„Journalistische Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen“

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Philipp Cueni

Philipp Cueni

Philipp Cueni, SSM und Präsident Verein Qualität im Journalismus, Basel, Verantwortlicher Redaktor für das Medienmagazin EDITO

Für Philipp Cueni hat Journalismus eine eigene Kraft. Solange er qualitativ ausgerichtet ist. Nicht anders als bei den meisten anderen Referenten am heutigen Comdays-Tag, steht die Forderung nach Qualitätsjournalismus im Zentrum der Ausführungen. Hier aus Sicht der Medienschaffenden.

Das Berufsbild des Journalisten sei von unregelmässigem Arbeiten geprägt, was nachweislich belastend sei. Extra-Leistungen und –Recherchen würden in der Regel nicht honoriert, der Lohn sei in der Regel eher gut, das Sozialprestige hingegen gering.

In den Schweizer Redaktionen herrsche derzeit grosse Verunsicherung. Aber es gehe hier nicht ums Klagen, so Cueni und kommt auf das Eigentliche, der allseitigen Forderung nach qualitativ hoch stehendem Journalismus, zurück. Dieser führe eben auch über gute Arbeitsbedingungen. „Qualitätsjournalismus braucht gute Leute, sehr gute.“ Sehr gute Aus- und Weiterbildung seien damit unabdingbar. Ebenso wie Zeit – ein entscheidender Faktor für guten Journalismus.

600 entlassene Journalisten seien in einer kleinen Branche dramatisch, die sozialpolitischen und demokratiepolitischen Folgen schwerwiegend. Mit jedem entlassenen Journalisten ginge auch publizistisches Wissen verloren. Wie viele Journalisten es brauche, um die Demokratie sicherzustellen, sei schwer bezifferbar. „Vergleiche mit anderen Branchen hinken. Das ist keine Schraubenfabrik, wo sich die Zahl der Mitarbeiter am Schraubenbedarf orientiert.“ Sicher sei aber: Sinkt die Zahl der Journalisten unter eine bestimmte Grösse, habe dies einen Verlust von „Brain“ (Wissen, vor allem auch vertieftes und spezialisiertes Wissen) und Beobachtungsvielfalt zur Folge.

Journalismus überlebt, wenn er die Fragen der Gesellschaft qualifiziert beantwortet. Dafür brauche es Zeit und auch die Gewerkschaften seien sich darüber bewusst, dass dies Geld koste. Auch seien sie sich darüber im Klaren, dass die Einnahmeseite unter Druck sei. Als Forderung der Gewerkschaftsseite nennt Philipp Cueni ein Bewusstsein dafür, dass Qualitätsjournalismus als Kerngeschäft wahrgenommen werden muss. Der Staat sollte sich ebenfalls engagieren (sei dies durch steuerliche Entlastungen, verschiedenartige Förderungen o.a.). Zu Gunsten von gutem Journalismus appelliert er dafür, Abstand von der Idee zu nehmen, dass Renditen um 15% realisiert werden müssen. „Den Wert der journalistischen Qualität müssen die Verleger sich etwas kosten lassen.“ Und an die eigene Zunft richtet er die Botschaft: Auch wenn es anstrengend und aufwändig ist. Es gilt, das Ziel des Qualitätsjournalismus zu realisieren. Diesen zu liefern und einzufordern.

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