„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“

by

 

Bundesrat Moritz Leuenberger
Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, UVEK

 

Eine kleine Netz-Geschichte hilft dem Bundesrat, seine Botschaften bildhaft darzustellen:

Da war die Pfahlbauerfamilie Pfahli am Bielersee und die hatte ein Problem. Fing Pfahli doch plötzlich keine Fische mehr, weil die Konkurrenzfischer aus dem Murtensee alles aus dem See abzockten, was den Pfahlbauer und seine Familie am Leben hielt. Doch die Götter halfen. Und zwar in Gestalt einer aufgehenden Sonne (Sunrise erwachte) und zwar in göttlichem Orange. Dahinter erhob sich ein grosser grauer Swisscom-Gott. Die drei verhalfen ihm zu einem Netz, mit dem der gute Pfahli zehn prächtige Fische angelte. Die Familie wurde wieder satt. Vorerst. Und sie besuchten eine Versammlung des Pfahlbauerrates, wo man sich fragte: Wie viele Netze braucht der Mensch?

Menschen, so der Bundesrat weiter, seien soziale Wesen, die sich in sozialen Netzen organisieren, sich dort bewegen, sogar ernähren. Denn: In der Einsamkeit können sie sich nicht entwickeln. Der Drang nach Vernetzung – ebenso wie jener nach Mobilität – sei oft ungestüm. Der Mensch dränge dabei stets auf Gleichbehandlung. Aber leider: unendlich viele Netze sind zu viel, sind nicht realistisch. Was also gibt es für den Staat hier zu tun?

Zunächst müsse dieser dafür sorgen, dass Netze überhaupt vorhanden sind und funktionieren. Monopole seien zu vermeiden. Indes: Ab einer bestimmten wirtschaftlichen Investitionsgrösse kommt eben nur der Staat für die Finanzierung und Verwaltung in Frage. Beispiel NEAT.

Wie geht es nun in der Glasfasertechnologie weiter? Die Gesellschaften, so Leuenberger, müssten sich einigen. Vielleicht durch den vorliegenden Vorschlag, dass einer bohrt und ein anderer ihm für die Nutzung ein Entgelt zahlt.  Wichtig sei dabei erstens die Versorgungssicherheit (alle Gegenden sollen denselben Zugang zu den Netzen erhalten; Bsp.: Breitband in Alpentälern), zweitens die Versorgungsgerechtigkeit, z.B. auch für Behinderte, sowie drittens die Netzsicherheit (diese muss nicht nur funktionieren sondern darf niemanden gefährden und der Cyber-Kriminalität entgegentreten).

„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“. Müssen die Menschen also vor sich selber geschützt werden? Verändern die neuen Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen? Vieles habe sich geändert, sei globaler geworden und doch: Voyeurismus, Exhibitionsmus und Lynchjustiz gab es schon immer.

Es gehe nicht darum, die Nutzung zu reglementieren, vielmehr darum, einen qualifizierten Umgang mit den neuen Medien zu erreichen.

Nicht nur Pfahli hatte von Sunrise, Orange und Swisscom sein erstes Netz erhalten. Der Bieler See war in der Folge darum bald überfischt. Pfahli klagte den Göttern: „Ich will jetzt ein grösseres Netz haben, so gross wie der See!“ Da sackte ein riesiges Netz auf ihn herab. In diesem verstrickte er sich. Und die drei Götter? Die waren schon privatisiert und meinten dazu: „Da musst du den Staat fragen.“ Ob Pfahli noch lebt, wissen wir nicht. Anders sei es mit den drei Göttern, schliesst der Bundesrat: Diesen wird immer geholfen.

PS:  Heute Nachmittag hat Moritz Leuenberger ein Meeting mit Michael T. Fries, Chef von Liberty Global (Eigentümer von Cablecom). Davon heute leider kein Blog-Beitrag, da das Meeting nicht hier in Biel auf dem Parkett stattfindet. Schade eigentlich.

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4 Antworten to “„Wir müssen die Netze beherrschen und nicht umgekehrt“”

  1. Artio Says:

    Dann kann man hier jetzt also kommentieren, ohne dass immer so ein Moderator seine Finger im Spiel hat wie im Leuenberger-Blog? Ist das schön! Das Nummer-Sicher-Gehen dort mag zwar gute Gründe haben, ist aber nicht immer so mein Ding. Und wer bei Netzen einseitig an Fischer-Netze denkt, verkürzt die Wortfamilie der Netze massive. Es gibt auch Spinnen-Netze (vielleicht auch Spinner-Netze). Es gibt jene der Akrobaten, die sich traumtänzerisch in schwindelnd erregenden Höhen bewegen, unten das Netz als Sicherung, mir gefällt das noch besser als die Vorstellung der Fische, die im Netz zappeln, denn die können rein gar nichts dafür. Oder es gibt das Badmington- und Tennis-Netz. Auch Volleyball-Netz. Dann gibt es auch noch die Netz-Haut, wo quasi Worte landen können, mitunter auch jene des Bundesrates. Wobei man bei ihm betonen muss, dass er auch sehr verstrickt ist in die Welt, die auch er nicht beherrschen kann. Wahrscheinlich benötigt die ja auch keine Herrscher.

  2. Artio Says:

    Aber wenn die Welt das sieht, muss sie ja lachen!

    Wenn der Verteidigungsminister wäre, würden alle Armeen dieser Welt vor lauter Lachen das Kriegen vergessen! So einer kann einem ja kaum Angst machen!

    🙂

  3. Artio Says:

    Da herrschen ja fast paradiesische Zustände hier, nicht so ein Gedränge und Wort-Gelärme wie im Leuenberger-Blog. Mir gefällt es hier. (Dagegen können nicht mal der Webmaster/Megaphon und eine andere aus dem UVEK was tun! (Hähä!) 🙂 🙂 :):) :):) :):) :):) :):) :):) :):) :):) 🙂

    “Ich will jetzt ein grösseres Netz haben, so gross wie der See!”

    Der gibt sich aber mit wenig zufrieden, das Meer ist es doch! Wenn man einen falschen Tritt macht, plumpst man halt ins Wasser und wird beim Eintritt darin schnell ein Fisch. (Wenn es auf der anderen Seite der Obama schaffen würde, wäre schon nicht schlecht für diese Welt und den Bundesrat, habe ich das Gefühl.)

  4. Artio Says:

    Hmmmmmm, jetzt da der Originaltext:
    http://www.uvek.admin.ch/dokumentation/00476/00477/01572/index.html?lang=de

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