„Wir reden länger und denken kürzer“

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Karlheinz Kögel, Inhaber TMC Thomson Media Control, Baden Baden

Karl-Heinz Kögel„Das ist perfekt – das ist höchstes Niveau“ – mit diesem Lob an die Bieler Veranstalter der Comdays beginnt der Medienforscher Karlheinz Kögel sein Referat.

„Was da läuft, ist Dreck“, sagte Marcel Reich-Ranicki jüngst im Fernsehen. Was ist da dran, fragt Kögel zu Beginn, denn es stelle sich schliesslich die Frage, wie Fernsehen heute eigentlich wirke. Offenbar kann er der Aussage Reich-Ranickis einiges abgewinnen, warum sonst zitiert er gleich darauf den Bieler Literat Robert Walser, der sagte: „Die Literatur ist die Mutter unseres Denkens“.

Generell erreiche die Werbung natürlich das Publikum. Nur welches sei eben die Frage. Kögels TMC beobachtet sämtliche deutsche Medien. Bindungsmuster seien von entscheidender Bedeutung. Wirkt TV der Markenerosion entgegen? Kögel meint nein. Aber: Man muss immer mehr investieren, um eine Reaktion des Publikums zu erwirken.

In Deutschland, so Karlheinz Kögel könne man es überspitzt so sagen: Die Alten lesen weiterhin die Zeitung – die Jungen informieren sich im Internet. Die Schweiz sei bei solchen Medienkonsumtrends in der Regel Vorreiter. Und: Europa wundert sich, dass die Schweiz so erfolgreich Gratiszeitungen lanciert, während 75% derselben in Europa rot schreiben.

In Deutschland nutzen 50 Millionen Menschen täglich das Internet. Bewegte Bilder, vor allem kleine abrufbare Clips aus Unterhaltung und News haben beträchtlichen Erfolg bei den Nutzern.

Werbung im Fernsehen wird künftig, davon ist Kögel überzeugt, auch von einem Wandel des Denkens bestimmt. Stichwort Neue Moral. Die Finanzkrise habe ebenfalls einen Wertewandel zur Folge. „Wir werden schon in den nächsten Monaten sehen, was da geschieht“, und das habe Einfluss auf die Contents der Medien. Einen wichtigen Trend sieht er in der zunehmenden Unverbindlichkeit. Man lasse gern Vieles offen, rede länger und denke kürzer.

Apropos Finanzkrise: Diese habe immer eine Hebelwirkung auf den Werbemarkt, ganz besonders bei den Zeitungen. Die Verlage trifft die Finanzkrise also am härtesten. Kögel erwartet schon in den nächsten Wochen eine Konsolidierung.

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