„Die Tagespresse verweigert sich dem dringend notwendigen Qualitäts-Kurs“

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Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren

Prof. Dr. Otfried Jarren, Prorektor Universität Zürich

Der Ordinarius für Publizistikwissenschaft sieht weder eine Medienkrise noch eine Demokratiekrise. Wohl aber eine markante Krise der Tageszeitungen und vor allem dessen Verlagsmanagement. Die Krise sei also konjunkturell aber eben auch institutionell. Hausgemacht also. Jarren findet klare und höchst kritische Worte an die Adresse der Tageszeitungs-Verlagschefs. Die Tagespresse gehe zu wenig auf die Bedürfnisse unserer hochdifferenzierten Wissensgesellschaft ein. Mit Unverständnis stellt Jarren fest, dass die Branche sich einem dringend notwenigen Qualitätskurs verweigere.

Auch findet er keine wirksame oder erkennbare Arbeit an der Markenbildung zu Gunsten der Tagespresse. Alleinstellungsmerkmale? Fehlanzeige. Der Branche sei es offenbar zu lange zu gut gegangen, sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf Regulierungsprivilegien. Eine markante Innovationsschwäche sei jetzt die Folge. Jetzt wolle man den Weg einer Multimedia-Strategie gehen. Das aber überfordere die Verlage. Aufkaufen, Verdrängen oder die forcierte Lancierung von Gratis-Presseprodukten seien weitere – falsche – Wege aus dem Dilemma. Jarren empfiehlt den Tageszeitungs-Machern dringend, die Kräfte in qualitativ hochwertige Publizistik zu investieren. Man müsse zu einem „Qualitäts-Pakt“ mit dem Publikum kommen. Heisst: Publizistischen Wert schaffen, für den das Publikum bereit ist, angemessen zu zahlen. Die konjunkturelle Krise biete letztlich den Verlagen die Chance, ihre Strukturen anzupassen. So gesehen, könnte die aktuelle Wirtschaftskrise heilende Wirkung haben.

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