor diesem Hintergrund, so Carsten Schloter, gehe man bei Swisscom den Weg der Glasfasertechnologie. Kabelbetreiber stünden aufgrund des notwendigen Kapazitäts-Wachstums vor einer grossen Herausforderung resp. vor der Konsolidierung. Glasfaser sei es, die dem Markt künftig Wachstum bescheren wird und die Kommunikations-Nachfrage der Zukunft befriedigen kann. Der beste Weg dorthin führt für den Swisscom-CEO über den Infrastruktur-Wettbewerb.

Die Dynamik für Glasfaser-Innovationsbedarf ist riesig. Und diese tätige man bei Swisscom. Während man in Grossbritannien (ein funktional getrennter Markt) pro Haushalt 51 Franken investiere, seien dies in der Schweiz durch Swisscom derzeit über 120 Franken.