Fiber to the Home – vom Hype zur Realisierung

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Panel, mit kurzen Impulsreferaten. Teilnehmer:

Carsten Schloter CEO Swisscom AG
David Thiel Vorsitzender IWB (Industrielle Werke Basel)
Fredy Brunner Stadtrat Stadt St.Gallen, Vorstand Technische Betriebe
Christoph Brand CEO Sunrise Communications AG
Andreas Widmer CEO Wasserwerke Zug AG (WWZ)
Ansgar Gmür Direktor Hauseigentümerverband Schweiz
Martin Dumermuth Direktor BAKOM
Ruedi Noser Unternehmer, Nationalrat und Präsident ICT Switzerland
Peter Messmann Leiter Telecom, Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz)

Moderation: Rainer Borer Leiter Wirtschaftsredaktion Schweizer Radio DRS

Fiber to Home: «Eine grosse Aufgabe, die auf diese Herren zukommt», leitet Rainer Borer die Paneldiskussion ein. Vor zwei Wochen kam die Meldung, dass zum Thema Glasfasernetze in der Schweiz ein Durchbruch gelungen ist.

Carsten Schloter: Glasfaser ist ein extrem langfristiges Unterfangen. Der Nutzen wird sich nicht von Beginn materialisieren. Wir dürfen nicht damit rechnen, dass schon bald alle Haushalte mit Glasfaserkabeln erschlossen ist. Das wird ein Generationenprojekt. Aktionismus ist fehl am Platz, gefragt ist Pragmatismus. Der volkswirtschaftliche Nutzen dieser sehr hohen Investitionen wird hoch sein. Das Risiko dafür ist auf mehrere Schultern zu verteilen. Das ideale Modell dafür existiert nicht, jedes Land sucht dafür den geeignetsten Weg. In der Schweiz konnten wir uns in sehr kurzer Zeit auf die Grundzüge eines gemeinsamen Modells einigen

Christopn Brand: Mit wenigen Einschränkungen kann ich mich dem anschliessen, was Carsten Schloter gesagt hat. Wir begrüssen diesen Konsens. Er ist die richtige Mischung zwischen «ein Mal bauen» und «bauen ohne Ende». Dass alle Anbieter auf die Glasfasern Zugriff haben, ist gut. Der Wettbewerb kann spielen, das ist wichtig.

Peter Messmann: Die Krux liegt im Detail. Die Voraussetzung, damit eine Stadt in ein Glasfasernetz investiert, ist eine Win-Win-Situation. Wir brauche einen gewissen Investitionsschutz, wenn auch nicht eine Garantie. Ziel ist nicht eine Gewinnmaximierung, aber Eigenwirtschaftlichkeit. Wir wollen nicht heute einen Deal abschliessen, der in zehn, fünfzehn Jahren hohe Folgekosten nach sich zieht. Wir wollen ein Netz bauen, das den Standort fördert, dafür sind wir zu einem Zusatzinvestment bereit, aber in gewissen Massen. Investitions-, Unterhalts- und Betriebskosten werden noch Fragen aufwerfen, die Details müssen erst noch ausgearbeitet werden.

David Thiel: Telekommunikation wird neben Wasser- und Energieversorgung für urbane Zentren eine ganz zentrale Rolle spielen. Das Engagement der Öffentlichen Hand zielt darauf, nicht von Dritten abhängig zu werden, uns keine Spielregeln aufdrängen zu lassen. Der Austausch mit den Telekomanbietern ist sehr spannend. Wir sprechen dabei nicht immer die selbe Sprache. Unter «Diskriminierungsfrei» verstehen bis jetzt nicht exakt das selbe.

Andreas Widmer: Telekommunikation ist nur ein Teil unseres Produkteportfolios. Gewerbekunden haben wir bereits mit Glasfaserkabel erschlossen. Wir investieren auch jetzt wieder in diese Infrastruktur und werden allen Haushalten hohe Übertragungsraten anbieten können. Von unseren bisherigen Kunden setzt bisher nur ein Prozent auf die ganz schnelle – aber teuereren – Übertragungsraten.

Ansgar Gmür: Das ist das erste Mal, dass die zahlenden Gäste auch eingeladen sind! Heute sind 62% der Mehrfamilienhäuser in privaten Händen. Wir Hauseigentümer haben Forderungen: Wir sind durchaus dafür, die Häuser mit vier Fasern zu erschliessen. Aber, Sie als Anbieter müssen die Technologie unseren Mitgliedern besser erklären. Die sind mit dieser Thematik überfordert. Die Kosten für den Bau und Rückbau ist Sache der Netzanbieter. Wir haben jetzt eine Kröte geschluckt; die Verträge über zwanzig Jahre.

Fredy Brunner: Wir haben in St. Gallen drei Ansätze gehabt: Kommunikation wird zum Grundbedürfnis, wir wollen uns aber nicht fremdbestimmen lassen. Deshalb haben wir schon früh selber investiert. Wenn wir ein eigenes Netz bauen (das tun wir jetzt, in Absprache mit den Anbietern), dann wollen wir die Vollabdeckung. Rasch, günstig, nicht diskriminierend. Das Netz muss sich selber tragen. Dafür gibt es einen Businessplan über dreissig Jahre.

Ruedi Noser: So wie diese Diskussion läuft, funktioniert die Schweiz. Wenn diese Netze gebaut sind wird es schnell so weit kommen, dass ein Anbieter das Management für die Netze in der Schweiz übernimmt. Es geht irgendwann nicht zuletzt darum, gegenüber ausländischen Konkurrenten zu bestehen

Martin Dumermuth: Der runde Tisch hat einen erheblichen Fortschritt in Richtung Wettbewerb gebracht. Die Thematik ist komplex, die Forderungen kommen aus vielen Richtungen. In Europa wird diskutiert «wie bringen wir unsere Akteure dazu, in Glasfasernetz zu investieren?», in der Schweiz ist die Bereitschaft dazu gross. Regulieren heisst nicht, den Infrastruktur-Wettbewerb zu blockieren, wir wollen den Entwicklungskorridor offen halten. Den haben wir heute offen und er zeigt in die richtige Richtung. Aber selbst mit dem Vier-Phasen-Modell ist nicht garantiert, dass der Wettbewerb spielt. Dafür braucht es allenfalls Auffangnetze. Es ist auch denkbar, dass der Wettbewerb in einzelnen Regionen funktioniert, in anderen aber nicht. Dann stellt sich die Frage der Grundversorgung. Der Wachstumsprozess beginnt in den städtischen Agglomerationen, entwickelt sich dann in die ländlichen Regionen. Das wird mehr Zeit brauche als sich viele heute vorstellen.

Kommentar: Die Politik will, dass alle Anbieter über gleich lange Spiesse verfügen. Logisch, dass die Unternehmer das anders sehen. Ruedi Noser: «Wenn ich als Unternehmer so etwas höre, werde ich ganz kribbelig. Gleich lange Spiesse bedeutet das Ende jeden Wettbewerbs.» Carsten Schloter: «Der Wettbewerb sollte auch zwischen den Regionen spielen, das schafft zusätzliche Dynamik.»

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Eine Antwort to “Fiber to the Home – vom Hype zur Realisierung”

  1. Ellen Bohl Says:

    Mit Sicherheit eine wichtige These. Ich hoffe, der Blog bleibt an der Geschichte dran?! Im näheren Umfeld vergeht keine Party, wo das nicht Gesprächsthema ist. Vielen Dank, Ellen Bohl

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